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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Du weißt, wann Sprechen hilfreich ist — und wann Schweigen die bessere Intervention ist
  • Du beherrschst die wichtigsten Grounding-Phrasen und kannst sie situationsangemessen einsetzen
  • Du unterscheidest zwischen Benennen und Interpretieren und verstehst, warum das entscheidend ist

Die Grundregel: Schweigen ist der Standard

Wenn du nicht weißt, ob du etwas sagen sollst — sag nichts.

Das ist die wichtigste Regel verbaler Intervention in der psychedelischen Begleitung. Dein Schweigen ist kein Versagen. Es ist Respekt vor dem Prozess der teilnehmenden Person. Die meisten inneren Reisen brauchen keinen Kommentar von außen. Sie brauchen Stille, Raum und das Wissen, dass jemand da ist.

Die Versuchung zu sprechen kommt oft aus deiner eigenen Unsicherheit. Du willst zeigen, dass du aufpasst. Du willst helfen. Du willst relevant sein. Erkenne diesen Impuls — und lass ihn vorbeiziehen.

Wann Sprechen angemessen ist

Es gibt klare Situationen, in denen verbale Intervention sinnvoll oder notwendig ist:

  • Die Person bittet direkt um Worte: Sie fragt „Bist du da?" oder „Ist alles okay?" — dann antworte.
  • Die Person zeigt Zeichen von Desorientierung: Sie wirkt verwirrt, öffnet die Augen und scheint nicht zu wissen, wo sie ist.
  • Die Person ist in einer Angstschleife: Wiederholt die gleichen Sätze, wird zunehmend panisch, findet keinen Ausgang.
  • Grounding wird gebraucht: Die Person wirkt dissoziiert, abwesend, „zu weit weg".
  • Phasenübergänge: Beim Ankommen, beim Übergang zum Peak, beim Nachlassen der Wirkung — sanfte Orientierung kann hilfreich sein.

In all diesen Fällen gilt: Sprich wenig, sprich langsam, sprich warm.

Die wichtigsten Grounding-Phrasen

Halte eine kleine Auswahl von Sätzen bereit, die du innerlich so gut kennst, dass sie natürlich kommen — nicht auswendig gelernt klingen.

Sicherheit vermitteln:

  • „Du bist sicher."
  • „Ich bin hier."
  • „Du bist nicht allein."

Den Prozess unterstützen:

  • „Alles darf sein."
  • „Lass es kommen."
  • „Du musst nichts kontrollieren."
  • „Dein Körper weiß, was er tut."

Orientierung geben:

  • „Du bist bei [Name des Retreat-Ortes]."
  • „Es ist [Uhrzeit]. Du bist hier in diesem Raum."
  • „Mein Name ist [dein Name]. Ich bin bei dir."

Zum Atem führen:

  • „Atme mit mir."
  • „Spür deinen Atem in deinem Bauch."
  • „Einatmen… und langsam ausatmen."

Die Qualität deiner Stimme ist wichtiger als die Worte. Sprich tiefer als normal. Sprich langsamer als du denkst. Sprich mit einer Ruhe, die du vielleicht noch gar nicht fühlst — aber ausstrahlst.

Benennen ohne Interpretieren

Eine der subtilsten und wirkungsvollsten verbalen Techniken: Du benennst, was du siehst oder wahrnimmst — ohne es zu deuten.

Benennen: „Ich sehe Tränen." Interpretieren: „Du bist traurig."

Der Unterschied ist entscheidend. Wenn du sagst „Du bist traurig", legst du eine Interpretation über die Erfahrung der teilnehmenden Person. Vielleicht weint sie vor Freude. Vielleicht vor Erleichterung. Vielleicht vor Wut. Du weißt es nicht — und du musst es nicht wissen.

Weitere Beispiele:

  • ✅ „Dein Körper bewegt sich." — ❌ „Du bist unruhig."
  • ✅ „Ich höre, dass dein Atem schneller wird." — ❌ „Du hast Angst."
  • ✅ „Deine Hände sind zu Fäusten geballt." — ❌ „Du bist wütend."
  • ✅ „Da passiert gerade viel." — ❌ „Das ist bestimmt überwältigend."

Benennen gibt der Person die Möglichkeit, ihre eigene Erfahrung zu spiegeln — ohne dass du sie einfärbst. Es sagt: „Ich sehe dich. Ich bin aufmerksam. Und ich respektiere, dass du weißt, was du erlebst."

Permission-basierte Sprache

In der psychedelischen Begleitung ist Consent nicht nur bei Berührung relevant — auch deine Worte können invasiv sein.

Gewöhne dir an, um Erlaubnis zu fragen, bevor du intervenierst:

  • „Darf ich etwas sagen?"
  • „Möchtest du, dass ich spreche, oder soll ich still bleiben?"
  • „Darf ich dir etwas vorschlagen?"
  • „Ist es okay, wenn ich deine Hand halte?"
  • „Möchtest du die Augen öffnen oder lieber geschlossen lassen?"

