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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Du erkennst die Unterschiede zwischen psychotischen Zuständen und spirituellen Krisen
  • Du weißt, wie du mit Trauma-Überlebenden arbeiten kannst, ohne therapeutische Grenzen zu überschreiten
  • Du hast Strategien für komplexe Situationen wie multiple Krisen oder überlange Sitzungen

Arbeiten mit Trauma-Überlebenden

Viele Menschen, die an psychedelischen Retreats teilnehmen, tragen traumatische Erfahrungen mit sich — manche bewusst, manche unbewusst. Psychedelische Substanzen können diese Erinnerungen an die Oberfläche bringen, oft mit voller emotionaler und körperlicher Intensität.

Als Facilitator bist du kein Trauma-Coach und keine Trauma-Therapeutin. Diese Grenze ist nicht Einschränkung — sie ist Schutz. Für die teilnehmende Person und für dich.

Was du kannst und sollst:

  • Einen sicheren Raum halten, in dem traumatisches Material auftauchen darf
  • Die Person im Hier und Jetzt verankern, wenn sie in der Vergangenheit gefangen ist
  • Emotionalen Ausdruck zulassen, ohne ihn zu steuern
  • Nach der Erfahrung auf professionelle Unterstützung hinweisen

Was du NICHT tun sollst:

  • Nachfragen: „Was ist passiert?" oder „Erzähl mir davon" — du bist nicht in einer Coaching-Sitzung
  • Interpretieren: „Das klingt nach einem Bindungstrauma" — du stellst keine Diagnosen
  • Aufarbeiten: Nicht versuchen, das Trauma während der psychedelischen Erfahrung zu „lösen"
  • Versprechen: „Das wird jetzt heilen" — das weißt du nicht und es wäre unseriös

Was du stattdessen tust:

  • „Was immer da gerade hochkommt — es darf da sein."
  • „Du bist hier. Du bist jetzt sicher."
  • „Du musst mir nichts erzählen. Ich bin einfach da."
  • Nach der Erfahrung: „Es können nach einer solchen Erfahrung Themen weiterwirken. Ich empfehle dir, das mit einer qualifizierten Fachperson zu besprechen."

Die Herausforderung liegt im Aushalten: Du siehst jemanden leiden. Du ahnst, was dahintersteckt. Und du tust — fast nichts. Weil fast nichts genau das Richtige ist.

Psychose-ähnliche Zustände

Einer der gefürchtetsten Momente in der psychedelischen Begleitung: Die Person zeigt Symptome, die einer Psychose ähneln. Wahnhafte Überzeugungen, Halluzinationen, die auch nach dem erwarteten Wirkende anhalten, völliger Realitätsverlust.

Differenzierung — die entscheidende Frage:

Ist das, was du siehst, eine substanzinduzierte Akut-Reaktion, die mit der Wirkdauer der Substanz abklingt? Oder zeigt die Person Hinweise auf eine eigenständige psychotische Episode?

Hinweise auf substanzinduzierte Akut-Reaktion (häufiger):

  • Zeitlicher Zusammenhang mit der Einnahme (innerhalb der erwarteten Wirkdauer)
  • Die Person hat Momente der Klarheit dazwischen
  • Die Symptome verändern sich wellenartig, werden stärker und schwächer
  • Kein psychiatrisches Vorgeschehen bekannt

Hinweise auf psychotische Episode (seltener, aber ernst):

  • Symptome halten über die erwartete Wirkdauer hinaus an (mehr als 12 Stunden nach LSD-Derivat-Einnahme)
  • Keine Momente der Klarheit
  • Zunehmende Desorganisation des Denkens
  • Psychiatrische Vorgeschichte (insbesondere Schizophrenie-Spektrum in der Familie)
  • Die Person erkennt nicht, dass sie eine Substanz eingenommen hat

Was du in beiden Fällen tust:

  • Sicherer, reizarmer Raum. Wenig Stimulation, gedämpftes Licht, leise oder keine Musik
  • Ruhige, klare, einfache Sprache. Kurze Sätze. Keine Diskussion über den Wahrheitsgehalt von Wahnideen
  • Orientierung geben: Name, Ort, Zeit — immer wieder
  • Nicht allein lassen. Nicht allein lassen. Nicht allein lassen

Wann du professionelle Hilfe hinzuziehst:

  • Wenn die Symptome über die erwartete Wirkdauer hinausgehen
  • Wenn du dir unsicher bist — lieber zu früh als zu spät
  • Wenn die Person eine Gefahr für sich selbst oder andere darstellt

Spirituelle Krise vs. psychotischer Bruch

Die Grenze zwischen einer „spirituellen Krise" und einer psychotischen Episode ist in der Praxis oft verwaschen. Eine Person, die sagt „Ich bin Gott", kann eine tiefe mystische Erfahrung machen — oder eine psychotische Überzeugung ausdrücken.

Faustregel:

  • Wenn die Person die Erfahrung beobachten kann („Es fühlt sich an, als wäre ich alles"), ist es eher eine spirituelle Krise
  • Wenn die Person die Erfahrung für die buchstäbliche Realität hält und nicht davon absehen kann, ist Vorsicht geboten
  • Wenn die Erfahrung Angst bei der Person auslöst, braucht sie Unterstützung — unabhängig von der Einordnung

Dein Job ist nicht, zu diagnostizieren. Dein Job ist, die Person sicher durch den Moment zu begleiten und bei Zweifeln professionelle Einschätzung hinzuzuziehen.

