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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Du kennst die Grundregeln für Berührung in der psychedelischen Begleitung — insbesondere die Consent-Pflicht
  • Du weißt, welche körperlichen Interventionen in welchen Situationen angemessen sind
  • Du kannst Grounding-Techniken über den Körper anwenden, ohne die Person zu überfordern

Berührung — das mächtigste und riskanteste Werkzeug

Sichere Berührungszonen: Körperumriss mit markierten Bereichen für sichere Berührung (Schultern, Rücken, Hände, Füße) und Zonen, die ausdrückliche Zustimmung erfordern

Körperliche Berührung ist in der psychedelischen Begleitung eines der wirkungsvollsten Mittel, um Sicherheit, Verbindung und Grounding zu vermitteln. Gleichzeitig ist sie das Werkzeug mit dem größten Schadenspotenzial.

In veränderten Bewusstseinszuständen sind Menschen sensorisch und emotional weit geöffnet. Eine Hand auf der Schulter kann sich anfühlen wie eine Umarmung der ganzen Welt — oder wie ein Übergriff. Der Unterschied liegt nicht in der Berührung selbst, sondern in Consent, Timing und Qualität.

Die absolute Grundregel: Immer fragen

Es gibt keine Ausnahme von dieser Regel — außer in medizinischen Notfällen, in denen die körperliche Sicherheit der Person gefährdet ist.

Bevor du jemanden berührst:

  1. Kündige deine Absicht an: „Ich würde gerne deine Schulter berühren."
  2. Frage um Erlaubnis: „Ist das okay für dich?"
  3. Warte auf eine klare Antwort. Schweigen ist kein Ja. Zögern ist kein Ja. Nur ein klares Ja — verbal oder ein deutliches Nicken — ist ein Ja.
  4. Beginne langsam. Lege die Hand erst leicht auf, erhöhe den Druck nur, wenn die Person es zeigt.
  5. Check nach: „Fühlt sich das gut an?" oder „Soll ich so bleiben?"

In veränderten Zuständen kann sich die Wahrnehmung von Berührung schnell verändern. Was vor einer Minute angenehm war, kann plötzlich unangenehm werden. Check regelmäßig — und beende die Berührung sofort, wenn du Zeichen von Unbehagen siehst.

Angemessene Berührung

Nicht jede Form der Berührung ist in der Begleitungssituation angemessen. Als Facilitator beschränkst du dich auf klar definierte, nicht-intime Formen:

Erlaubt (mit Consent):

  • Hand auf Schulter: Die klassische Grounding-Berührung. Stabil, klar, nicht intim. Vermittelt „Ich bin hier."
  • Hand halten: Besonders wirksam bei Angst oder Einsamkeitsgefühlen. Die Person kann die Intensität selbst regulieren, indem sie fester oder lockerer hält.
  • Hand auf Stirn: Kühlend, beruhigend, mütterlich/väterlich. Nur bei klar erteiltem Consent und wenn die Person auf dem Rücken liegt.
  • Hand auf oberer Rücken: Zwischen Schulterblättern. Stabilisierend, erdend.
  • Füße halten: Stark erdend. Zieht die Aufmerksamkeit in den Körper, weg vom Kopf.

Nicht angemessen — unter keinen Umständen:

  • Umarmungen ohne Consent: Auch wenn die Person weint. Auch wenn du helfen willst. Frage immer zuerst.
  • Berührung während des Peaks initiieren: Sensorische Überladung. Wenn überhaupt, dann erst, wenn die Person aus dem Peak kommt — es sei denn, sie bittet explizit darum.
  • Torso, Bauch, Oberschenkel: Diese Bereiche sind intim und können Trauma auslösen, besonders bei Menschen mit Körper- oder Missbrauchserfahrungen.
  • Gesicht streicheln: Zu intim für eine professionelle Begleitungssituation.

Grounding durch Gewicht und Druck

Neben direkter Berührung gibt es körperliche Interventionen, die Grounding vermitteln, ohne dass du die Person selbst berührst:

Gewichtete Decke: Lege eine schwere Decke über die Person (mit Consent). Das Gewicht aktiviert das propriozeptive System und vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und Containment. Besonders hilfreich bei Angst, Dissoziation oder dem Gefühl, „davonzufliegen".

Gewichtskissen: Ein kleines Kissen auf Brust oder Bauch kann Erdung vermitteln, ohne invasiv zu sein.