Diese Fragen tun zwei Dinge: Sie geben der teilnehmenden Person Autonomie zurück — in einem Zustand, in dem sie sich möglicherweise ausgeliefert fühlt. Und sie helfen dir, die richtige Intervention zu wählen, weil die Antwort dir zeigt, wo die Person gerade steht.

Wenn die Person „Nein" sagt oder nicht reagiert — respektiere das. Sofort und ohne Nachfragen.

Was du NIEMALS sagen solltest

Manche Sätze scheinen intuitiv richtig, sind aber in psychedelischen Zuständen kontraproduktiv oder sogar schädlich:

„Es ist nur die Substanz." Dieser Satz entwertet die Erfahrung der teilnehmenden Person. Für sie ist das, was sie erlebt, absolut real. Zu sagen, es sei „nur" die Substanz, vermittelt: Was du fühlst, ist nicht echt. Das kann Panik verstärken, nicht lindern.

„Entspann dich." Niemand hat sich jemals entspannt, weil jemand anderes „Entspann dich" gesagt hat. In einem veränderten Bewusstseinszustand wirkt dieser Satz wie ein Befehl, den die Person nicht ausführen kann — was Frustration und Kontrollverlust verstärkt.

„Das geht vorbei." Obwohl zeitliche Begrenzung manchmal hilfreich ist (z.B. „In etwa zwei Stunden wird die Intensität nachlassen"), vermittelt „Das geht vorbei" die Botschaft: Was du gerade erlebst, ist etwas, das vorbei sein muss. Das widerspricht dem Grundsatz, dass alle Erfahrungen willkommen sind.

„Ich weiß, wie du dich fühlst." Nein, weißt du nicht. Auch wenn du selbst hundert psychedelische Erfahrungen gemacht hast — du weißt nicht, was diese Person in diesem Moment erlebt. Der Satz kann als anmaßend erlebt werden.

„Versuch mal, an etwas Schönes zu denken." Ablenkung ist keine Begleitung. Dieser Satz lehrt die Person, vor schwierigen Erfahrungen zu fliehen, anstatt durch sie hindurchzugehen.

Sprache für verschiedene Phasen

Die Wirkung psychedelischer Substanzen verläuft in Phasen, und deine Sprache sollte sich anpassen:

Onset (Wirkungsbeginn): Orientierung und Beruhigung. „Die Wirkung beginnt. Alles ist gut. Lass deinen Körper ankommen."

Aufstieg: Wenig sprechen. Raum geben. Nur wenn nötig: „Ich bin hier. Du bist sicher."

Peak: So wenig wie möglich sprechen. Wenn überhaupt: einzelne Worte. „Ja." „Atme." „Da."

Plateau: Mehr Raum für sanfte Worte, falls die Person offen dafür ist. Aber immer noch: weniger ist mehr.

Comedown (Abklingen): Langsam mehr verbale Präsenz. Orientierung in der Realität. „Du kommst zurück. Nimm dir Zeit. Kein Druck."

Nachglühen: Hier darf mehr gesprochen werden — aber höre mehr zu, als du sprichst. Die Person will erzählen, verarbeiten, einordnen. Dein Job: aktiv zuhören.

Stille als Sprache

In der psychedelischen Begleitung ist Stille keine Abwesenheit von Kommunikation — sie ist eine eigene Form der Kommunikation. Dein Schweigen sagt: Ich bin hier. Ich urteile nicht. Ich dränge nicht. Ich halte den Raum.

Lerne, Stille zu genießen statt sie zu fürchten. Die tiefsten Prozesse finden in der Stille statt — und dein stilles Dasein ist der sicherste Container, den du bieten kannst.

Forschungskontext

Forschung deutet darauf hin, dass minimale verbale Interventionen in psychedelisch unterstützten Settings effektiver sind als ausführliche Gespräche.

Johnson et al. (2008) beschrieben in ihren Sicherheitsrichtlinien für Psilocybin-Forschung einen „non-directive but supportive" Ansatz, bei dem Facilitator primär schweigen und nur bei Bedarf kurze, beruhigende Sätze verwenden.

Übung

Übung — Phrasenkarten:

Schreib die folgenden Sätze jeweils auf eine eigene Karte: „Du bist sicher", „Ich bin hier", „Alles darf sein", „Lass es fließen", „Dein Atem trägt dich."

Übe jede Phrase laut — mit verschiedenen Tonlagen, Geschwindigkeiten und Betonungen. Spür nach, welche Variante sich warm und echt anfühlt und welche aufgesetzt wirkt. Die Worte sind weniger wichtig als die Qualität, mit der du sie sprichst.