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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Du kennst die typischen Integrationszeiträume und ihre jeweiligen Herausforderungen
  • Du kannst einen strukturierten Nachsorgeplan für Teilnehmer erstellen
  • Du weißt, wann und wie du Krisenressourcen aktivierst

Integrationszeiträume & Nachsorge

Jede Phase hat ihre eigene Logik

Integration folgt keinem linearen Zeitplan, aber es gibt typische Phasen, die du als Facilitator kennen solltest. Jede Phase bringt eigene Herausforderungen, Chancen und potenzielle Stolpersteine mit sich. Wenn du diese Phasen verstehst, kannst du deine Teilnehmer gezielter unterstützen.

Die ersten 24 Stunden

Die unmittelbare Zeit nach einer psychedelischen Erfahrung ist eine der sensibelsten Phasen überhaupt. Der Teilnehmer ist noch weit offen — emotional, sensorisch, energetisch. Alles ist intensiver: Berührung, Licht, Geräusche, Gespräche.

Was Teilnehmer brauchen:

  • Ruhe und einen geschützten Raum
  • Einfache Nahrung, viel Wasser
  • Möglichkeit zu schlafen, wenn der Körper es braucht
  • Sanfte Zuwendung ohne Überflutung
  • Keine Analyse, keine Nachfragen, keine Erwartungen

Deine Aufgabe: Sei da. Biete an, ohne zu drängen. Ein warmes Getränk, eine Decke, ein stiller Blick, der sagt: „Du bist sicher." Mehr braucht es in dieser Phase oft nicht.

Die erste Woche

In den ersten Tagen nach der Erfahrung beginnt das, was manche als „Afterglow" bezeichnen — ein Zustand erhöhter Offenheit, Sensibilität und oft auch Klarheit. Gleichzeitig kann diese Phase verwirrend sein, weil der Alltag mit seiner Normalität zurückkehrt.

Typische Herausforderungen:

  • Der Kontrast zwischen der Tiefe der Erfahrung und der Oberflächlichkeit des Alltags
  • Schwierigkeit, das Erlebte in Worte zu fassen
  • Emotionale Wellen — Euphorie, Trauer, Zärtlichkeit, Wut
  • Schlafstörungen oder intensive Träume
  • Das Gefühl, „anders" zu sein als die Menschen um einen herum

Empfehlungen für Teilnehmer:

  • Schreibe täglich — auch nur fünf Minuten
  • Verbringe Zeit in der Natur
  • Reduziere Medienkonsum und soziale Verpflichtungen
  • Bewege dich — Spaziergänge, sanftes Yoga, Schwimmen
  • Sprich nur mit Menschen, denen du vertraust

Der erste Monat

Nach etwa ein bis zwei Wochen verblasst der Afterglow, und die eigentliche Integrationsarbeit beginnt. Hier zeigt sich, ob die Einsichten aus der Erfahrung tragfähig sind — oder ob sie wie Sandburgen bei Flut verschwinden.

Was in diesem Zeitraum geschieht:

  • Erste Versuche, Erkenntnisse in den Alltag zu integrieren
  • Konfrontation mit alten Mustern, die noch stark sind
  • Mögliche Ernüchterung: „Warum hat sich doch nichts verändert?"
  • Beziehungsdynamiken verschieben sich — manchmal zum Besseren, manchmal zum Schwierigeren
  • Körperliche Nachwirkungen klingen ab

Deine Rolle: Regelmäßige Check-ins — wöchentlich, wenn möglich. Ermutige den Teilnehmer, kleine, konkrete Schritte zu gehen, statt große Umwälzungen zu erzwingen. Normalisiere Rückschritte: „Das ist kein Versagen — das ist Integration."

Das 3-Monats-Fenster

Forschung deutet darauf hin, dass die ersten drei Monate nach einer psychedelischen Erfahrung ein Fenster erhöhter Veränderungsbereitschaft darstellen. Die Neuroplastizität ist noch erhöht, neue Muster können sich leichter etablieren.

