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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Du verstehst Screening als Fürsorgepflicht und nicht als Abweisung
  • Du kennst die Statistiken zu unerwünschten Ereignissen mit und ohne Screening
  • Du kannst den Unterschied zwischen Gründlichkeit und Beurteilung erklären

Die Bedeutung des Screenings

Wenn du als Facilitator arbeitest, trägst du Verantwortung — nicht nur für das, was während einer Erfahrung passiert, sondern auch für das, was vorher geschehen muss. Screening ist nicht optional. Es ist keine bürokratische Hürde, kein Formular zum Abhaken und kein Werkzeug, um Menschen auszuschließen. Screening ist ein Akt der Fürsorge.

Jeder Mensch, der sich für eine psychedelische Erfahrung interessiert, bringt eine einzigartige Geschichte mit — körperlich, psychisch, biografisch. Manche dieser Geschichten machen eine Erfahrung zu einem kraftvollen Wendepunkt. Andere machen sie zu einem ernsthaften Risiko. Deine Aufgabe ist es, das herauszufinden — bevor jemand in einem veränderten Bewusstseinszustand sitzt.

Screening ist Fürsorge, nicht Gatekeeping

Es gibt einen feinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen Gatekeeping und verantwortungsvollem Screening. Gatekeeping sagt: „Du bist nicht gut genug." Screening sagt: „Ich will sicherstellen, dass das hier für dich sicher ist."

Als Facilitator bist du kein Richter. Du bist auch kein Diagnostiker. Du bist jemand, der genug weiß, um die richtigen Fragen zu stellen — und der die Demut besitzt, bei Unsicherheit professionelle Hilfe hinzuzuziehen.

Screening hat drei Kernfunktionen:

  1. Schutz der Teilnehmer — Bestimmte Vorerkrankungen, Medikamente oder psychische Zustände können eine psychedelische Erfahrung gefährlich machen. Screening identifiziert diese Risiken.
  2. Schutz der Gruppe — Ein einzelner Teilnehmer in einer Krise kann die gesamte Gruppe destabilisieren. In einem Retreat-Setting betrifft die Sicherheit einer Person alle.
  3. Schutz des Facilitators — Ohne ordentliches Screening handelst du im Blindflug. Wenn etwas schiefgeht und du nicht gescreent hast, trägst du eine schwere ethische — und möglicherweise rechtliche — Last.

Statistiken: Was Screening bewirken kann

Die Daten aus klinischen Studien sind eindeutig. In strukturierten Settings mit sorgfältigem Screening — wie den Psilocybin-Studien der Johns Hopkins University oder des Imperial College London — sind schwerwiegende unerwünschte psychologische Ereignisse extrem selten. Forschung deutet darauf hin, dass die Rate psychotischer Episoden in gescreenten Populationen bei unter 0,1 % liegt.

Im Kontrast dazu zeigen Berichte aus nicht-gescreenten Settings — informelle Zeremonien, Festival-Kontexte, Online-Gruppen ohne Vorgespräche — eine deutlich höhere Rate an psychologischen Krisen. Carbonaro et al. (2016) dokumentierten in einer großen Online-Befragung, dass 7,6 % der Befragten ihre schwierigste Psilocybin-Erfahrung als eine der zehn herausforderndsten Erfahrungen ihres Lebens beschrieben, wobei fehlende Vorbereitung und mangelndes Setting als verstärkende Faktoren identifiziert wurden.

Die Botschaft ist klar: Screening allein verhindert nicht alle Probleme — aber es reduziert vermeidbare Risiken dramatisch.

Rechtliche und ethische Verantwortung

Als Facilitator befindest du dich in einem Bereich, der rechtlich nicht überall eindeutig reguliert ist. Gerade deshalb ist ethische Selbstverpflichtung umso wichtiger. Wenn du Menschen in veränderte Bewusstseinszustände begleitest, hast du eine Fürsorgepflicht — unabhängig davon, ob ein Gesetz das explizit von dir verlangt.

Ethisch bedeutet Screening:

  • Du nimmst die Autonomie der Person ernst, indem du ihr alle Informationen gibst, die sie braucht, um eine informierte Entscheidung zu treffen.
  • Du respektierst deine eigenen Grenzen — du bist kein Arzt, kein Psychotherapeut, kein Psychiater. Du weißt, was du weißt, und du weißt, was du nicht weißt.
  • Du dokumentierst deine Prozesse, sodass du — falls nötig — nachweisen kannst, dass du verantwortungsvoll gehandelt hast.

