
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
Was du lernst
Du verstehst, warum Nachbereitung für Facilitator genauso wichtig ist wie für Teilnehmer Du kennst die Zeichen von sekundärer Traumatisierung und weißt, wann du Unterstützung brauchst Du hast einen konkreten Plan für deine persönliche Nachsorge nach intensiven Begleitungen
Die Session endet nicht, wenn die Teilnehmer gehen
Du hast gerade sechs, acht, vielleicht zehn Stunden jemanden durch eine der intensivsten Erfahrungen seines Lebens begleitet. Du hast Raum gehalten, Krisen navigiert, Stille ausgehalten, Emotionen mit-getragen. Die teilnehmende Person geht — erleichtert, erschöpft, verändert.
Und du?
Du bleibst zurück. Mit dem, was du aufgenommen hast. Mit den Bildern, den Emotionen, der Anspannung, der Erschöpfung. Und hier beginnt ein Teil der Arbeit, über den viel zu wenig gesprochen wird: deine eigene Nachbereitung.
Facilitator, die ihre eigene Nachsorge vernachlässigen, brennen aus. Nicht irgendwann — nach Monaten, manchmal Wochen. Die emotionale Dichte psychedelischer Begleitungsarbeit ist mit wenigen anderen professionellen Kontexten vergleichbar. Und ohne bewusste Entladung und Verarbeitung akkumuliert sie sich.
Unmittelbar nach der Session
Die ersten 30 Minuten nach dem Ende der Begleitung sind entscheidend. Dein Nervensystem ist noch im Begleitungsmodus — aktiviert, aufmerksam, auf den anderen Menschen eingestellt. Du musst bewusst zurückschalten.
Körperliches Erden:
- Geh nach draußen. Spüre den Wind, die Temperatur, den Boden
- Bewege dich: Strecken, Schütteln, ein kurzer Spaziergang. Dein Körper hat Stunden lang still gehalten — er braucht Entladung
- Wasch dir das Gesicht mit kaltem Wasser. Symbolisch und physiologisch reinigend
- Iss etwas. Dein Blutzucker ist wahrscheinlich niedrig. Etwas Warmes, Nährendes
Emotionales Ankommen:
- Nimm dir einen Moment, um wahrzunehmen: Wie fühle ich mich gerade? Nicht analysieren — nur wahrnehmen
- Wenn Emotionen da sind — lass sie. Weinen nach einer intensiven Session ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist Entladung
- Sprich mit jemandem — deinem Co-Facilitator, einem Freund, jemandem, der versteht, was du tust
Was du NICHT tun solltest:
- Sofort die nächste Session vorbereiten
- Direkt in den Alltag springen (Mails beantworten, Einkaufen, Aufräumen)
- Alkohol oder andere Substanzen zur Entspannung verwenden
- Allein bleiben, wenn du dich aufgewühlt fühlst
Was Facilitator tragen
Wenn du jemanden in einem tiefen emotionalen Prozess begleitest, nimmst du etwas auf. Das ist kein esoterisches Konzept — es ist Psychologie. Du bist empathisch eingestimmt auf einen anderen Menschen. Dein Spiegelneuronensystem ist aktiv. Du fühlst Echos dessen, was die andere Person fühlt.
Das nennt sich Resonanz — und sie ist gleichzeitig deine größte Stärke und dein größtes Risiko.
Was du tragen kannst nach einer Session:
- Emotionale Rückstände: Trauer, Angst, Wut, die nicht „deine" sind
- Bilder und Szenen, die die teilnehmende Person beschrieben hat
- Physische Anspannung: Nacken, Schultern, Kiefer
- Ein Gefühl von Leere oder Erschöpfung, das über normale Müdigkeit hinausgeht
- Intrusive Gedanken: „Habe ich das richtige gesagt? War ich gut genug?"
All das ist normal. Es wird problematisch, wenn es nicht verarbeitet wird.
Debriefing mit Co-Facilitator
Wenn du mit einer Co-Facilitatorin oder einem Co-Facilitator gearbeitet hast, ist das gemeinsame Debriefing nicht optional — es ist essenziell.
Struktur für das Debriefing (30–45 Minuten):
- Check-in: Wie geht es dir gerade? (Jeder spricht, ohne unterbrochen zu werden)
- Rückblick: Was ist passiert? Chronologisch, sachlich, ohne Bewertung
- Was lief gut? Welche Interventionen haben funktioniert?
- Was war schwierig? Wo hast du dich unsicher gefühlt? Wo hättest du anders gehandelt?
- Was trägst du? Welche Emotionen oder Bilder sind bei dir hängengeblieben?
- Learnings: Was nimmst du mit? Was machst du beim nächsten Mal anders?
- Check-out: Was brauchst du jetzt?
Dieses Debriefing ist kein Leistungscheck. Es ist gegenseitige Fürsorge zwischen Fachpersonen, die sich einer emotional anspruchsvollen Arbeit widmen.
Supervision — Innerhalb von 72 Stunden
Supervision ist in der psychedelischen Begleitungsarbeit keine nette Empfehlung — sie ist Pflichtpraxis. Innerhalb von 72 Stunden nach jeder Begleitung solltest du mit deiner Supervisorin oder deinem Supervisor sprechen.
Was Supervision leistet:
- Professionelle Reflexion deiner Arbeit durch einen Außenstehenden
- Identifikation blinder Flecken, die du selbst nicht siehst
- Emotionale Entlastung durch das Aussprechen
- Qualitätssicherung: Bist du noch auf dem richtigen Kurs?
