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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Die Rolle des Körpers als primäre Erfahrungslandschaft in psychedelischen Prozessen verstehen
  • Interozeption und Propriozeption als Schlüsselkonzepte für die Begleitung einordnen
  • Die Auflösung der Körper-Geist-Dualität im psychedelischen Kontext nachvollziehen

Der Körper als Erfahrungsraum

Somatische Erfahrungskarte: Körperumriss mit Bereichen, in denen typische psychedelische Körpererfahrungen auftreten — Brust, Bauch, Hals, Kopf, Gliedmaßen

Warum der Körper im Zentrum steht

In der westlichen Kultur haben wir gelernt, den Verstand über den Körper zu stellen. Wir analysieren, rationalisieren und versuchen, Erfahrungen kognitiv einzuordnen. Psychedelische Erfahrungen stellen diese Hierarchie auf den Kopf: Der Körper wird zum primären Erfahrungsraum.

Bessel van der Kolk hat in seiner Arbeit gezeigt, dass der Körper emotionale Erlebnisse speichert — oft lange bevor der Verstand sie verarbeiten kann. In psychedelischen Prozessen werden diese gespeicherten Erfahrungen häufig wieder zugänglich. Als Facilitator begegnest du diesem Phänomen regelmäßig.

Interozeption — Die innere Wahrnehmung

Interozeption bezeichnet die Fähigkeit, innere Körpersignale wahrzunehmen: Herzschlag, Atemrhythmus, Druck im Bauch, Enge in der Brust. Psychedelische Substanzen können diese Wahrnehmung dramatisch verstärken.

Für deine Begleitung bedeutet das:

  • Teilnehmer spüren möglicherweise zum ersten Mal ihren Herzschlag bewusst
  • Verdauungsprozesse können als intensive Empfindungen wahrgenommen werden
  • Muskelspannungen, die normalerweise unbewusst gehalten werden, treten ins Bewusstsein

Du kannst Teilnehmer sanft einladen, ihre Aufmerksamkeit nach innen zu richten:

„Nimm wahr, was gerade in deinem Körper passiert. Du musst nichts verändern — nur beobachten."

Propriozeption — Das Körpergefühl im Raum

Propriozeption ist die Wahrnehmung des eigenen Körpers im Raum — wo sich Arme und Beine befinden, wie der Körper zur Schwerkraft steht. Unter dem Einfluss psychedelischer Substanzen kann sich diese Wahrnehmung verändern: Grenzen zwischen Körper und Umgebung verschwimmen, Gliedmaßen fühlen sich verändert an.

Praktische Hinweise für Facilitatoren:

  • Biete stabile Referenzpunkte an (fester Untergrund, Decken, Kissen)
  • Wenn jemand unsicher steht oder geht, biete deinen Arm zur Stabilisierung an
  • Verbale Orientierung kann helfen: „Du liegst auf der Matte, du bist sicher"

Die Auflösung der Dualität

Eine der tiefgreifendsten Erfahrungen in psychedelischen Prozessen ist die Auflösung der gewohnten Trennung zwischen Körper und Geist. Teilnehmer beschreiben Zustände, in denen Gedanken körperlich spürbar werden oder körperliche Empfindungen sich in Bilder verwandeln.

Diese Erfahrung kann:

  • Befreiend wirken — endlich kein Kampf mehr zwischen Kopf und Körper
  • Verwirrend sein — gewohnte Orientierungspunkte fallen weg
  • Überwältigend werden — wenn zu viel gleichzeitig wahrgenommen wird

Deine Rolle als Facilitator

Als Facilitator bist du nicht dazu da, körperliche Erfahrungen zu interpretieren oder zu steuern. Deine Aufgabe ist es, einen sicheren Raum zu halten, in dem der Körper seinen eigenen Prozess durchlaufen kann.

Grundhaltungen:

  1. Präsenz — Sei selbst in deinem Körper verankert, bevor du andere begleitest
  2. Nicht-Interpretation — Ein Zittern ist ein Zittern, keine Diagnose
  3. Geduld — Körperprozesse haben ihr eigenes Tempo
  4. Vertrauen — Der Körper weiß, was er braucht

Eigene Körperwahrnehmung schulen

Bevor du andere in körperlichen Prozessen begleitest, entwickle deine eigene Körperwahrnehmung. Regelmäßige Praktiken wie Body-Scans, achtsames Gehen oder Yoga können deine Sensibilität schulen.

Tägliche Übung (5 Minuten):

  1. Setze dich ruhig hin und schließe die Augen
  2. Scanne deinen Körper von den Füßen bis zum Scheitel
  3. Notiere drei Empfindungen, die du wahrnimmst
  4. Beobachte, ohne zu bewerten oder zu verändern

Diese einfache Praxis vertieft über Wochen deine Fähigkeit, auch bei Teilnehmern subtile körperliche Signale wahrzunehmen.

Forschungskontext

Bessel van der Kolk beschreibt in „The Body Keeps the Score" (2014), wie der Körper emotionale Erfahrungen speichert und diese über somatische Prozesse zugänglich werden. Peter Levine betont in „Waking the Tiger" (1997), dass der Körper ein eigenständiges Verarbeitungssystem besitzt, das unabhängig vom kognitiven Verstand arbeitet.

Forschung deutet darauf hin, dass psychedelische Substanzen die interozeptive Wahrnehmung intensivieren und damit körperliche Prozesse in den Vordergrund rücken (Millière et al., Neuroscience of Consciousness, 2018).

Übung

Viele Teilnehmer berichten, dass sie während einer psychedelischen Erfahrung zum ersten Mal bewusst wahrnehmen, was ihr Körper „sagen" möchte. Als Facilitator ist es deine Aufgabe, diesen Zugang zu unterstützen — nicht zu interpretieren.