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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Du verstehst Konflikte als Wachstumsmöglichkeit und nicht als Bedrohung für den Gruppenprozess
  • Du kennst De-Eskalationstechniken und weißt, wann du aktiv intervenieren musst
  • Du erkennst schwierige Teilnehmer-Typen und kannst angemessen mit ihnen arbeiten
  • Du verstehst die Bedeutung von Facilitator-Neutralität in Konfliktsituationen

Konflikte & schwierige Dynamiken

Konflikte als Wachstumschance

Der natürliche Impuls vieler Facilitatoren bei Konflikten: sofort beruhigen, glätten, harmonisieren. Dieser Impuls ist verständlich — aber oft kontraproduktiv. Konflikte sind keine Störung des Gruppenprozesses. Sie sind ein Teil davon. Oft der wichtigste Teil.

Wenn ein Teilnehmer einem anderen widerspricht, wenn Spannung im Raum liegt, wenn jemand unzufrieden ist — dann passiert etwas Echtes. Die Frage ist nicht, wie du den Konflikt beendest. Die Frage ist, wie du ihn hältst, damit er zum Wachstum beitragen kann.

De-Eskalation — Wann und Wie

Nicht jeder Konflikt braucht deine Intervention. Manche Spannungen lösen sich von selbst, wenn du ihnen Raum gibst. Andere eskalieren und brauchen dein Eingreifen. Die Kunst liegt im Erkennen des Unterschieds.

Wann du intervenierst:

  • Wenn ein Teilnehmer verbal angegriffen wird
  • Wenn Grenzen überschritten werden (körperlich, emotional, sexuell)
  • Wenn ein Teilnehmer sichtbar überfordert ist und sich nicht selbst schützen kann
  • Wenn die Gruppendynamik in eine destruktive Spirale gerät

Wann du beobachtest:

  • Wenn Meinungsverschiedenheiten sachlich bleiben
  • Wenn beide Seiten sich ausdrücken können
  • Wenn die Spannung zwar spürbar, aber nicht überwältigend ist
  • Wenn der Konflikt zum Storming-Prozess der Gruppe gehört

De-Eskalationstechniken:

  1. Verlangsamen: „Lass uns einen Moment pausieren." — Tempo rausnehmen gibt allen Beteiligten Zeit, aus der Reaktion in die Reflexion zu kommen.
  2. Spiegeln: „Was ich höre, ist…" — Wiederhole, was gesagt wurde, ohne zu bewerten. Das gibt dem Sprecher das Gefühl, gehört zu werden.
  3. Bedürfnisse benennen: „Was brauchst du gerade?" — Diese Frage verschiebt den Fokus von Positionen zu Bedürfnissen.
  4. Raum geben: „Möchtest du eine Pause?" — Manchmal braucht ein Teilnehmer einfach Abstand, um sich zu regulieren.
  5. Gruppenbezug herstellen: „Was löst das bei euch anderen aus?" — Das nimmt die Last vom Einzelnen und macht den Konflikt zum Gruppenthema.

Schwierige Teilnehmer-Typen

In jeder Gruppe gibt es Rollen, die Facilitatoren herausfordern. Es sind keine festen Persönlichkeitstypen — sondern Verhaltensweisen, die in bestimmten Gruppensituationen auftreten.

Der Dominator: Nimmt viel Raum ein, redet lang, unterbricht andere. Dahinter steckt oft Unsicherheit oder das Bedürfnis nach Kontrolle.

Dein Umgang: Setze klare Rahmenbedingungen. „Ich möchte sicherstellen, dass alle gehört werden." Sprich die Person nicht öffentlich zurecht — nimm sie beiseite und lade sie ein, auch zuzuhören.

Der Rückzieher: Schweigt, zieht sich zurück, vermeidet Blickkontakt. Dahinter kann Angst stehen, Überforderung oder eine tiefe Verarbeitung.

Dein Umgang: Biete Einladungen an, keine Forderungen. „Du darfst teilen, wenn du möchtest." Halte auch Stille als gültige Form der Teilnahme. Beobachte genau: Ist der Rückzug schützend oder abwehrend?

Der Projektor: Schreibt anderen Bedeutungen zu, interpretiert, analysiert. Oft ein Versuch, die eigene Unsicherheit durch intellektuelles Verstehen zu kontrollieren.

Dein Umgang: Lenke zurück zur eigenen Erfahrung. „Was passiert bei dir, wenn du das beobachtest?" Ermutige Ich-Aussagen statt Du-Interpretationen.

Grenzverletzungen in der Gruppe

Grenzverletzungen können subtil oder offensichtlich sein. Beides braucht deine sofortige Aufmerksamkeit.

  • Subtil: Ungebetene Berührungen, intime Fragen ohne Einladung, Grenzüberschreitungen im Sharing (Details preisgeben, die andere belasten)
  • Offensichtlich: Verbale Aggression, Beschämung, Missachtung ausgesprochener Regeln

Deine Reaktion: Schnell, klar, nicht verurteilend. „Was gerade passiert ist, entspricht nicht unseren gemeinsamen Vereinbarungen. Lass uns das ansprechen." Schütze den betroffenen Teilnehmer, ohne den verletzenden Teilnehmer zum Feind zu machen.

Restorative Circles

Wenn ein Konflikt die gesamte Gruppe betrifft, kann ein Restorative Circle helfen. Im Gegensatz zu einer Diskussion geht es hier nicht darum, wer recht hat. Sondern darum, was passiert ist, wie es auf alle Beteiligten gewirkt hat und was gebraucht wird, damit es weitergehen kann.

Ablauf:

  1. Der Facilitator erklärt den Rahmen: Zuhören, ohne zu unterbrechen. Sprechen in Ich-Form.
  2. Jeder Beteiligte schildert seine Wahrnehmung — ohne Unterbrechung.
  3. Die Gruppe hört zu — ohne Kommentar.
  4. Am Ende: Was braucht ihr, um weiterzugehen?

Facilitator-Neutralität

Neutralität bedeutet nicht Gleichgültigkeit. Sie bedeutet, dass du keine Partei ergreifst — auch wenn du innerlich eine Meinung hast. Deine Aufgabe ist es, den Prozess zu halten, nicht das Ergebnis zu bestimmen.

Das ist besonders schwer, wenn deine eigenen Themen getriggert werden. Wenn du merkst, dass du innerlich Partei ergreifst, ist das ein Signal: Hier ist Supervision nötig. Nicht jetzt, im Moment — aber danach, als Reflexion.

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Forschungskontext

Forschung deutet darauf hin, dass konstruktiv bearbeitete Konflikte in Gruppen zu tieferer Kohäsion führen als konfliktfreie Verläufe.

Tuckman (1965) identifizierte die Storming-Phase als notwendige Voraussetzung für funktionale Gruppenarbeit. Rosenberg beschreibt in „Nonviolent Communication" (2015, 3. Auflage), wie Konflikte als Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse verstanden werden können — ein Ansatz, der sich besonders für die Arbeit in psychedelischen Retreats eignet, da die emotionale Durchlässigkeit der Teilnehmer erhöht ist.

Übung

Übung:

Denke an einen Konflikt in deinem Leben, der sich im Nachhinein als positiv herausgestellt hat. Was hat er dich gelehrt? Was wäre nicht passiert, wenn der Konflikt vermieden worden wäre?

Schreibe drei Sätze dazu auf und behalte sie als Erinnerung: Konflikte sind nicht der Feind — Konfliktvermeidung ist es.