- Schutz vor schleichender Grenzüberschreitung (Counter-Transference, Überidentifikation)
Was Supervision NICHT ist:
- Eine Bewertung deiner Leistung
- Ein Ort, an dem du „perfekt" sein musst
- Optional
Wenn du noch keine Supervisorin oder keinen Supervisor hast: Finde eine. Vor deiner ersten Begleitung, nicht danach.
Zeichen, dass du mehr brauchst als Selbstfürsorge
Selbstfürsorge hat Grenzen. Es gibt Situationen, in denen Spazierengehen, Baden und Journaling nicht reichen. Erkenne die Zeichen:
Warnsignale für sekundäre Traumatisierung:
- Du träumst von den Erfahrungen deiner Teilnehmern
- Du vermeidest bestimmte Themen oder Situationen, die an die Session erinnern
- Du bist zunehmend reizbar oder emotional flach
- Du distanzierst dich von Menschen in deinem privaten Umfeld
- Du hast das Gefühl, die Arbeit „frisst dich auf"
- Du merkst, dass du Substanzen brauchst, um nach der Arbeit runterzukommen
- Du entwickelst körperliche Symptome ohne erkennbare Ursache
Was du tun solltest:
- Sprich mit deiner Supervisorin oder deinem Supervisor — sofort, nicht nächste Woche
- Reduziere dein Begleitungspensum — weniger Sessions, mehr Regeneration
- Suche dir eigene therapeutische Unterstützung — ja, auch Facilitator dürfen Hilfe in Anspruch nehmen
- Nimm eine Pause. Lieber eine bewusste Auszeit als ein erzwungener Zusammenbruch
Langfristige Resilienz aufbauen
Nachhaltiges Arbeiten als Facilitator bedeutet: Du sorgst langfristig für dich, nicht nur im Krisenfall.
Deine Säulen der Resilienz:
1. Eigene Praxis: Meditation, Achtsamkeit, Körperarbeit — was auch immer dich zu dir selbst bringt. Regelmäßig, nicht nur nach schwierigen Sessions. Deine Praxis ist das Fundament deiner Begleitungskompetenz.
2. Körperliche Gesundheit: Schlaf, Ernährung, Bewegung. Klingt banal — ist fundamental. Facilitator, die schlecht schlafen und sich schlecht ernähren, haben weniger emotionale Kapazität. Punkt.
3. Soziales Netz: Menschen, die verstehen, was du tust. Kollegen, die die Arbeit kennen. Aber auch: Menschen, die nichts mit deiner Arbeit zu tun haben. Normalität ist Medizin.
4. Grenzen: Wie viele Sessions pro Woche? Pro Monat? Was ist dein Maximum? Halte dich dran — auch wenn die Nachfrage groß ist. Deine Kapazität ist nicht unendlich.
5. Supervision und Weiterbildung: Regelmäßige Supervision. Fortbildungen. Austausch mit der Community. Dein Lernen endet nie — und das ist gut so.
6. Sinn: Erinnere dich regelmäßig daran, warum du diese Arbeit machst. Was ist dein Warum? In Momenten der Erschöpfung trägt dich die Verbindung zu deinem Sinn mehr als jede Technik.
Die Grenze zwischen Verarbeitung und Absorption
Es gibt einen feinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen dem Verarbeiten der Begleitungserfahrung und dem Absorbieren des Schmerzes deiner Teilnehmern.
Verarbeitung bedeutet: Du nimmst wahr, was du erlebt hast. Du fühlst es. Du sprichst darüber. Du lässt es los.
Absorption bedeutet: Du trägst den Schmerz der anderen als deinen eigenen. Du gehst nach Hause und denkst ständig an die Person. Du identifizierst dich mit ihrem Leid. Du vergisst, wo die Person aufhört und du anfängst.
Die Grenze verschwimmt schleichend. Deshalb ist Supervision so wichtig: Ein Außenstehender sieht oft früher als du, wenn du anfängst zu absorbieren statt zu verarbeiten.
Dein Mitgefühl ist dein wertvollstes Werkzeug. Aber Mitgefühl ohne Grenzen wird zu Selbstaufgabe. Und Selbstaufgabe hilft niemandem — am wenigsten den Menschen, die du begleitest.
Sorge für dich. Damit du für andere sorgen kannst. Nicht irgendwann. Jetzt.
Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn du als Facilitator unter anhaltender Belastung leidest, wende dich an eine qualifizierte Fachperson.
Forschungskontext
Forschung deutet darauf hin, dass Fachpersonen in helfenden Berufen ein erhöhtes Risiko für Burnout, Compassion Fatigue und sekundäre Traumatisierung tragen.
Cieslak et al. (2014) zeigten in einer Meta-Analyse, dass regelmäßige Supervision und Selbstfürsorge-Praktiken die Resilienz signifikant erhöhen und das Risiko für berufsbedingten Distress reduzieren. Diese Erkenntnisse sind direkt auf die psychedelische Begleitung übertragbar.
Übung
Übung — Persönlicher Nachsorge-Plan:
Erstelle deinen individuellen Post-Session-Plan. Schreib auf: Was sind meine ersten drei Schritte nach jeder Begleitung? Was braucht mein Körper? Was braucht mein Geist? Wen rufe ich an, wenn es mir nicht gut geht? Wann ist meine nächste Supervision?
Hänge den Plan sichtbar auf — du wirst ihn brauchen, wenn du zu erschöpft bist, um klar zu denken.