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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Ein ethisches Rahmenwerk für Berührung in der psychedelischen Begleitung anwenden können
  • Consent-Protokolle für verschiedene Berührungsformen sicher einsetzen
  • Trauma-sensible Berührung von unangemessener Berührung unterscheiden
  • Kulturelle Unterschiede im Umgang mit Berührung berücksichtigen

Berührung in der Begleitung

Die Kraft und Verantwortung von Berührung

Berührung ist eines der mächtigsten Werkzeuge in der Begleitung — und eines der riskantesten. In einem Zustand erhöhter Sensibilität, wie ihn psychedelische Substanzen erzeugen, wird jede Berührung intensiv wahrgenommen. Eine Hand auf der Schulter kann tiefe Geborgenheit vermitteln — oder als massiver Grenzübertritt erlebt werden.

Als Facilitator trägst du die volle Verantwortung für jede Berührung, die in deiner Begleitung stattfindet.

Das Consent-Protokoll

Vor der Sitzung (Vorgespräch):

Besprich mit jedem Teilnehmer individuell:

  • „Ist es grundsätzlich in Ordnung, wenn ich dich während der Erfahrung berühre?"
  • „Welche Formen der Berührung sind für dich in Ordnung?" (Hand halten, Hand auf Schulter, Decke umlegen)
  • „Gibt es Körperbereiche, die für dich tabu sind?"
  • „Wie möchtest du mir signalisieren, wenn du keine Berührung möchtest?"

Dokumentiere die Antworten schriftlich.

Während der Sitzung:

Auch wenn eine grundsätzliche Zustimmung vorliegt, frage vor jeder Berührung erneut:

„Ich sehe, dass du zitterst. Darf ich meine Hand auf deine Schulter legen?"

Warte auf eine klare Antwort. Ein Nicken reicht — Schweigen ist kein Ja.

Formen der Berührung und ihre Anwendung

Hand auf Schulter:

  • Vermittelt Präsenz und Stabilität
  • Geeignet bei Unruhe oder leichter Angst
  • Kurze Berührung (10–30 Sekunden), dann lösen

Hand halten:

  • Bietet emotionalen Halt
  • Lass den Teilnehmer deine Hand nehmen, nicht umgekehrt
  • Halte locker, sodass jederzeit losgelassen werden kann

Decke umlegen oder zurechtrücken:

  • Vermittelt Wärme und Geborgenheit
  • Niedrigschwellige Form der Fürsorge
  • Frage trotzdem: „Soll ich dir die Decke geben?"

Containment (Halten):

  • Nur in Ausnahmesituationen, wenn jemand sich selbst gefährdet
  • Beide Arme um die Schultern, von der Seite
  • Immer ankündigen: „Ich halte dich jetzt, damit du sicher bist"
  • Sofort lösen, wenn die Person es signalisiert

Trauma-sensible Berührung

Viele Teilnehmer bringen Erfahrungen mit, die ihren Umgang mit Berührung prägen. Traumatische Erlebnisse — insbesondere körperlicher oder sexueller Natur — können dazu führen, dass Berührung als bedrohlich erlebt wird.

Erkennungszeichen:

  • Plötzliches Erstarren bei Berührung
  • Wegzucken oder Zusammenkrümmen
  • Dissoziative Reaktionen (leerer Blick, fehlende Reaktion)
  • Verbaler oder nonverbaler Ausdruck von Unbehagen

Dein Verhalten:

  1. Berührung sofort beenden
  2. Etwas Abstand nehmen, aber im Raum bleiben
  3. Ruhig sprechen: „Ich bin hier. Du bist sicher. Ich berühre dich nicht."
  4. Warten, bis die Person sich reguliert hat
  5. Später im Integrationsgespräch ansprechen

Kulturelle Aspekte

Berührungsnormen unterscheiden sich stark zwischen Kulturen. In manchen Kulturen ist eine Umarmung unter Fremden normal, in anderen ist jede Berührung zwischen nicht verwandten Personen unangemessen.

  • Frage im Vorgespräch nach kulturellen Präferenzen
  • Gehe nie davon aus, dass deine eigenen Berührungsnormen universell gelten
  • Respektiere auch geschlechtsspezifische Grenzen

Dokumentation

Führe für jede Sitzung ein kurzes Protokoll:

Zeitpunkt Art der Berührung Consent eingeholt? Reaktion
ca. 14:30 Hand auf Schulter Ja, verbal Entspannung

Diese Dokumentation schützt dich und den Teilnehmer gleichermaßen.

Grenzen wahren

Berühre niemals:

  • Ohne explizites Einverständnis
  • Im Genitalbereich, an der Brust oder am inneren Oberschenkel
  • Aus eigenen emotionalen Bedürfnissen heraus
  • Wenn du selbst emotional aufgewühlt bist
  • Wenn der Teilnehmer nicht ansprechbar ist und kein vorheriges Consent vorliegt

Frage dich immer: Dient diese Berührung dem Teilnehmer — oder mir?

Forschungskontext

Die MAPS-Richtlinien für MDMA-gestützte Sitzungen (Mithoefer, 2017) betonen, dass jede Form von Berührung vorher explizit vereinbart werden muss.

Forschung deutet darauf hin, dass achtsame Berührung die Ausschüttung von Oxytocin fördern und ein Gefühl von Sicherheit vermitteln kann (Uvnäs-Moberg, „The Oxytocin Factor", 2003). Gleichzeitig warnen Fachleute wie Peter Levine davor, dass Berührung bei traumatisierten Menschen retraumatisierend wirken kann, wenn sie ohne Consent erfolgt.

Übung

Die goldene Regel lautet: Im Zweifel — nicht berühren. Du kannst immer fragen. Du kannst nie ungefragt berühren und es rückgängig machen. Dokumentiere jede Berührung in deinen Sitzungsnotizen.