Schwerpunkte in dieser Phase:

  • Neue Gewohnheiten festigen
  • Entscheidungen treffen, die während der Erfahrung klar wurden
  • Beziehungen bewusst neu gestalten
  • Spirituelle oder existenzielle Fragen vertiefen
  • Community und Peer-Support nutzen

Gleichzeitig ist dies die Phase, in der viele Menschen ohne Begleitung zurückfallen. Der anfängliche Schwung lässt nach, der Alltag gewinnt wieder die Oberhand, und die Einsichten fühlen sich zunehmend „abstrakt" an.

6-Monats-Integration und darüber hinaus

Integration ist kein Projekt mit einem Endtermin. Manche Erfahrungen brauchen Monate oder sogar Jahre, um sich vollständig zu entfalten. Das ist normal und kein Anzeichen dafür, dass etwas „falsch gelaufen" ist.

Langfristige Integrationsarbeit umfasst:

  • Regelmäßige Reflexion — ob im Journal, in Gesprächen oder in Gruppen
  • Fortlaufende Körperarbeit
  • Anpassung des Lebensstils an neue Werte und Prioritäten
  • Umgang mit wiederauftauchenden Themen — manche Themen zeigen sich erst nach Monaten

Nachsorgeplanung

Ein strukturierter Nachsorgeplan gibt dem Teilnehmer Sicherheit und dir als Facilitator Orientierung. Erstelle ihn gemeinsam mit dem Teilnehmer vor oder kurz nach dem Retreat.

Elemente eines Nachsorgeplans:

  • Kontaktpunkte: Wann finden Check-ins statt? Per Telefon, Video oder persönlich?
  • Krisenressourcen: Welche Ansprechpartner gibt es im Notfall? (Psychologische Beratungsstellen, Krisentelefone, Notaufnahme)
  • Integrationsübungen: Welche Praktiken empfiehlst du? (Journaling, Bewegung, Atemarbeit)
  • Peer-Netzwerk: Gibt es eine Integrationsgruppe, der der Teilnehmer beitreten kann?
  • Eskalationskriterien: Wann sollte der Teilnehmer professionelle Hilfe suchen?

Wann du eskalierst

Es gibt Situationen, in denen deine Begleitung nicht ausreicht. Kenne die Warnsignale:

  • Anhaltende Schlafstörungen über mehr als zwei Wochen
  • Zunehmende Isolation und Rückzug
  • Persistierende Angst oder Panikattacken
  • Wahnhafte Überzeugungen, die sich verfestigen
  • Suizidgedanken oder Selbstverletzung
  • Substanzmissbrauch als Bewältigungsstrategie

In diesen Fällen: Verweise professionell weiter. Halte eine Liste mit Fachpersonen bereit, die psychedelische Erfahrungen verstehen und nicht stigmatisieren.

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Forschungskontext

Forschung deutet darauf hin, dass die Wochen und Monate nach einer psychedelischen Erfahrung eine Phase erhöhter psychologischer Flexibilität darstellen, die als „Afterglow" bezeichnet wird (Erritzoe et al., Journal of Psychopharmacology, 2018).

Murphy-Beiner und Soar zeigen in „Ayahuasca's After-Glow" (Journal of Psychoactive Drugs, 2020), dass diese Phase sowohl Chancen als auch Risiken birgt — besonders wenn sie unbegleitet verläuft.

Übung

Praktische Vorlage:

Erstelle für dein nächstes Retreat einen Nachsorgeplan mit konkreten Meilensteinen: Check-in nach 48 Stunden, Integrationsgespräch in Woche 1, Gruppensession in Woche 3, Einzelgespräch in Monat 2, abschließender Check-in in Monat 3.

Passe den Plan an die Bedürfnisse deiner Teilnehmer an.