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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Du verstehst die spezifischen Anforderungen verschiedener Setting-Kontexte
  • Du kannst die Vor- und Nachteile von Indoor-, Outdoor- und privaten Settings abwägen
  • Du kannst das Setting an kulturelle und klimatische Bedingungen anpassen

Kein Setting ist neutral

Jeder Ort erzählt eine Geschichte. Ein Seminarraum in einem Tagungshotel sagt: „Hier wird gearbeitet." Ein Wohnzimmer sagt: „Hier wird gelebt." Ein Wald sagt: „Hier ist Natur." Ein Tempel sagt: „Hier ist etwas Heiliges."

Diese Geschichten beeinflussen die Erfahrung — ob du es willst oder nicht. Deine Aufgabe als Facilitator ist es, die Geschichte des Ortes bewusst wahrzunehmen und zu entscheiden, ob sie zur geplanten Arbeit passt.

Indoor-Retreat-Center

Das klassische Format. Ein Seminarhaus, ein Retreat-Center, eine Pension mit großem Gemeinschaftsraum.

Vorteile:

  • Kontrollierte Umgebung: Temperatur, Licht, Akustik, Privatsphäre
  • Infrastruktur vorhanden: Küche, Sanitär, Schlafräume
  • Klare Trennung vom Alltag — Teilnehmer sind „woanders"
  • Professioneller Rahmen, der Seriösität signalisiert

Herausforderungen:

  • Kann steril oder institutionell wirken — aktive Gestaltung nötig
  • Kosten: Gute Retreat-Center sind nicht billig
  • Abhängigkeit von der Einrichtung: Lärm von Nachbargruppen, Verwaltungsregeln
  • Naturkontakt oft begrenzt (es sei denn, das Center liegt in der Natur)

Empfehlung: Bester Einstieg für neue Facilitatoren. Die kontrollierte Umgebung reduziert Variablen und erlaubt dir, dich auf die Begleitung zu konzentrieren.

Outdoor- und Natur-Settings

Das Format: Im Wald, auf einer Wiese, an einem See, in den Bergen. Ganz oder teilweise unter freiem Himmel.

Vorteile:

  • Tiefe Naturverbundenheit — einer der am häufigsten genannten positiven Faktoren in Erfahrungsberichten
  • Sinnesvielfalt: Wind, Licht, Geräusche, Gerüche — alles lebendig und real
  • Erfahrung von Weite und Freiheit
  • Kein „Eingesperrtsein"-Gefühl

Herausforderungen:

  • Wetter: Regen, Kälte, Hitze, Wind — alles kann sich ändern, und in verändertem Zustand wird Wetterwechsel zum Erlebnis
  • Sicherheit: Unebener Boden, Insekten, Wildtiere, Wassernähe, Absturzgefahr
  • Privatsphäre: Wanderer, Spaziergänger, neugierige Nachbarn
  • Sanitär: Wo ist die Toilette? Wie weit? Wie sicher?
  • Notfall: Rettungsdienst-Zugang in abgelegenen Gebieten?

Empfehlung: Für erfahrene Facilitatoren mit guter Logistik. Immer mit Indoor-Backup (Zelt, Hütte, Auto) für den Fall, dass das Wetter umschlägt.

Private Wohnung / Haus

Das Format: Die Erfahrung findet in einer privaten Wohnung statt — der des Facilitators oder der des Teilnehmern.

Vorteile:

  • Intimität und Vertrautheit
  • Niedrige Kosten
  • Flexibilität bei der Gestaltung

Herausforderungen:

  • Grenzen: In der eigenen Wohnung ist die Trennung zwischen Privatperson und Facilitator schwieriger
  • Privatsphäre: Mitbewohner, Nachbarn, Lieferdienste
  • Professionalität: Kann weniger seriös wirken
  • Sicherheit: Möglicherweise nicht optimal ausgestattet

Empfehlung: Nur für Einzelsitzungen. Klare Grenzen setzen. Den Raum vorher umgestalten — er muss sich vom „normalen Wohnzimmer" unterscheiden. Nach der Session: Raum zurück in den Alltag überführen (de-ritualisieren).