Der Screening-Mindset: Gründlichkeit ohne Urteil

Die vielleicht schwierigste Kompetenz im Screening ist die innere Haltung. Du musst gründlich fragen — auch nach unangenehmen Themen wie Suizidalität, Psychose in der Familie oder aktueller Medikation. Gleichzeitig musst du das tun, ohne dass sich die Person beurteilt oder abgelehnt fühlt.

Das erfordert:

  • Normalisierung: „Diese Fragen stelle ich allen Teilnehmern — sie sind Teil meiner Sorgfaltspflicht."
  • Offenheit: „Es gibt keine falschen Antworten. Je ehrlicher du bist, desto besser kann ich für deine Sicherheit sorgen."
  • Respekt: „Du musst mir nichts erzählen, was du nicht erzählen möchtest. Aber bestimmte Informationen brauche ich, um einschätzen zu können, ob eine Teilnahme gerade sinnvoll ist."

Ein gutes Screening-Gespräch fühlt sich nicht wie ein Verhör an. Es fühlt sich wie ein Gespräch an, in dem sich jemand gesehen und ernst genommen fühlt.

Was Screening kann und was nicht

Screening ist mächtig, aber nicht allmächtig. Es ist wichtig, dass du seine Grenzen kennst:

Was Screening kann:

  • Bekannte medizinische Kontraindikationen identifizieren (z. B. Medikamenteninteraktionen, kardiovaskuläre Erkrankungen)
  • Akute psychische Krisen erkennen (z. B. akute Suizidalität, laufende psychotische Episode)
  • Unrealistische Erwartungen aufdecken (z. B. „Ich will, dass meine Depression nach einer Sitzung geheilt ist")
  • Die Grundlage für ein vertrauensvolles Facilitator-Teilnehmer-Verhältnis legen

Was Screening nicht kann:

  • Garantieren, dass keine schwierige Erfahrung auftritt
  • Alle psychischen Erkrankungen erkennen (manche sind undiagnostiziert, manche werden verschwiegen)
  • Die Zukunft vorhersagen (manchmal passiert das Unerwartete, auch bei perfektem Screening)
  • Ersetzen, was professionelle Diagnostik leisten kann

Deshalb ist Screening kein Einzelereignis, sondern ein Prozess — der mit dem ersten Kontakt beginnt und bis zum Beginn der Erfahrung andauert. Und deshalb brauchst du immer einen Plan für den Fall, dass trotz gutem Screening etwas Unvorhergesehenes passiert.

Die Screening-Haltung zusammengefasst

Geh in jedes Screening-Gespräch mit dieser Haltung:

„Ich möchte, dass diese Person teilnimmt. Ich suche nicht nach Gründen, sie abzulehnen. Aber ich bin bereit, Nein zu sagen, wenn die Sicherheit es erfordert — und ich werde das mit Mitgefühl und Klarheit tun."

Das ist der Unterschied zwischen einem Facilitator und jemandem, der einfach nur Erfahrungen anbietet. Du hast die Kompetenz, die Verantwortung und die Demut, Menschen ernstzunehmen — auch dann, wenn das bedeutet, dass eine Teilnahme gerade nicht der richtige Zeitpunkt ist.

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Screening ist ein Instrument der Risikominimierung, kein diagnostisches Verfahren.

Forschungskontext

Forschung deutet darauf hin, dass strukturierte Screening-Prozesse die Rate schwerwiegender psychologischer Zwischenfälle bei psychedelischen Sitzungen um ein Vielfaches reduzieren können.

Johnson et al., 2008 — In ihren Richtlinien für die Psilocybin-Forschung beschrieben sie, dass sorgfältige Teilnehmerselektion der wichtigste Einzelfaktor für die Sicherheit psychedelischer Erfahrungen sei.

Übung

Reflexionsübung:

Stell dir vor, du führst ein Vorgespräch mit einer Person, die unbedingt an einem Retreat teilnehmen möchte — aber mehrere Risikofaktoren mitbringt. Schreib auf, wie du dieses Gespräch beginnen würdest. Welche Worte wählst du? Welchen Ton schlägst du an?

Diese Übung bereitet dich auf die emotionale Komplexität des Screenings vor.