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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Du kennst die kritischsten Medikamenteninteraktionen mit klassischen Psychedelika
  • Du kannst die Symptome eines Serotonin-Syndroms erkennen
  • Du verstehst, warum du Tapering-Beratung immer an Ärzte delegierst

Die unsichtbare Gefahr

Medikamenten-Interaktionsmatrix: Wechselwirkungen zwischen gängigen Medikamenten und psychedelischen Substanzen, farbcodiert nach Risikostufe

Von allen Risikofaktoren, die du als Facilitator kennen musst, sind Medikamenteninteraktionen wahrscheinlich die gefährlichsten — weil sie nicht sichtbar sind, weil Teilnehmer sie oft nicht erwähnen und weil die Konsequenzen schwerwiegend bis lebensbedrohlich sein können.

Klassische Psychedelika wie LSD und Psilocybin wirken primär über das serotonerge System im Gehirn. Viele weit verbreitete Medikamente wirken ebenfalls auf dieses System. Wenn beide Systeme gleichzeitig aktiviert werden, kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen.

Du musst kein Pharmakologe sein. Aber du musst genug wissen, um die richtigen Fragen zu stellen — und die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

SSRIs und SNRIs: Die häufigste Interaktion

SSRIs (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) sind die am häufigsten verschriebenen Antidepressiva weltweit. Dazu gehören Citalopram, Escitalopram, Sertralin, Fluoxetin, Paroxetin und Fluvoxamin.

SNRIs (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) wie Venlafaxin und Duloxetin haben ein ähnliches Profil.

Was passiert in Kombination mit Psychedelika:

  1. Wirkungsabschwächung: Die häufigste Folge. SSRIs besetzen Serotoninrezeptoren und können die psychedelische Wirkung deutlich abschwächen oder sogar vollständig blockieren. Eine Person, die SSRIs nimmt, spürt möglicherweise wenig oder gar nichts.

  2. Serotonin-Syndrom: Seltener, aber potenziell lebensbedrohlich. Wenn die Serotonin-Spiegel im Gehirn zu hoch werden, kann es zu einem Serotonin-Syndrom kommen.

  3. Unvorhersehbare Reaktionen: Die Interaktion ist nicht für alle SSRIs gleich. Fluoxetin hat eine besonders lange Halbwertszeit (Wochen!) und bleibt nach dem Absetzen viel länger im System als andere SSRIs.

Wichtig: Sag Teilnehmern niemals, sie sollen ihre SSRIs absetzen, um am Retreat teilzunehmen. Das ist gefährlich (Absetzphänomene, Rückkehr der Depression) und liegt außerhalb deiner Kompetenz. Verweise immer an den behandelnden Arzt.

Serotonin-Syndrom: Erkennung und Sofortmaßnahmen

Das Serotonin-Syndrom ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, die durch einen Überschuss an Serotonin im Gehirn verursacht wird.

Symptome (Dreier-Trias):

  1. Neuromuskulär: Tremor, Muskelzuckungen (Myoklonus), Muskelsteifheit, gesteigerte Reflexe, Koordinationsstörungen
  2. Autonom: Schwitzen, Fieber, Tachykardie (schneller Herzschlag), Bluthochdruck, erweiterte Pupillen, Durchfall
  3. Mental: Verwirrung, Unruhe, Angst, Desorientierung

Schweregrade:

  • Mild: Nervosität, leichtes Zittern, erweiterte Pupillen → Beobachten, ggf. ärztliche Beratung
  • Moderat: Deutliches Zittern, Schwitzen, Tachykardie, Muskelzuckungen → Ärztliche Hilfe hinzuziehen
  • Schwer: Hohes Fieber (>40°C), Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit → Notfall. 112 rufen. Sofort.

Sofortmaßnahmen:

  • Person beruhigen und in eine sichere Position bringen
  • Kühlung bei hohem Fieber (nasse Tücher, kühle Umgebung)
  • Keine weiteren serotonergen Substanzen geben
  • Notarzt rufen bei schweren Symptomen

Lithium: Absolute Kontraindikation mit LSD

Die Kombination von Lithium und LSD ist eine der am besten dokumentierten gefährlichen Interaktionen in der psychedelischen Literatur.

Lithium wird primär zur Behandlung bipolarer Störungen eingesetzt. In Kombination mit LSD kann es zu Grand-Mal-Krampfanfällen kommen — auch bei Personen ohne Epilepsie-Vorgeschichte. Darüber hinaus wurden Fälle von schwerer Verwirrtheit, komatösen Zuständen und anderen schweren neurologischen Reaktionen berichtet.

