
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
Was du lernst
Die Bedeutung kontinuierlicher Selbstreflexion für nachhaltige Begleitungsarbeit erkennen Peer-Supervision und externe Supervision als zentrale Instrumente der Qualitätssicherung nutzen Burnout-Prävention, Compassion Fatigue und Vicarious Trauma voneinander unterscheiden und vorbeugen Klare Grenzen zwischen persönlichem Erleben und professioneller Rolle ziehen
Warum Selbstreflexion kein Luxus, sondern Notwendigkeit ist
Als Facilitator begleitest du Menschen durch einige der intensivsten Erfahrungen ihres Lebens. Du bist Zeuge von Tränen, Durchbrüchen, Ängsten und tiefer Freude. Diese Arbeit ist ein Privileg — und sie hinterlässt Spuren. Ohne regelmäßige Selbstreflexion riskierst du, diese Spuren zu übersehen, bis sie sich zu ernsthaften Belastungen verdichten.
Selbstreflexion ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist das Fundament professioneller Begleitungsarbeit. Jeder erfahrene Facilitator wird dir bestätigen: Die wichtigste Beziehung, die du pflegst, ist die zu dir selbst.
Supervision als Qualitätssicherung
Supervision ist in der psychedelischen Begleitung nicht optional — sie ist essenziell. Zwei Formen spielen dabei eine zentrale Rolle:
Peer-Supervision findet in Gruppen von Gleichgestellten statt. Ihr teilt Erfahrungen, besprecht herausfordernde Situationen und gebt einander Feedback. Der Vorteil: Peers verstehen die spezifischen Herausforderungen eurer Arbeit aus erster Hand. Empfohlen sind monatliche Treffen in festen Gruppen von drei bis sechs Personen.
Externe Supervision bietet den Blick von außen. Ein erfahrener Supervisor — idealerweise mit Kenntnis des psychedelischen Kontextes — hilft dir, blinde Flecken zu erkennen und strukturelle Muster in deiner Arbeit zu reflektieren. Externe Supervision sollte mindestens vierteljährlich stattfinden, bei intensiver Begleitungstätigkeit häufiger.
Burnout-Prävention in der Begleitungsarbeit
Burnout entsteht selten über Nacht. Es ist ein schleichender Prozess, der sich in drei Dimensionen zeigt:
- Emotionale Erschöpfung: Du fühlst dich nach Sessions dauerhaft ausgelaugt, nicht nur vorübergehend müde
- Depersonalisierung: Du nimmst Teilnehmer zunehmend als „Fälle" wahr statt als individuelle Menschen
- Reduzierte Wirksamkeit: Du zweifelst grundlegend an der Sinnhaftigkeit deiner Arbeit
Warnzeichen ernst zu nehmen bedeutet, rechtzeitig gegenzusteuern — nicht erst, wenn du nicht mehr kannst.
Vicarious Trauma und Compassion Fatigue
Neben Burnout gibt es zwei weitere Belastungsformen, die du kennen solltest:
Vicarious Trauma entsteht, wenn du durch die Begleitung traumatischer Prozesse selbst traumatische Reaktionen entwickelst. Du übernimmst unbewusst die Bilder, Gefühle und Körperempfindungen, die Teilnehmer in ihren Sessions erleben.
Compassion Fatigue beschreibt die Erschöpfung deiner empathischen Kapazität. Du merkst, dass dein Mitgefühl nachlässt, obwohl du es eigentlich aufbringen möchtest. Dies ist eine natürliche Schutzreaktion deines Nervensystems.
Beide Phänomene sind keine persönlichen Versagen — sie sind berufsbedingte Risiken, die aktive Prävention erfordern.
Die Grenze zwischen Persönlichem und Professionellem
In der psychedelischen Begleitung verschwimmen Grenzen leichter als in anderen Kontexten. Die Intimität der Erfahrung, das Vertrauen der Teilnehmer, die eigene Betroffenheit — all das kann dazu führen, dass du die Trennung zwischen deinem persönlichen Erleben und deiner professionellen Rolle verlierst.
Klare Grenzen bedeuten:
- Nach der Session hast du keinen Anspruch auf die Dankbarkeit oder Zuneigung der Teilnehmer
- Während der Session bist du für den Teilnehmer da, nicht für deine eigenen Prozesse
- Zwischen Sessions pflegst du dein eigenes emotionales Leben unabhängig von deiner Begleitungsarbeit
Selbstfürsorge-Praktiken für Facilitatoren
Effektive Selbstfürsorge ist mehr als gelegentliches Baden oder ein freier Nachmittag. Sie umfasst:
- Körperliche Praxis: Regelmäßige Bewegung, die dir hilft, aufgenommene Anspannung zu lösen — Yoga, Laufen, Tanzen, was immer zu dir passt
- Kontemplative Praxis: Meditation, Atemarbeit oder stille Naturzeit als täglicher Anker
- Soziale Nährung: Zeit mit Menschen, die nichts mit deiner Arbeit zu tun haben
- Kreative Ventile: Schreiben, Musizieren, Malen — Ausdrucksformen, die nicht an Leistung gekoppelt sind
Wann du eine Pause einlegen solltest
Es gibt Momente, in denen die professionellste Entscheidung darin besteht, keine Sessions anzubieten. Erwäge eine Pause, wenn:
- Du dich vor anstehenden Sessions fürchtest statt sie mit Präsenz zu erwarten
- Eigene unverarbeitete Erfahrungen durch die Begleitungsarbeit aktiviert werden
- Du merkst, dass du die Grenzen deiner Kompetenz regelmäßig berührst
- Persönliche Lebensereignisse deine emotionale Kapazität stark beanspruchen
Eine Pause ist kein Rückschritt. Sie ist ein Akt der Verantwortung — gegenüber deinen Teilnehmern und gegenüber dir selbst.
Forschungskontext
Forschung deutet darauf hin, dass Fachkräfte in der psychedelischen Begleitung ein erhöhtes Risiko für Compassion Fatigue aufweisen, insbesondere wenn sie regelmäßig intensive emotionale Prozesse miterleben. Regelmäßige Supervision reduziert dieses Risiko signifikant.
Übung
Führe nach jeder Session ein kurzes Reflexionsjournal. Drei Fragen genügen: Was hat mich berührt? Wo habe ich meine Grenzen gespürt? Was brauche ich jetzt für mich?