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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Du verstehst den Unterschied zwischen formaler Einwilligung und echtem Informed Consent
  • Du kannst die wesentlichen Komponenten einer informierten Zustimmung benennen
  • Du weißt, warum Consent ein fortlaufender Prozess ist und nicht ein einmaliges Ereignis

Was Informed Consent wirklich bedeutet

Informed Consent — informierte Zustimmung — ist eines der grundlegendsten ethischen Prinzipien in jedem Bereich, in dem Menschen sich in die Hände anderer begeben. In der Medizin, in der Forschung, in der Psychologie — überall, wo Vulnerabilität entsteht, ist Informed Consent die Grundlage.

Im psychedelischen Kontext hat Informed Consent eine besondere Bedeutung, weil die Erfahrung selbst die Fähigkeit zur Zustimmung verändert. Sobald jemand unter dem Einfluss einer psychedelischen Substanz steht, kann er nicht mehr im selben Sinne „zustimmen" wie vorher. Deshalb muss der Consent-Prozess vorher abgeschlossen sein — und er muss gründlich sein.

Informed Consent vs. rechtliche Absicherung

Lass uns ehrlich sein: Viele Consent-Formulare sind nicht für die Teilnehmer geschrieben — sie sind für den Anwalt geschrieben. Sie sollen den Veranstalter schützen, nicht die Person informieren. Sie sind lang, komplex, in juristischer Sprache verfasst und werden ungelesen unterschrieben.

Das ist kein Informed Consent. Das ist eine unterschriebene Haftungsausschlussklausel.

Echtes Informed Consent bedeutet, dass die Person tatsächlich versteht, worauf sie sich einlässt — in ihrer eigenen Sprache, in ihrem eigenen Tempo, mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen und ohne Druck.

Formale Absicherung Echtes Informed Consent
Juristendeutsch Alltagssprache
Lang und komplex Klar und überschaubar
Wird ungelesen unterschrieben Wird besprochen und verstanden
Schützt den Veranstalter Ermächtigt die Person
Einmaliges Ereignis Fortlaufender Dialog

Die Komponenten echten Informed Consents

1. Risiken

Die Person muss wissen, welche Risiken bestehen — realistisch, nicht dramatisiert, aber auch nicht verharmlost.

  • Psychologische Risiken: schwierige Emotionen, Angst, Paranoia, Flashback-ähnliche Zustände, Verwirrung
  • Physische Risiken: Übelkeit, Kopfschmerzen, Erschöpfung, vorübergehende Blutdruck- und Herzfrequenzveränderungen
  • Seltene Risiken: prolongierte psychologische Schwierigkeiten, HPPD (Hallucinogen Persisting Perception Disorder)
  • Risiken im Kontext: Was passiert, wenn die Erfahrung „schwierig" wird? Wie wird damit umgegangen?

2. Mögliche Erfahrungen

Beschreib die Bandbreite dessen, was passieren kann — nicht nur die positiven Aspekte. Teilnehmer sollten wissen, dass eine psychedelische Erfahrung alles sein kann: ekstatisch, friedlich, verwirrend, angsteinflößend, tiefgründig, langweilig, überwältigend oder alles nacheinander.

3. Alternativen

Informed Consent bedeutet auch, dass die Person weiß, dass es Alternativen gibt. Sie muss nicht an diesem Retreat teilnehmen. Sie kann andere Wege gehen — Coaching, Atemarbeit, Meditation, professionelle psychologische Begleitung.

4. Das Recht, sich zurückzuziehen

Zu jedem Zeitpunkt. Vor dem Retreat, am Morgen des Retreat-Tages, während der Vorbereitung. Die Person muss wissen, dass sie jederzeit sagen kann: „Ich möchte nicht mehr" — ohne Konsequenzen, ohne Scham, ohne finanzielle Nachteile (soweit möglich).

5. Vertraulichkeit

Was in einem Retreat passiert, bleibt im Retreat. Die Person muss wissen, wie du mit ihren Informationen umgehst — und welche Ausnahmen es gibt (z. B. wenn jemand in akuter Gefahr ist).

Zustimmungsfähigkeit und Substanzen

Hier wird es philosophisch und praktisch zugleich: Wie kann jemand vorher zustimmen zu etwas, das seine Fähigkeit zur Zustimmung verändert?