Füße auf den Boden: Wenn die Person liegt und Grounding braucht, bitte sie, die Füße auf den Boden zu stellen — oder hilf ihr dabei (mit Consent). Der Kontakt der Fußsohlen mit einer festen Oberfläche ist eines der wirksamsten Grounding-Mittel.

Kaltes Wasser: Ein kühler, nasser Lappen auf den Handgelenken oder im Nacken kann bei Überwältigung, Hitzewellen oder Dissoziation helfen. Kündige es an, bevor du es anwendest.

Ateminterventionen

Der Atem ist die Brücke zwischen Körper und Geist — und eine der sichersten körperlichen Interventionen.

Gemeinsam atmen: Setz dich neben die Person, mach deinen eigenen Atem hörbar und langsam. Viele Menschen synchronisieren ihren Atem automatisch mit einer ruhig atmenden Person in ihrer Nähe — ohne dass du es ansagen musst.

Geführtes Atmen: Wenn die Person hyperventiliert oder in Panik ist: „Atme mit mir. Ein… und aus. Langsam. Noch einmal. Ein… und aus." Sprich im Rhythmus deines eigenen Atems. Lass Pausen zwischen den Anweisungen.

Atemverlangsamung: Bei Angst und Panik ist der Atem oft schnell und flach. Führe die Person zu längeren Ausatmungen: „Atme ein, zähle bis drei. Und jetzt atme aus, zähle bis sechs." Das längere Ausatmen aktiviert den Parasympathikus und beruhigt das Nervensystem.

Wichtig: Erzwinge keine Atemtechnik. Wenn die Person nicht mitgehen kann oder will, höre auf und kehre zu deinem eigenen ruhigen Atem zurück. Deine Ruhe allein wirkt regulierend.

Positionsveränderungen

Manchmal ist die wirksamste körperliche Intervention eine Änderung der Körperposition:

Aufsitzen statt Liegen: Wenn die Person im Liegen das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren oder von Emotionen überflutet zu werden, kann das Aufsitzen sofort mehr Kontrolle und Orientierung vermitteln.

Embryonalstellung (Fetal Position): Manche Menschen finden instinktiv in die Seitenlage mit angezogenen Beinen. Diese Position vermittelt Schutz und Geborgenheit. Unterstütze sie mit einer Decke, einem Kissen zwischen den Knien.

Stehen und Gehen: In seltenen Fällen kann vorsichtiges Aufstehen und langsames Gehen im Raum helfen — besonders bei Gedankenkreisen oder dem Gefühl, „festzustecken". Begleite die Person und sorge für Sicherheit.

Notfallintervention durch körperliches Eingreifen

In extrem seltenen Fällen kann es notwendig werden, körperlich einzugreifen — wenn die Person sich selbst oder andere gefährdet. Das bedeutet:

  • Die Person versucht, aufzustehen und wegzulaufen (und ist nicht in der Lage, sicher zu gehen)
  • Die Person schlägt um sich oder wirft Gegenstände
  • Die Person versucht, sich selbst zu verletzen

In diesen Fällen gilt: Minimale Einschränkung, maximale Sicherheit. Verhindere Selbst- und Fremdgefährdung, ohne die Person zu fixieren oder zu überrumpeln. Sprich dabei ruhig und klar: „Ich halte dich fest, damit du sicher bist. Ich tue dir nichts."

Jede körperliche Notfallintervention muss dokumentiert und in der Supervision besprochen werden.

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Die hier beschriebenen Interventionen sind Begleitungstechniken — keine medizinischen Maßnahmen.

Forschungskontext

Forschung deutet darauf hin, dass Berührung in psychedelischen Zuständen eine verstärkte Wirkung hat.

Preller et al. (2017) zeigten, dass LSD die soziale Kognition und emotionale Empathie signifikant erhöht, was bedeutet, dass sensorische Reize — einschließlich Berührung — intensiver wahrgenommen werden. Dies macht informierten Consent vor jeder körperlichen Intervention besonders kritisch.

Übung

Übung — Consent-Praxis:

Übe mit einer Partnerperson den vollständigen Consent-Ablauf: Frage klar und langsam: „Darf ich deine Schulter berühren?" Warte auf eine verbale Antwort. Berühre langsam und bewusst. Frage nach: „Ist das okay so?" Beende die Berührung, wenn die Person schweigt, zögert oder Nein sagt.

Übe auch das Loslassen — die Berührung zu beenden ist genauso wichtig wie sie zu beginnen.