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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Du verstehst den Unterschied zwischen Tun und Sein in der Begleitung
  • Du kannst deinen Atem als Anker für deine eigene Präsenz nutzen
  • Du erkennst, wann Blickkontakt unterstützend wirkt — und wann er überfordert
  • Du kannst deine Energie an die Teilnehmer kalibrieren, ohne dich zu verlieren

Was bedeutet Präsenz?

Wenn du jemanden in einem veränderten Bewusstseinszustand begleitest, ist dein wichtigstes Werkzeug nicht dein Wissen. Es ist nicht deine Technik. Es ist nicht einmal deine Erfahrung. Dein wichtigstes Werkzeug bist du selbst — und zwar du in deiner vollen Anwesenheit.

Präsenz bedeutet: Du bist hier. Nicht in deinem Kopf, nicht bei der nächsten möglichen Intervention, nicht bei der Frage, ob alles „richtig" läuft. Du bist bei dem Menschen vor dir. Ganz und gar.

Das klingt einfach. Es ist das Schwierigste, was du als Facilitator lernen wirst.

Tun versus Sein

Die meisten von uns sind im Tun-Modus trainiert. Wir sehen ein Problem, wir reagieren. Jemand weint — wir trösten. Jemand hat Angst — wir beruhigen. Jemand leidet — wir helfen.

In der psychedelischen Begleitung ist dieser Impuls dein größter Feind.

Nicht weil Trösten, Beruhigen oder Helfen schlecht sind. Sondern weil sie oft den Prozess der teilnehmenden Person unterbrechen. Wenn jemand mitten in einer emotionalen Entladung steckt und du eingreifst, kommunizierst du unbewusst: Das, was gerade passiert, ist nicht okay. Ich muss es stoppen.

Die Wahrheit ist: In den meisten Fällen brauchen Teilnehmer nicht, dass du etwas tust. Sie brauchen, dass du da bist. Dass du den Raum hältst. Dass du die Stille aushältst. Dass du ihre Tränen, ihre Angst, ihren Schmerz nicht wegmachst, sondern miterträgst.

Sein statt Tun bedeutet:

  • Du beobachtest, ohne sofort zu interpretieren
  • Du atmest, statt zu planen
  • Du lässt Stille zu, statt sie zu füllen
  • Du vertraust dem Prozess, auch wenn er chaotisch aussieht

Dein Atem als Anker

Dein eigener Atem ist dein zuverlässigster Anker. Wenn du merkst, dass du in den Tun-Modus rutschst — wenn du anfängst zu grübeln, wenn Angst aufsteigt, wenn der Impuls zu handeln übermächtig wird — komm zurück zu deinem Atem.

Nicht als Technik. Als Praxis.

Drei tiefe Atemzüge. Bauch, nicht Brust. Einatmen durch die Nase, langsam ausatmen durch den Mund. Spür den Kontakt deiner Füße mit dem Boden. Spür das Gewicht deines Körpers auf dem Stuhl oder Kissen.

Du wirst feststellen: In dem Moment, in dem du bei deinem Atem ankommst, verändert sich die Energie im Raum. Teilnehmer in veränderten Bewusstseinszuständen sind extrem sensitiv für die emotionalen Zustände der Menschen um sie herum. Wenn du ruhig bist, reguliert sich oft auch die teilnehmende Person. Nicht weil du etwas getan hast — sondern weil du da bist.

Blickkontakt — Das zweischneidige Schwert

Blickkontakt ist eines der mächtigsten Werkzeuge menschlicher Verbindung. In der psychedelischen Begleitung kann er heilsam sein — oder überwältigend.

Wann Blickkontakt hilfreich ist:

  • Wenn die teilnehmende Person dich sucht — wenn sie die Augen öffnet und nach dir schaut
  • Wenn du Sicherheit vermitteln willst: ein ruhiger, warmer Blick, der sagt „Ich bin hier"
  • Während verbaler Interventionen: Blickkontakt unterstreicht deine Worte
  • Beim Ankommen und beim Abschluss der Erfahrung

Wann Blickkontakt überfordert:

  • Während intensiver innerer Prozesse — die Person ist nach innen gerichtet, dein Blick zieht sie raus
  • Bei Teilnehmern mit Bindungstrauma — direkter Blickkontakt kann als invasiv erlebt werden
  • Wenn die Person die Augen geschlossen hat — schau nicht erwartungsvoll hin, als würdest du auf etwas warten
  • Bei paranoiden Zuständen — Blickkontakt kann als Bedrohung interpretiert werden

Die Faustregel: Folge der teilnehmenden Person. Wenn sie dich anschaut, schau zurück — warm, ruhig, ohne zu starren. Wenn sie nach innen gerichtet ist, richte deinen Blick nach unten oder in den Raum. Sei verfügbar, ohne zu drängen.

