
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
Was du lernst
Du kennst die Vor- und Nachteile verschiedener Gruppengrößen Du kannst die optimale Facilitator-zu-Teilnehmer-Ratio bestimmen Du verstehst die Rollenverteilung in Multi-Facilitator-Teams
Die Gruppengröße bestimmt alles
Die Frage „Wie viele Teilnehmer?" klingt nach einer Verwaltungsfrage. In Wirklichkeit ist sie eine der grundlegendsten Entscheidungen, die du als Facilitator triffst — weil sie alles andere beeinflusst: die Tiefe der Begleitung, die Sicherheit, die Gruppenynamik, die Logistik, die Intimität.
Einzelsitzungen (1:1 oder 2:1)
Das Format: Eine Teilnehmerin, ein oder zwei Facilitatoren.
Vorteile:
- Maximale Aufmerksamkeit und individuelle Begleitung
- Totale Flexibilität: Der gesamte Ablauf richtet sich nach dieser einen Person
- Tiefste mögliche Begleitbeziehung
- Einfachste Sicherheitsstruktur
Nachteile:
- Höchste Kosten pro Teilnehmer
- Keine Gruppenenergie — manche Erfahrungen profitieren von der Gruppe
- Hohe emotionale Belastung für den Facilitator, wenn die Erfahrung intensiv wird
Empfehlung: Ideal für erste Erfahrungen, für Menschen mit komplexer Vorgeschichte, oder für besonders tiefe Arbeit.
Kleine Gruppen (3–6 Teilnehmer)
Das Format: Die meisten Retreats arbeiten in diesem Bereich.
Optimale Ratio: 1:2 bis 1:3 (ein Facilitator pro 2–3 Teilnehmer)
- 3 Teilnehmer → 1–2 Facilitatoren
- 4 Teilnehmer → 2 Facilitatoren
- 6 Teilnehmer → 2–3 Facilitatoren
Vorteile:
- Genug individuelle Aufmerksamkeit möglich
- Gruppenenergie als Ressource: Teilnehmer spüren, dass sie nicht allein sind
- Wirtschaftlich tragfähiger als Einzelsitzungen
- Überschaubares Komplexitätsniveau
Nachteile:
- Ein Teilnehmer in intensiver Krise bindet einen Facilitator vollständig — die anderen müssen kompensieren
- Gruppendynamik muss aktiv moderiert werden
- Lautstärke: Emotionaler Ausdruck einer Person beeinflusst alle anderen
Empfehlung: Der Sweet Spot. Genug Intimität für tiefe Arbeit, genug Gruppe für geteilte Erfahrung.
Mittlere Gruppen (7–12 Teilnehmer)
Das Format: Erfordert professionelle Organisation und mindestens 3 Facilitatoren.
Optimale Ratio: 1:3 bis 1:4, plus eine Person in Krisenbereitschaft
- 8 Teilnehmer → 3 Facilitatoren (einer davon als Krisen-Backup)
- 12 Teilnehmer → 4 Facilitatoren (einer davon als Krisen-Backup)
Vorteile:
- Wirtschaftlich sinnvoll
- Stärkere Gruppenenergie
- Mehr Vielfalt in der Nachverarbeitung
Nachteile:
- Individuelle Begleitung ist eingeschränkt
- Organisationsaufwand steigt exponentiell (nicht linear!)
- Lautstärke- und Raummanagement werden komplex
- Teamkoordination der Facilitatoren erfordert klare Strukturen
Große Gruppen (13+ Teilnehmer)
Klare Empfehlung: Nicht für Einsteiger.
Große Gruppen erfordern:
- 4+ erfahrene Facilitatoren
- Detaillierte Rollenverteilung
- Separate Krisenräume
- Funk- oder Zeichensysteme zur Kommunikation im Team
- Möglicherweise mehrere Räume
- Erfahrung mit Massenpsychologie und Gruppenregulation
Die Mathematik ist nicht proportional: 20 Teilnehmer brauchen nicht doppelt so viele Facilitatoren wie 10 — sie brauchen eine fundamental andere Organisationsstruktur.
Rollenverteilung im Multi-Facilitator-Team
Leitender Facilitator:in
- Gesamtverantwortung für den Ablauf
- Entscheidungshoheit bei Konflikten und Krisen
- Hält den übergeordneten Rahmen
- Kommuniziert mit dem Team
Support-Facilitatoren
- Jeweils zugeordnet zu bestimmten Teilnehmern
- Verantwortlich für individuelle Begleitung ihrer Zuordnungen
- Melden Auffälligkeiten an die Leitung
Krisen-Facilitator
- Nicht zugeordnet — steht als Backup bereit
- Übernimmt intensive Einzelbetreuung, falls nötig
- Entlastet die Support-Facilitatoren
Wichtig: Diese Rollen werden vor der Session geklärt — schriftlich, mit klaren Zuständigkeiten. Während der Session ist keine Zeit für Rollendiskussionen.
Teamkommunikation während der Session
In einer Gruppe von 6+ Menschen kann es sein, dass Facilitatoren in verschiedenen Teilen des Raums sind und nicht verbal kommunizieren können (um die Stille nicht zu brechen).
Lösungen:
- Zeichensystem: Vorher vereinbarte Handzeichen (z.B. Daumen hoch = „alles okay", erhobene Hand = „brauche Unterstützung")
- Flüstern: Kurze, leise Kommunikation im Flüsterton
- Notizsystem: Kleine Zettel, die weitergereicht werden
- Schichtarbeit: Bei langen Sessions: Facilitatoren wechseln sich ab (einer macht Pause, während andere übernehmen)
Die ehrliche Frage
Bevor du eine Gruppengröße festlegst, stell dir eine ehrliche Frage: Wie viele Menschen kann ich wirklich halten?
Nicht theoretisch. Nicht auf dem Papier. Sondern in der Realität — wenn alles gleichzeitig passiert. Wenn Person A weint, Person B erbrechen muss, Person C aufstehen und herumlaufen will und Person D still daliegt und du nicht weißt, ob sie schläft oder dissoziiert.
Deine Antwort auf diese Frage bestimmt deine Gruppengröße. Nicht der Markt. Nicht der Businessplan. Deine ehrliche Kapazität.
Die hier beschriebenen Betreuungsverhältnisse beziehen sich auf den Coaching- und Begleitungskontext. Klinische Settings unterliegen anderen Anforderungen und Aufsichtspflichten.
Forschungskontext
Forschung deutet darauf hin, dass das Betreuungsverhältnis einer der wichtigsten Sicherheitsfaktoren in psychedelischen Settings ist. Klinische Studien arbeiten typischerweise mit einer 2:1-Betreuung (zwei Begleitpersonen pro Teilnehmer), während Retreat-Settings mit Ratios von 1:2 bis 1:3 arbeiten.
Johnson et al., 2018 — Größere Gruppen erfordern nicht nur mehr Facilitatoren, sondern auch strukturell andere Organisationsformen.
Übung
Übung — Szenario-Planung:
Du planst ein Retreat für 8 Teilnehmer. Wie viele Facilitatoren brauchst du? Welche Rollen haben sie? Was passiert, wenn ein Facilitator kurzfristig ausfällt?
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