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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Verschiedene Atemtechniken und ihre Wirkungen im Kontext der psychedelischen Begleitung kennen
  • Den Atem als Regulationswerkzeug während einer Sitzung gezielt einsetzen können
  • Risiken wie Hyperventilation erkennen und angemessen reagieren
  • Teilnehmer verbal durch Atemübungen anleiten

Atemarbeit als Werkzeug

Drei Atemtechniken im Vergleich: 4-7-8-Atmung (beruhigend), verbundene Atmung (aktivierend) und natürliche rhythmische Atmung (erdend) als Wellenformen

Der Atem als Brücke

Der Atem nimmt eine einzigartige Stellung ein: Er läuft automatisch, kann aber jederzeit bewusst gesteuert werden. Er verbindet das autonome Nervensystem mit dem bewussten Willen. In der psychedelischen Begleitung ist der Atem dein vielseitigstes Werkzeug.

Wenn ein Teilnehmer in Angst gerät, kannst du keine Substanz rückgängig machen — aber du kannst den Atem nutzen, um das Nervensystem zu beruhigen. Wenn jemand emotional „feststeckt", kann bewusstes Atmen den Prozess wieder in Bewegung bringen.

Techniken im Überblick

1. Kohärentes Atmen (5–6 Atemzüge pro Minute)

Ausführung: 5 Sekunden einatmen, 5 Sekunden ausatmen. Gleichmäßig, ohne Pause.

Wirkung: Bringt das autonome Nervensystem in Balance. Fördert die Herzratenvariabilität (HRV), einen Marker für Resilienz und Regulationsfähigkeit.

Anwendung in der Begleitung:

  • Bei allgemeiner Unruhe oder Nervosität
  • Als sanfter Einstieg in die Sitzung
  • Zur Stabilisierung nach intensiven Phasen

Anleitung: „Atme mit mir zusammen. Ein… und aus… Ein… und aus… Ganz gleichmäßig, ganz ruhig."

2. Die 4-7-8-Technik

Ausführung: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen.

Wirkung: Aktiviert den Parasympathikus und wirkt stark beruhigend. Besonders effektiv bei akuter Angst.

Anwendung in der Begleitung:

  • Bei Panikgefühlen oder starker Angst
  • Wenn der Teilnehmer einen „Anker" braucht
  • Vor dem Einschlafen in der Nachruhe

Anleitung: „Atme durch die Nase ein — eins, zwei, drei, vier. Halte den Atem — eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben. Und langsam durch den Mund aus — eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht."

3. Box Breathing (Quadrat-Atmung)

Ausführung: 4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden halten, 4 Sekunden ausatmen, 4 Sekunden halten.

Wirkung: Fördert Fokus und innere Ruhe. Wird auch von Militär und Rettungskräften zur Stressregulation eingesetzt.

Anwendung in der Begleitung:

  • Wenn der Teilnehmer sich „verloren" fühlt
  • Zur Rückkehr in die Körperwahrnehmung
  • Bei Gedankenschleifen

4. Holotrope Atemarbeit (nach Grof)

Ausführung: Beschleunigtes, vertieftes Atmen über einen längeren Zeitraum (30–60 Minuten). Tiefe Einatmung, entspannte Ausatmung, kein Atemstillstand.

Wirkung: Kann von sich aus veränderte Bewusstseinszustände hervorrufen. Emotionale und körperliche Prozesse werden intensiviert.

Wichtig: Diese Technik ist nicht als Zusatztechnik während einer psychedelischen Sitzung gedacht. Sie wird hier erwähnt, weil du sie als eigenständige Methode kennen solltest. Die Kombination mit psychedelischen Substanzen ist kontraindiziert.

5. Pranayama-Grundlagen

Nadi Shodhana (Wechselatmung):

  • Rechtes Nasenloch schließen, links einatmen
  • Beide schließen, halten
  • Linkes schließen, rechts ausatmen
  • Beruhigend, ausgleichend

Ujjayi (Ozean-Atem):

  • Leichte Verengung der Kehle beim Atmen
  • Erzeugt ein sanftes Rauschen
  • Fördert Konzentration und Vertiefung

Risiken und Kontraindikationen

Hyperventilation

Zu schnelles oder zu tiefes Atmen kann zur Hyperventilation führen:

Symptome:

  • Kribbeln in Händen und Füßen
  • Schwindel, Benommenheit
  • Muskelkrämpfe (Pfötchenstellung der Hände)
  • Engegefühl in der Brust

Dein Vorgehen:

  1. Ruhig bleiben und Ruhe ausstrahlen
  2. „Atme langsamer. Atme mit mir." — Vormachen
  3. Durch die Nase atmen lassen (begrenzt das Atemvolumen)
  4. In eine Papiertüte atmen lassen (erhöht CO₂)
  5. Wenn Krämpfe anhalten: Hände sanft massieren (mit Consent)

Weitere Kontraindikationen

Atemübungen mit Atemanhalten sind nicht geeignet bei:

  • Schweren Herz-Kreislauf-Belastungen
  • Epilepsie
  • Fortgeschrittener Schwangerschaft
  • Akuten Panikzuständen (hier nur sanftes Ausatmen anleiten)

Praktische Tipps für Facilitatoren

Atme immer mit. Wenn du einem Teilnehmer eine Atemübung anleitest, mache sie selbst. Dein hörbarer Atem gibt den Rhythmus vor und wirkt regulierend.

Weniger ist mehr. Beginne immer mit der sanftesten Technik (kohärentes Atmen) und intensiviere nur, wenn nötig.

Stimme nutzen. Deine Stimme transportiert Ruhe oder Anspannung. Sprich langsam, tief und gleichmäßig, wenn du Atemübungen anleitest.

Beobachte den natürlichen Atem. Bevor du eingreifst, beobachte: Atmet der Teilnehmer flach? Schnell? Hält er den Atem an? Der natürliche Atem gibt dir Hinweise auf den inneren Zustand.

Forschungskontext

Stanislav Grof entwickelte die Holotrope Atemarbeit in den 1970er Jahren als nicht-pharmakologischen Zugang zu veränderten Bewusstseinszuständen.

Forschung deutet darauf hin, dass kontrollierte Atemtechniken das autonome Nervensystem direkt beeinflussen und den Wechsel zwischen sympathischer Aktivierung und parasympathischer Beruhigung steuern können (Zaccaro et al., Frontiers in Human Neuroscience, 2018). Andrew Weil beschreibt die 4-7-8-Technik als „natürliches Beruhigungsmittel für das Nervensystem".

Übung

Der Atem ist das einzige autonome System, das wir bewusst steuern können. Das macht ihn zum mächtigsten Werkzeug, das dir als Facilitator jederzeit zur Verfügung steht — ohne Hilfsmittel, ohne Vorbereitung.