Die Kunst des Nichtstuns

Es gibt Momente in der Begleitung, in denen buchstäblich nichts zu tun ist. Die Person liegt da, atmet, ist in ihrem Prozess. Keine Tränen, kein Schreien, keine offensichtliche Krise. Einfach Stille.

Für viele Facilitator sind das die schwierigsten Momente.

Der Impuls, etwas zu tun — Wasser anzubieten, die Decke zurechtzurücken, leise Musik aufzulegen — kommt nicht aus dem Bedürfnis der teilnehmenden Person. Er kommt aus deinem eigenen Unbehagen mit der Stille.

Lerne, dieses Unbehagen zu erkennen. Lerne, es auszuhalten. Lerne, dass Stille nicht Leere ist, sondern ein Raum, in dem etwas geschieht, das du nicht sehen kannst.

Die vielleicht wichtigste Kompetenz, die du als Facilitator entwickeln kannst: nichts tun, wenn nichts zu tun ist.

Energetische Kalibrierung

Teilnehmer in veränderten Bewusstseinszuständen nehmen die Energie ihrer Begleitpersonen auf wie ein Schwamm. Dein emotionaler Zustand ist nicht privat — er ist Teil des Feldes, in dem die Erfahrung stattfindet.

Das bedeutet nicht, dass du keine Gefühle haben darfst. Es bedeutet, dass du Verantwortung für deinen emotionalen Zustand übernimmst.

Kalibrierung bedeutet:

  • Du bringst dich auf ein energetisches Niveau, das der Situation angemessen ist
  • Wenn die Person ruhig ist: du bist ruhig
  • Wenn die Person aufgewühlt ist: du bist geerdet und stabil, nicht aufgewühlt
  • Wenn die Person Freude empfindet: du bist offen und mitfühlend, ohne zu überschäumen
  • Wenn die Person Angst hat: du bist der Fels, nicht das Echo

Kalibrierung ist nicht Spiegelung. Wenn jemand panisch ist und du ihre Panik spiegelst, eskaliert die Situation. Du kalibrierst an den Bedürfnissen der Person, nicht an ihren Emotionen.

In der Praxis bedeutet das: Du checkst regelmäßig deinen eigenen Zustand. Bist du angespannt? Gelangweilt? Ängstlich? Begeistert? Keine dieser Emotionen ist falsch — aber jede beeinflusst den Raum. Nimm sie wahr, atme durch, und entscheide bewusst, welche Qualität du in den Raum bringst.

Präsenz als tägliche Praxis

Präsenz ist keine Fähigkeit, die du einmal lernst und dann hast. Sie ist eine Praxis — etwas, das du täglich übst, vertiefst und verlierst und wiederfindest.

Meditation, Achtsamkeitsübungen, stilles Sitzen, bewusstes Atmen — alles, was dich in den Moment bringt, stärkt deine Fähigkeit, für andere da zu sein. Facilitator, die keine eigene Praxis haben, brennen aus oder werden unsicher. Nicht irgendwann. Schnell.

Deine Präsenz ist dein Dienst. Pflege sie.

Forschungskontext

Forschung deutet darauf hin, dass die therapeutische Beziehung — unabhängig von der Methode — der stärkste Prädiktor für positive Ergebnisse in Begleitprozessen ist.

Norcross & Lambert (2018) bestätigten dies. In psychedelisch unterstützten Settings zeigte eine qualitative Studie von Watts et al. (2017), dass Teilnehmer die bloße Anwesenheit und Ruhe der begleitenden Person als entscheidender erlebten als jede gesprochene Intervention.

Übung

Übung — Stilles Sitzen:

Setz dich gegenüber von einer Partnerperson. Setzt einen Timer auf 10 Minuten. Ihr sitzt einfach da. Kein Sprechen, kein Tun, kein Vermeiden. Beobachte, was in dir passiert: den Impuls zu sprechen, wegzuschauen, zu helfen.

Schreib danach auf, was du bemerkt hast. Wiederhole diese Übung regelmäßig — sie ist das Fundament deiner Begleitungspraxis.