
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
Was du lernst
Du kannst die drei Phasen des REC-Modells — Reflect, Embody, Change — erklären und anwenden Du verstehst, warum Integration nicht rein kognitiv funktioniert und den Körper einbeziehen muss Du hast konkrete Methoden für jede Phase des Modells in deinem Werkzeugkoffer Du erkennst das REC-Modell als flexiblen Rahmen, nicht als starres Protokoll
Das REC-Modell der Integration
Ein Rahmen, kein Korsett
Integration braucht Struktur — aber keine Rigidität. Das REC-Modell bietet dir als Facilitator einen klaren Rahmen, um Teilnehmer durch den Integrationsprozess zu begleiten, ohne sie in ein Schema zu pressen.
REC steht für drei ineinandergreifende Phasen:
- R — Reflect (Reflektieren)
- E — Embody (Verkörpern)
- C — Change (Verändern)
Diese drei Phasen sind nicht linear. Du springst zwischen ihnen hin und her, wiederholst sie, vertiefst sie. Sie sind ein Kompass, kein Fahrplan.
Phase 1: Reflect — Reflektieren
Reflexion ist der erste und oft intuitivste Schritt der Integration. Es geht darum, das Erlebte in eine Form zu bringen — nicht, um es zu kontrollieren, sondern um es greifbar zu machen.
Methoden der Reflexion:
Journaling: Das Schreiben nach einer psychedelischen Erfahrung ist eine der wirksamsten Integrationspraktiken. Es geht nicht um perfekte Texte, sondern um den Fluss von Bewusstsein auf Papier. Empfehle Teilnehmern, so bald wie möglich nach der Erfahrung zu schreiben — auch wenn es fragmentarisch, chaotisch oder „unsinnig" erscheint.
Kreatives Ausdrücken: Malen, Zeichnen, Collagen, Töne — kreative Medien erreichen Schichten der Erfahrung, die Worte nicht abdecken. Viele Teilnehmer haben Hemmungen: „Ich kann nicht malen." Deine Aufgabe ist es, diesen Widerstand sanft aufzulösen. Es geht nicht um Kunst, sondern um Ausdruck.
Teilen: Das Erzählen der Erfahrung — ob im Integrationsgespräch, im Sharing Circle oder mit einer vertrauten Person — macht das Erlebte lebendig und erlaubt neue Perspektiven. Teilen bedeutet nicht, dass jemand anderes interpretiert. Es bedeutet, gehört zu werden.
Phase 2: Embody — Verkörpern
Hier unterscheidet sich das REC-Modell von rein gesprächsbasierten Ansätzen. Verkörperung bedeutet, die Einsichten aus der Erfahrung nicht nur im Kopf zu haben, sondern im Körper zu verankern.
Methoden der Verkörperung:
Somatische Praktiken: Atemarbeit, Yoga, Tai Chi, Feldenkrais — jede Praxis, die den Körper bewusst einbezieht, unterstützt die Verkörperung. Es geht nicht darum, eine bestimmte Technik zu empfehlen, sondern den Teilnehmer zu ermutigen, in den Körper zu gehen.
Rituelle Handlungen: Rituale sind keine esoterische Spielerei, sondern konkrete Handlungen, die eine innere Erfahrung im Außen verankern. Das kann so einfach sein wie: einen Stein an einen bestimmten Ort legen, eine Kerze anzünden, einen Brief schreiben und verbrennen. Die Form ist zweitrangig — die bewusste Absicht zählt.
Bewegung: Intuitive Bewegung, Tanz, Wandern in der Natur — der Körper verarbeitet anders als der Verstand. Viele Teilnehmer berichten, dass sich während der Bewegung plötzlich Zusammenhänge erschließen, die im Gespräch nicht zugänglich waren.
Phase 3: Change — Verändern
Die dritte Phase ist die anspruchsvollste — und die, an der Integration am häufigsten scheitert. Es reicht nicht, zu reflektieren und zu spüren. Irgendwann muss sich etwas im Leben verändern, sonst bleibt die Erfahrung ein isoliertes Erlebnis.
Bereiche der Veränderung:
Verhaltensänderungen: Kleine, konkrete Schritte sind wirksamer als große Vorsätze. Nicht „Ich werde mein ganzes Leben umkrempeln", sondern „Ich werde morgens 10 Minuten still sitzen, bevor ich mein Handy anschaue."
Beziehungsanpassungen: Psychedelische Erfahrungen verändern oft die Art, wie wir Beziehungen wahrnehmen. Manche Teilnehmer erkennen, dass sie Grenzen setzen müssen. Andere entdecken eine neue Tiefe der Verbundenheit. Integration bedeutet, diese Erkenntnisse in konkrete Beziehungsarbeit zu übersetzen.
Lebensstiländerungen: Ernährung, Schlaf, Medienkonsum, Naturkontakt — oft zeigen psychedelische Erfahrungen sehr klar, was im Alltag nicht stimmt. Die Herausforderung liegt darin, diese Klarheit in nachhaltige Änderungen zu verwandeln.
Das Modell in der Praxis
Als Facilitator nutzt du das REC-Modell als Orientierung in Integrationsgesprächen:
- Wo steht der Teilnehmer gerade? Steckt er noch in der Reflexion? Hat er den Übergang zum Verkörpern geschafft? Oder vermeidet er die Veränderung?
- Was braucht er jetzt? Manchmal ist mehr Reflexion nötig, bevor Veränderung sinnvoll ist. Manchmal blockiert endloses Nachdenken den Fortschritt, und der Körper muss erst eingeholt werden.
- Wo sind die Widerstände? Manche Menschen reflektieren gern, aber vermeiden Verkörperung. Andere handeln schnell, aber reflektieren nicht. Das REC-Modell hilft dir, blinde Flecken zu erkennen.
Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Forschungskontext
Forschung deutet darauf hin, dass multimodale Integrationsansätze — die kognitive, somatische und verhaltensorientierte Elemente verbinden — bessere Langzeitergebnisse zeigen als rein gesprächsbasierte Nachbereitung (Gorman et al., Journal of Psychopharmacology, 2021).
Noel et al. betonen in „The Role of Integration in Psychedelic-Assisted Therapies" (Frontiers in Psychology, 2022), dass körperbasierte und kreative Methoden entscheidende Ergänzungen zum verbalen Austausch darstellen.
Übung
Praxisübung:
Wähle eine kürzlich gemachte Erfahrung — sie muss nicht psychedelisch gewesen sein. Durchlaufe alle drei REC-Phasen bewusst: Schreibe 5 Minuten darüber (Reflect), bewege dich 5 Minuten intuitiv dazu (Embody), und definiere eine konkrete kleine Handlung, die du heute noch umsetzt (Change).