Die Antwort liegt in der Vorabzustimmung: Die Person stimmt im nüchternen Zustand zu, dass sie für die Dauer der Erfahrung bestimmte Entscheidungen an das Facilitator-Team delegiert. Zum Beispiel:

  • „Wenn ich während der Erfahrung darum bitte, zu gehen — halten Sie mich bitte sanft zurück und erinnern mich daran, dass ich zugestimmt habe, den sicheren Raum nicht zu verlassen."
  • „Wenn ein medizinischer Notfall eintritt, stimme ich zu, dass Sie den Rettungsdienst rufen."

Diese Vorabzustimmungen müssen explizit sein und schriftlich festgehalten werden.

Sprache: Consent verständlich machen

Dein Consent-Formular sollte in der Sprache geschrieben sein, die deine Teilnehmern sprechen — und damit meine ich nicht nur Deutsch oder Englisch, sondern die Art von Sprache, die sie verstehen.

Statt: „Der Veranstalter übernimmt keine Haftung für psychologische Nachwirkungen, die aus der Teilnahme an der Veranstaltung resultieren."

Lieber: „Es ist möglich, dass du nach der Erfahrung noch einige Tage oder Wochen intensive Emotionen hast. Wir unterstützen dich dabei durch unser Integrationsprogramm. Aber wir können nicht garantieren, dass alles sofort leicht wird."

Die erste Version schützt dich rechtlich. Die zweite Version informiert die Person. Im Idealfall tut dein Dokument beides.

Consent als fortlaufender Prozess

Informed Consent ist kein Moment — es ist ein Prozess. Er beginnt mit dem ersten Kontakt und endet nicht mit der Unterschrift.

Erster Kontakt: Die Person erhält Informationsmaterial über das Retreat, die Substanz, die Risiken.

Screening-Gespräch: Du besprichst Fragen, Bedenken, Erwartungen. Du gibst der Person Raum, ihre Ängste zu äußern.

Vorbereitungs-Session: Am Vorabend oder am Morgen vor der Erfahrung wiederholst du die wichtigsten Punkte. Du fragst: „Gibt es noch Fragen? Gibt es etwas, das sich verändert hat, seit wir das letzte Mal gesprochen haben?"

Unmittelbar vor der Erfahrung: Ein letztes Check-in. „Wie fühlst du dich? Bist du bereit? Erinnerst du dich an unsere Abmachungen?"

Nach der Erfahrung: Du besprichst, wie die Person die Erfahrung erlebt hat. Du informierst über Integrationsressourcen. Du erinnerst an Vertraulichkeit.

Consent, der nur auf Papier existiert, ist kein Consent. Consent, der gelebt wird, schützt alle Beteiligten.

Was deine Consent-Vorlage enthalten sollte

  1. Beschreibung der Erfahrung: Was wird passieren, in einfacher Sprache
  2. Substanzinformation: Was wird verwendet, wie wirkt es, wie lange dauert es
  3. Risiken: Psychologisch, physisch, seltene aber mögliche Komplikationen
  4. Recht auf Rückzug: Jederzeit, ohne Angabe von Gründen, ohne Konsequenzen
  5. Vertraulichkeit: Wie werden persönliche Informationen behandelt
  6. Notfallprotokoll: Was passiert in einem medizinischen oder psychologischen Notfall
  7. Nachbetreuung: Welche Unterstützung steht nach der Erfahrung zur Verfügung
  8. Vorabzustimmungen: Spezifische Situationen, in denen das Team handeln darf
  9. Unterschrift und Datum: Beide Parteien

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Informed Consent im Retreat-Kontext ersetzt keine ärztliche Aufklärung.

Forschungskontext

Forschung deutet darauf hin, dass die Qualität des Informed-Consent-Prozesses direkt mit dem Vertrauen der Teilnehmer und damit mit der Qualität der psychedelischen Erfahrung zusammenhängt.

Carhart-Harris et al., 2018 — Klare Vorabinformation über mögliche Erfahrungen reduzierte die Angst vor der Sitzung und stärkte die Fähigkeit der Teilnehmer, sich auf die Erfahrung einzulassen.

Übung

Praktische Übung:

Schreib eine Informed-Consent-Vorlage für ein fiktives Retreat — maximal zwei Seiten, in einfacher Sprache, ohne Juristendeutsch. Lass sie von einer Person lesen, die keine psychedelische Erfahrung hat.

Versteht sie alles? Wo hat sie Fragen? Dieses Feedback ist unbezahlbar.