Urbane vs. ländliche Settings

Urbane Settings:

  • Vorteil: Nähe zu medizinischer Versorgung, gute Erreichbarkeit
  • Nachteil: Lärm, Lichtsmog, mangelnde Privatsphäre, eingeschränkter Naturkontakt
  • Maßnahmen: Schallisolierung, Verdunklung, Indoor-Naturelemente (Pflanzen, Wasserklang)

Ländliche Settings:

  • Vorteil: Stille, Natur, Privatsphäre, Weite
  • Nachteil: Lange Anfahrtswege (auch für Rettungsdienst), eingeschränkte Infrastruktur
  • Maßnahmen: Vorab Krankenhausroute klären, Mobilfunkempfang prüfen, Notfall-Plan B

Klimatische Überlegungen

In verändertem Bewusstseinszustand ist die Temperaturregulation oft beeinträchtigt. Teilnehmer können frieren, obwohl der Raum warm ist — oder schwitzen bei moderater Temperatur.

Heiße Klimata:

  • Ausreichend Wasser — deutlich mehr als normal
  • Schatten und kühle Rückzugsorte
  • Leichte, atmungsaktive Kleidung empfehlen
  • Sessions eher in den kühleren Tageszeiten

Kalte Klimata:

  • Heizung, Decken, Wärmflaschen
  • Warme Getränke bereithalten
  • Raum vorheizen — mindestens eine Stunde vor Beginn
  • Warme Socken und Schichten-Kleidung empfehlen

Kultureller Kontext

Das Setting muss zur Kultur der Teilnehmer passen. Was in einem westeuropäischen Kontext als „schöner Raum" gilt, kann in einem anderen Kontext fremd oder sogar bedrohlich wirken.

Beispiele:

  • Bodennahe Settings (Matten, Kissen) sind in manchen Kulturen vertraut, in anderen ungewohnt
  • Religiöse Symbole — auch vermeintlich „universelle" wie Mandalas — haben kulturspezifische Bedeutungen
  • Musik: Indische Ragas sind nicht für jeden eine neutrale Klangkulisse
  • Schuhe ausziehen: In manchen Kulturen selbstverständlich, in anderen unüblich

Die Grundregel: Frag nach. Nimm nicht an, dass dein ästhetisches Empfinden universell ist. Was dir gefällt, muss nicht allen gefallen. Was für dich Sicherheit signalisiert, signalisiert für andere möglicherweise Fremdheit.

Die Setting-Wahl als bewusste Entscheidung

Die Wahl des Settings ist keine logistische Nebensache. Sie ist eine der ersten und wichtigsten Entscheidungen im Begleitprozess. Und sie sollte bewusst getroffen werden — basierend auf:

  1. Wer sind die Teilnehmer? (Erfahrungslevel, körperliche Voraussetzungen, kultureller Hintergrund)
  2. Was ist das Ziel der Erfahrung? (Tiefenarbeit, Naturverbindung, Gruppenarbeit)
  3. Welche Ressourcen stehen zur Verfügung? (Budget, Team, Infrastruktur)
  4. Was ist dein eigenes Erfahrungslevel als Facilitator? (Neue Settings erhöhen die Komplexität)

Es gibt kein perfektes Setting. Es gibt nur das richtige Setting für diese Menschen, zu diesem Zeitpunkt, mit diesen Ressourcen.

Die Wahl des Settings beeinflusst die Qualität der Begleitung. Sicherheitsaspekte haben immer Vorrang vor ästhetischen Überlegungen. Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Forschungskontext

Forschung deutet darauf hin, dass Naturkontakt während psychedelischer Erfahrungen die Verbundenheit mit der Natur langfristig steigert und positive Ergebnisse verstärken kann. Gleichzeitig zeigen Studien, dass kontrollierte Indoor-Umgebungen ein höheres Maß an physischer Sicherheit bieten — die Wahl des Settings ist daher immer eine Abwägung zwischen Potenzial und Risiko.

Kettner et al., 2019.

Übung

Übung — Setting-Analyse:

Wähle drei verschiedene Orte aus deiner Umgebung (z.B. dein Wohnzimmer, ein Park, ein Seminarraum) und erstelle für jeden eine kurze Setting-Analyse: Was spricht dafür? Was dagegen? Was müsste verändert werden?

Welche Zielgruppe wäre hier gut aufgehoben?