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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Du verstehst, warum die eigene Lebensgeschichte das Fundament deiner Arbeit als Facilitator bildet
  • Du erkennst persönliche Muster und blinde Flecken, die deine Begleitung beeinflussen
  • Du kannst ein Genogramm als Werkzeug der Selbsterkundung nutzen
  • Du verstehst, wie Projektionsrisiken durch fehlende Selbstkenntnis entstehen

Biografische Selbstreflexion

Deine Geschichte als Fundament

Jeder Facilitator bringt eine Lebensgeschichte mit in den Raum. Nicht als Gepäck, das abgestellt werden kann, sondern als Linse, durch die alles gefiltert wird — jede Reaktion, jede Einschätzung, jede Entscheidung im Moment. Die Frage ist nicht, ob deine Biografie deine Arbeit beeinflusst. Die Frage ist, ob du weißt, wie.

Wenn ein Teilnehmer während einer Erfahrung weint, aktiviert das etwas in dir. Wenn jemand wütend wird, reagiert etwas in dir. Wenn jemand schweigt und sich zurückzieht, löst das etwas in dir aus. Diese Reaktionen sind nicht neutral. Sie sind geprägt von dem, was du selbst erlebt hast — von deiner Kindheit, deinen Beziehungen, deinen eigenen Momenten der Verletzlichkeit und Stärke.

Persönliche Muster erkennen

Muster sind wie Wasserrinnen im Gelände. Einmal entstanden, fließt das Wasser immer wieder denselben Weg. In der Begleitung psychedelischer Erfahrungen zeigen sich solche Muster besonders deutlich:

  • Der Retter-Impuls: Du spürst den Drang, Teilnehmer vor schwierigen Gefühlen zu „beschützen" — vielleicht weil du selbst gelernt hast, dass intensive Emotionen gefährlich sind.
  • Die Distanz-Strategie: Du hältst professionelle Distanz, wo Nähe angemessen wäre — möglicherweise weil emotionale Nähe in deiner eigenen Geschichte mit Überforderung verbunden war.
  • Der Deuter: Du neigst dazu, den Erfahrungen anderer sofort Bedeutung zuzuschreiben — eventuell weil Ungewissheit für dich schwer auszuhalten ist.
  • Der Kontrolleur: Du versuchst, den Verlauf einer Erfahrung zu steuern — weil Kontrollverlust in deiner eigenen Geschichte bedrohlich war.

Keines dieser Muster macht dich zu einem schlechten Facilitator. Aber jedes unerkannte Muster macht dich zu einem weniger bewussten. Und Bewusstheit ist das Kernwerkzeug deiner Arbeit.

Familiensysteme als Selbsterkundung

Jeder von uns ist in ein System hineingeboren, das bestimmte Rollen, Regeln und Dynamiken hatte. Diese Prägungen wirken weit über die Kindheit hinaus. Als Facilitator lohnt es sich, diese systemischen Einflüsse zu verstehen — nicht um Schuld zuzuweisen, sondern um Klarheit zu gewinnen.

Systemische Perspektiven helfen dir zu erkennen:

  • Welche Rolle du in deinem Ursprungssystem hattest (Vermittler, Leistungsträger, Rebell, unsichtbares Kind)
  • Welche Regeln über Emotionen, Konflikte und Verletzlichkeit galten
  • Welche Themen tabuisiert waren
  • Welche Loyalitäten dich bis heute beeinflussen

Diese Erkundung ist kein Ersatz für professionelle Selbsterfahrung — sie ist ein Anfang. Eine Einladung, die eigenen Wurzeln besser zu verstehen.

Das Genogramm als Werkzeug

Ein Genogramm ist eine erweiterte Darstellung deines Familiensystems über mehrere Generationen. Es macht sichtbar, was sonst im Verborgenen wirkt: Beziehungsmuster, wiederkehrende Themen, unausgesprochene Regeln.

Anleitung zur Selbsterkundung mit dem Genogramm:

  1. Zeichne drei Generationen deiner Familie (Großeltern, Eltern, deine Generation)
  2. Notiere bei jeder Person: zentrale Eigenschaften, Beziehungsqualitäten, prägende Lebensereignisse
  3. Suche nach Mustern: Gibt es wiederkehrende Themen? Ähnliche Beziehungsmuster? Bestimmte Rollen, die sich wiederholen?
  4. Frage dich: Welche dieser Muster erkenne ich in meiner eigenen Art, Menschen zu begleiten?

Das Genogramm gibt keine Antworten — es stellt bessere Fragen. Und bessere Fragen sind der Anfang von tieferer Selbstkenntnis.

Blinde Flecken und Projektionsrisiken

Ein blinder Fleck ist per Definition etwas, das du nicht siehst. Deshalb brauchst du Spiegel: Supervision, Peer-Austausch, ehrliches Feedback von Kollegen.

Projektion geschieht, wenn du eigene unverarbeitete Themen unbewusst auf den Teilnehmer überträgst. Du siehst dann nicht mehr die Person vor dir, sondern dein eigenes Material. Beispiele:

  • Ein Teilnehmer erinnert dich an ein Familienmitglied — du reagierst, als wäre er diese Person
  • Ein Thema berührt deine eigene Wunde — du lenkst das Gespräch unbewusst weg
  • Du bist übermäßig engagiert bei bestimmten Teilnehmern — weil ihre Geschichte deine eigene spiegelt

Regelmäßige Supervision und kollegiale Intervision sind deshalb keine Empfehlung, sondern eine Notwendigkeit. Kein Facilitator arbeitet ohne blinde Flecken. Aber jeder Facilitator hat die Verantwortung, sie aktiv zu suchen.

Warum du deine eigene Geschichte kennen musst

Die Arbeit in psychedelischen Räumen verstärkt alles. Sie verstärkt die Erfahrung der Teilnehmer — und sie verstärkt auch deine eigenen unbewussten Prozesse. In einem Raum, in dem Abwehrmechanismen durchlässiger werden, wirst auch du durchlässiger. Wenn du nicht weißt, was unter deiner professionellen Oberfläche liegt, wirst du irgendwann davon überrascht.

Deine Selbstkenntnis ist kein Luxus. Sie ist die Grundlage, auf der alles andere aufbaut — deine Präsenz, deine Empathie, deine Fähigkeit, ruhig zu bleiben, wenn es turbulent wird.

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Forschungskontext

Forschung deutet darauf hin, dass die Selbstreflexion von Begleitpersonen einen direkten Einfluss auf die Qualität der psychedelischen Begleitung hat.

Phelps (Journal of Psychedelic Studies, 2017) beschreibt, dass Facilitatoren, die ihre eigenen biografischen Prägungen kennen, signifikant seltener in projektive Dynamiken geraten. Auch Brennan und Belser betonen in „Models of Psychedelic-Assisted Psychotherapy" (Frontiers in Psychiatry, 2022), dass die persönliche Entwicklung der Begleitperson kein optionaler Zusatz ist, sondern eine Grundvoraussetzung für ethische Arbeit.

Übung

Übung:

Zeichne eine einfache Zeitleiste deines bisherigen Lebens. Markiere die fünf prägendsten Momente — positiv wie herausfordernd. Frage dich bei jedem: Wie hat dieses Ereignis mein Bild davon geformt, was Menschen brauchen, wenn sie durch intensive Erfahrungen gehen?

Schreibe 15 Minuten frei dazu.