
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
Was du lernst
Du verstehst die physischen Anforderungen an einen Erfahrungsraum und kannst sie umsetzen Du kannst einen Raum in verschiedene funktionale Zonen einteilen Du kennst die wichtigsten Sicherheitsaspekte bei der Raumauswahl
Der Raum als Container
In der psychedelischen Begleitung sprechen wir oft vom „Halten des Raums" — aber das ist nicht nur eine Metapher. Der physische Raum ist buchstäblich der Container, in dem die Erfahrung stattfindet. Und wie jeder Container bestimmt er, was darin möglich ist.
Ein kalter, steriler Raum mit Neonbeleuchtung und dünnen Wänden, durch die Straßenlärm dringt, wird eine fundamental andere Erfahrung ermöglichen als ein warmer, gedämpfter Raum mit natürlichem Licht, weichen Oberflächen und Stille.
Das klingt offensichtlich. Aber die Details machen den Unterschied — und in veränderten Bewusstseinszuständen werden Details zu Hauptdarstellern.
Raumanforderungen
Größe
Für Einzelsitzungen: Mindestens 15–20 m². Groß genug, dass sich die Person nicht eingesperrt fühlt. Klein genug, dass der Raum nicht leer und exponiert wirkt.
Für Gruppen: Rechne 4–5 m² pro Person plus Gemeinschaftsfläche. Ein Raum für sechs Personen sollte mindestens 40 m² haben.
Belüftung und Temperatur
Frischluft ist nicht verhandelbar. Ein Raum ohne Möglichkeit zu lüften ist ungeeignet. Idealerweise: Fenster, die sich öffnen lassen, aber auch verdunkelt werden können. Temperatur zwischen 20–23°C. Besser etwas wärmer als zu kalt — Körpertemperatur kann während der Erfahrung schwanken.
Akustik
Harte Oberflächen reflektieren Schall. Teppiche, Vorhänge, Kissen, Decken — alles, was Schall absorbiert, verbessert die akustische Qualität. Außengeräusche sollten minimal sein. Straßenlärm, Nachbarn, Flugzeuge — all das kann in verändertem Zustand extrem belastend sein.
Privatsphäre
Der Raum muss vollständig privat sein. Keine Mitbewohner, die vorbeikommen könnten. Keine Lieferdienste, die klingeln. Keine Fenster, durch die Passanten schauen. Die Gewissheit, ungestört zu sein, ist essenziell.
Zonierung
Ein guter Erfahrungsraum ist kein einzelner Raum — er ist ein System von Zonen.
Hauptraum (Kern)
Hier findet die eigentliche Erfahrung statt. Matratzen oder Matten, Decken, Kissen, Augenmasken. Die Mitte des Raums — warm, weich, sicher. Die Beleuchtung hier muss dimmbar sein, idealerweise bis fast zur Dunkelheit.
Ruhezone
Ein abgetrennter Bereich — hinter einem Vorhang, in einer Ecke, in einem Nebenraum — in den sich Teilnehmer zurückziehen können, wenn die Gruppenenergie zu viel wird. Dieser Bereich muss bequem sein und gleichzeitig Rückzug signalisieren.
Sanitärbereich
Direkt zugänglich, ohne Treppen, ohne lange Wege. Aufstehen und zur Toilette gehen ist eine der häufigsten Handlungen während einer Session — und sie muss sicher und einfach sein. Der Weg sollte beleuchtet sein (gedämpft), und jemand sollte verfügbar sein, um bei Bedarf zu begleiten.
Außenbereich (wenn verfügbar)
Ein Garten, eine Terrasse, ein Balkon — frische Luft und Naturkontakt können während der Erfahrung enormen Wert haben. Aber: Der Bereich muss sicher sein. Kein ungesicherter Balkon, keine Straße in Reichweite, keine steilen Treppen.
Facilitator-Bereich
Dein Platz im Raum. Nah genug, um sofort da zu sein. Weit genug, um nicht invasiv zu sein. Idealerweise etwas erhöht oder seitlich, mit Überblick über den gesamten Raum. Hier liegen deine Notizen, dein Wasser, dein Telefon (auf lautlos).
Sicherheitsaspekte
Scharfe Kanten und spitze Gegenstände: Entferne alles, woran sich jemand verletzen könnte. Glastische, Metallkanten, scharfe Dekorationsobjekte — alles raus. In verändertem Zustand ist die Motorik beeinträchtigt und die Raumwahrnehmung verändert.
Treppen: Wenn der Raum über Treppen erreichbar ist, sichere sie ab. Idealerweise: kein Erdgeschoss. Wenn Treppen unvermeidbar sind, markiere sie deutlich und begleite Teilnehmer.
Fenster: Bodentiefe Fenster in oberen Stockwerken — Risikofaktor. Sichern oder Zugang blockieren, ohne Panikgefühl zu erzeugen.
Brandschutz: Rauchmelder funktionsfähig? Feuerlöscher erreichbar? Fluchtweg bekannt? Kerzen (wenn verwendet) auf feuerfesten Unterlagen, nie unbeaufsichtigt.
Weniger ist mehr
In verändertem Bewusstseinszustand wird jeder visuelle Reiz intensiviert. Ein Bücherregal wird zur Collage aus hundert Bedeutungen. Ein Gemälde wird lebendig. Ein chaotischer Schreibtisch wird zum Stressor.
Die Grundregel: Reduziere visuelle Komplexität. Leere Wände sind besser als überladene. Neutrale Farben sind besser als schrille. Ordnung ist besser als Chaos.
Das bedeutet nicht, dass der Raum steril sein muss. Es bedeutet, dass jedes Element im Raum bewusst gewählt sein sollte — und dass weniger Elemente fast immer mehr Ruhe bedeuten.
Die Raumgestaltung ist ein wesentlicher Teil des Settings. Die hier beschriebenen Maßnahmen dienen der Sicherheit und dem Wohlbefinden der Teilnehmer und ersetzen keine behördlichen Sicherheitsauflagen.
Forschungskontext
Forschung deutet darauf hin, dass die physische Umgebung einen signifikanten Einfluss auf die Qualität psychedelischer Erfahrungen hat.
Carhart-Harris et al., 2018 — Eine unterstützende Umgebung reduziert die Wahrscheinlichkeit herausfordernder Erfahrungen und erhöht gleichzeitig die Tiefe positiver Erlebnisse.
Übung
Übung — Raum-Audit:
Geh in einen Raum, den du gut kennst, und betrachte ihn mit „psychedelischen Augen". Stell dir vor, du wärst in einem veränderten Bewusstseinszustand. Was fällt dir auf? Was stört? Was beruhigt? Was könnte bedrohlich wirken?
Mach eine Liste mit Veränderungen, die du vornehmen würdest.