Widerstand gegen die Erfahrung

Manche Teilnehmer kämpfen gegen die Wirkung der Substanz an. Sie intellektualisieren, analysieren, kommentieren ständig, was sie erleben. Sie halten die Kontrolle fest, weil Kontrollverlust ihr größter Trigger ist.

Erkennungszeichen:

  • Ständiges Reden: „Ich spüre jetzt Kribbeln in den Beinen. Interessant. Das ist wahrscheinlich…"
  • Offene Augen, Blickkontakt suchen, Gespräche initiieren
  • Fragen wie „Wie lange dauert es noch?" „Wann kommt der Peak?"
  • Körperliche Anspannung trotz niedriger Stimulation

Was du tust:

  • Akzeptiere den Widerstand als Teil des Prozesses — er ist kein Fehler
  • Sanft einladen: „Du darfst die Augen schließen, wenn du magst." „Du darfst auch einfach atmen."
  • Nicht drängen: „Lass los" kann bei kontrollierten Persönlichkeiten genau das Gegenteil bewirken
  • Geduld: Manchmal braucht die Substanz einfach mehr Zeit, um den Widerstand aufzuweichen
  • Humor (situationsangemessen): „Dein Verstand arbeitet hart gerade, oder?" — nur wenn die Beziehung es trägt

Wunsch nach mehr Intensität

Umgekehrt gibt es Teilnehmer, die sagen: „Ich spüre nichts. Kann ich mehr nehmen?" oder die während der Erfahrung nach mehr Intensität drängen.

Grundregel: Die Dosierung wird vor der Erfahrung festgelegt. Nachdosierung während der Erfahrung ist in den meisten professionellen Begleitungskontexten nicht vorgesehen — und aus gutem Grund: Die Wirkung kann verzögert einsetzen, und die Beurteilungsfähigkeit der Person ist beeinträchtigt.

Was du sagst:

  • „Wir bleiben bei der vereinbarten Dosierung."
  • „Manchmal braucht die Wirkung mehr Zeit. Gib ihr Raum."
  • „Lass uns schauen, was passiert, wenn du dich darauf einlässt, was da ist — auch wenn es weniger ist, als du erwartet hast."

Multiple Krisen gleichzeitig

In Gruppenretreat-Settings kann es vorkommen, dass mehrere Teilnehmer gleichzeitig in schwierige Erfahrungen geraten. Das ist einer der stressigsten Momente für Facilitator.

Priorisierung:

  1. Medizinische Notfälle vor psychologischen Krisen
  2. Selbst- oder Fremdgefährdung vor emotionalem Distress
  3. Die Person, die am wenigsten Ressourcen hat, zuerst

Co-Facilitation ist hier entscheidend. Wenn du allein bist: Sicherheit für alle sicherstellen, dann zur dringendsten Situation gehen. Die anderen mit Decke, Musik und einem „Ich komme gleich zu dir" stabilisieren.

Überlange Sitzungen

Manchmal dauert die Wirkung länger als erwartet. Die Person ist nach 8 Stunden immer noch deutlich im Erleben. Du bist müde. Du hast Hunger. Du willst, dass es aufhört.

Was du tust:

  • Akzeptiere die Situation. Die Substanz bestimmt die Dauer, nicht du
  • Für deine eigene Versorgung sorgen: Essen, Trinken, kurze Ablösung (wenn Co-Facilitator vorhanden)
  • Der Person versichern: „Es darf so lange dauern, wie es dauert. Ich bin hier."
  • Wenn die Wirkung deutlich über die erwartete Dauer hinausgeht: erhöhte Aufmerksamkeit und Schwelle zur medizinischen Konsultation senken

Kulturelle Unterschiede

Nicht alle Menschen drücken Distress gleich aus. Manche Kulturen zeigen Emotionen offen, andere halten sie zurück. Manche verstehen psychedelische Erfahrungen als spirituell, andere als rein biochemisch, wieder andere als beängstigend und tabuisiert.

Was das für dich bedeutet:

  • Mache keine Annahmen darüber, was jemand erlebt, basierend auf deinem eigenen kulturellen Rahmen
  • Frage: „Was brauchst du gerade?" statt zu interpretieren
  • Sei offen für Ausdrucksformen, die dir fremd sind
  • Wenn Sprachbarrieren bestehen: Einfache Sprache, Gesten, Atemführung — die Grundlagen funktionieren sprachunabhängig

Gute Begleitung ist universell in ihrer Essenz: Präsenz, Sicherheit, Respekt. Die Form kann sich ändern — der Kern nicht.

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Bei psychotischen Symptomen, die über die erwartete Wirkdauer hinaus anhalten, ist eine psychiatrische Abklärung notwendig.

Forschungskontext

Forschung deutet darauf hin, dass die Unterscheidung zwischen psychotischen Episoden und „spirituellen Notfällen" (spiritual emergencies) in der Praxis oft schwierig ist.

Grof & Grof (1989) prägten den Begriff der „spirituellen Krise" und argumentierten, dass viele als psychotisch eingestufte Erfahrungen in einem unterstützenden Kontext transformativ verlaufen können — eine Perspektive, die durch neuere Arbeiten von Lukoff et al. bestätigt wird, jedoch auch die Notwendigkeit sorgfältiger Differentialdiagnostik betont.

Übung

Übung — Grenzreflexion:

Nimm dein Ausbildungsjournal und beantworte schriftlich: Was sind die drei Situationen, vor denen du als Facilitator am meisten Angst hast? Für jede: Was genau macht dir Angst? Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte? Und: Was würdest du konkret tun?

Besprich deine Antworten in deiner Supervisionsgruppe.