Es gibt keine sichere Dosis von LSD für jemanden, der Lithium nimmt. Diese Interaktion ist absolut — keine Ausnahmen, keine Einzelfallentscheidungen, kein „vielleicht geht es ja gut."

Wenn jemand Lithium nimmt, ist die Antwort immer: „Ich kann dich in diesem Setting nicht begleiten. Die Kombination ist zu gefährlich."

Weitere relevante Interaktionen

Trizyklische Antidepressiva: Können die psychedelische Wirkung verstärken und das Risiko eines Serotonin-Syndroms erhöhen.

Tramadol: Ein Opioid-Schmerzmittel mit serotonerger Wirkung. Erhöht das Risiko eines Serotonin-Syndroms und senkt die Krampfschwelle.

Johanniskraut (Hypericum): Ein frei verkäufliches pflanzliches Präparat mit relevanter serotonerger Wirkung. Wird oft nicht als „Medikament" wahrgenommen — frag deshalb explizit auch nach Nahrungsergänzungsmitteln und pflanzlichen Mitteln.

5-HTP und L-Tryptophan: Serotonin-Vorstufen, die als Nahrungsergänzung verkauft werden. Können in Kombination mit Psychedelika die Serotonin-Spiegel addieren.

Cannabis: Kann die psychedelische Wirkung unvorhersehbar verstärken, insbesondere die Angstkomponente. Kein absolutes Kontraindikation, aber Teilnehmer sollten informiert sein.

Tapering: Warum du nicht derjenige bist, der das berät

Viele Teilnehmer werden dich fragen: „Soll ich mein Medikament vorher absetzen?" Die Antwort ist immer dieselbe:

„Das ist eine Entscheidung, die du mit deinem Arzt treffen musst. Ich kann dir keine Empfehlung zum Absetzen oder Reduzieren von Medikamenten geben — das liegt außerhalb meiner Kompetenz."

Warum? Weil:

  • Das Absetzen von Psychopharmaka ein medizinischer Prozess ist, der überwacht werden muss
  • Absetzphänomene schwerwiegend sein können (Schwindel, Übelkeit, Angstzustände, Suizidalität)
  • Fluoxetin bis zu sechs Wochen brauchen kann, um das System zu verlassen
  • Du keine Kenntnis der vollständigen Krankengeschichte der Person hast
  • Die Entscheidung, ein Medikament abzusetzen, gegen den Nutzen des Medikaments abgewogen werden muss

Deine Rolle ist es, die Person an ihren Arzt zu verweisen und — wenn die Person einverstanden ist — dem Arzt die Informationen zur Verfügung zu stellen, die er braucht (welche Substanz geplant ist, Zeitrahmen etc.).

Erstelle eine Medikamenten-Check-Vorlage

In deiner Screening-Praxis solltest du eine einfache, übersichtliche Vorlage haben, die du bei jedem Gespräch nutzt:

Absolutte Kontraindikation (keine Teilnahme): Lithium, MAOIs (Moclobemid, Tranylcypromin), aktuell hochdosierte SSRIs ohne ärztliche Abstimmung

Ärztliche Klärung erforderlich: SSRIs, SNRIs, trizyklische Antidepressiva, Tramadol, Antiepileptika, Antipsychotika

Bitte erwähnen, wahrscheinlich unproblematisch: Schilddrüsenmedikamente, Blutdrucksenker (Einzelfallprüfung), orale Kontrazeptiva, Antihistaminika

Immer nachfragen: Nahrungsergänzungsmittel, pflanzliche Präparate, Cannabiskonsum, letzte Medikamenteneinnahme

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Informationen zu Medikamenteninteraktionen ersetzen keine ärztliche Beratung. Facilitators verschreiben, verabreichen oder dosieren keine Substanzen.

Forschungskontext

Forschung deutet darauf hin, dass die Kombination von Lithium und LSD zu schweren neurologischen Ereignissen führen kann, darunter Grand-Mal-Anfälle.

Bonson & Murphy, 1996 — Dokumentation mehrerer Fälle, in denen die Kombination von Lithium und LSD zu schweren Krampfanfällen führte — ein Risiko, das bei keiner anderen Kombination mit klassischen Psychedelika in vergleichbarer Häufigkeit auftritt.

Übung

Praktische Aufgabe:

Erstelle eine einseitige „Medikamenten-Check-Karte" — ein Dokument, das du bei jedem Screening-Gespräch dabei hast. Liste die drei Kategorien auf: Absolute Kontraindikation, Relative Kontraindikation, Wahrscheinlich unproblematisch.

Füge die gängigsten Medikamente ein. Dieses Werkzeug wird ein Teil deiner Screening-Praxis.