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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

Was du lernst

  • Du kannst einen detaillierten Tagesablauf für eine psychedelische Sitzung gestalten
  • Du verstehst die Unterschiede zwischen Einzel-, Gruppen- und mehrtägigen Retreat-Formaten
  • Du weißt, warum Pufferzeiten essenziell sind und wie du sie einplanst

Struktur gibt Freiheit

Retreat-Tagesablauf: Zeitbogen von der Morgenvorbereitung über die Zeremonie und Nachmittags-Integration bis zum Abend-Sharing und Nachtruhe

Es klingt paradox: Gerade weil die innere Erfahrung unvorhersehbar ist, braucht der äußere Rahmen klare Struktur. Ein definierter Tagesablauf ist kein Gefängnis — er ist ein Gerüst, das Sicherheit gibt.

Wenn Teilnehmer wissen, dass es einen Anfang gibt, eine Mitte und ein Ende — wenn sie wissen, dass jemand die Zeit im Blick hat — können sie sich dem hingeben, was kommt. Ohne diese äußere Struktur entsteht Orientierungslosigkeit, die in verändertem Zustand Angst auslösen kann.

Die drei Phasen einer Sitzung

Jede psychedelische Sitzung folgt einem natürlichen Dreierbogen:

1. Vorbereitung (Vor dem Sitzungstag)

  • Vorbereitungsgespräch (1–3 Wochen vorher)
  • Anreise und Orientierung (idealerweise am Vortag)
  • Letzte Screening-Gespräche
  • Gruppendynamik ermöglichen: gemeinsames Essen, Kennenlernen

2. Sitzungstag

  • Morgenroutine und Vorbereitung
  • Intentionsrunde
  • Die eigentliche Sitzung
  • Abendphase und Ausklingen

3. Integration (Nach dem Sitzungstag)

  • Integrationsrunde am Folgetag
  • Journaling und Reflexion
  • Abschied und Übergang in den Alltag

Der Sitzungstag — Minutenplan

Ein exemplarischer Ablauf für einen Gruppensitzungstag:

Zeit Phase Aktivität
07:00 Aufstehen Wecker, sanftes Licht, ruhige Musik
07:30 Körperarbeit Leichtes Yoga, Stretching, Spaziergang
08:00 Frühstück Leicht: Obst, Müsli, Tee. Kein Kaffee.
08:45 Letzte Vorbereitung Raum nochmals prüfen, Material bereitstellen
09:00 Intentionsrunde Kreis, jede Person teilt ihre Intention
09:30 Beginn der Sitzung Substanz-Einnahme, Augenmasken, Musik
09:30–15:00 Sitzungsphase Aktive Begleitung, Musik, Präsenz
15:00–17:00 Landephase Langsames Auftauchen, Licht erhöhen, leise Gespräche
17:00 Leichte Mahlzeit Suppe, Brot, Obst — einfach und nährend
18:00 Abendgestaltung Freies Journaling, leise Musik, Einzelgespräche
20:00 Gute-Nacht-Runde Kurzes Check-in: Wie geht es jedem?
21:00 Nachtruhe Stilles Haus, Facilitator in Bereitschaft

Wichtig: Dieser Plan ist ein Rahmen, keine Minute-für-Minute-Anweisung. Die Sitzungsphase richtet sich nach dem Verlauf der Erfahrung — nicht nach der Uhr.

Mehrtägige Retreat-Strukturen

3-Tage-Retreat (Klassiker)

  • Tag 1: Ankunft, Orientierung, Vorbereitung, Gruppenbindung
  • Tag 2: Sitzungstag
  • Tag 3: Integration, Journaling, Abschiedsrunde, Abreise (nachmittags)

Vorteil: Kompakt, machbar für Berufstätige. Nachteil: Wenig Zeit für Integration.

5-Tage-Retreat (Empfohlen)

  • Tag 1: Ankunft, Orientierung
  • Tag 2: Vertiefte Vorbereitung, Körperarbeit, Intentionsarbeit
  • Tag 3: Sitzungstag
  • Tag 4: Integrationsarbeit — Kreativarbeit, Journaling, Gruppengespräch
  • Tag 5: Abschlussrunde, Alltagsvorbereitung, Abreise

Vorteil: Ausreichend Zeit für Vorbereitung und Integration. Ideal für Erstmalige.

7-Tage-Retreat (Vertiefend)

  • Tag 1–2: Ankunft, Vorbereitung, Körperarbeit, Gruppenarbeit
  • Tag 3: Erste Sitzung (optional: moderate Erfahrung)
  • Tag 4: Integrationstag
  • Tag 5: Zweite Sitzung (vertiefend)
  • Tag 6: Intensive Integration
  • Tag 7: Abschluss und Übergang

Vorteil: Maximale Tiefe und Nachhaltigkeit. Nachteil: Hoher Zeitaufwand, hohe Kosten.

Die Bedeutung von Pufferzeit

Enge Zeitpläne sind gefährlich. Nicht physisch — aber psychologisch.

Wenn du keinen Puffer einplanst, gerätst du in Zeitdruck. Zeitdruck bedeutet Stress. Stress bedeutet: Dein Nervensystem ist aktiviert — und das überträgt sich auf den Raum.

Plane immer 30 Minuten Puffer zwischen Phasen ein. Die Intentionsrunde dauert länger als gedacht? Kein Problem. Das Frühstück zieht sich? Kein Problem. Ein Teilnehmer braucht vor Beginn noch ein Einzelgespräch? Kein Problem.

Pufferzeit ist kein Luxus. Sie ist professionelle Vorsorge.

Timing für den Tag danach

Der Tag nach der Sitzung ist genauso wichtig wie der Sitzungstag selbst. Die Teilnehmern sind emotional offen, verletzlich und verarbeitend. Ein abruptes Ende — „Frühstück um 8, Abreise um 10" — ist respektlos gegenüber dem Prozess.

Der Integrationstag braucht:

  • Ausschlafen (kein Wecker)
  • Ruhiges, nährendes Frühstück
  • Journaling-Zeit (mindestens 30 Minuten, idealerweise eine Stunde)
  • Integrationsrunde (90 Minuten, moderiert)
  • Zeit für Einzelgespräche
  • Sanfter Übergang in den Alltag (kein abrupter Abschied)

Die hier beschriebenen Zeitstrukturen dienen als Orientierungsrahmen für die Begleitung im Coaching-Kontext und ersetzen keine medizinische Behandlungsplanung.

Forschungskontext

Forschung deutet darauf hin, dass eine klare, aber flexible Zeitstruktur — mit definiertem Anfang und Ende — das Sicherheitserleben der Teilnehmer stärkt.

Griffiths et al., 2016 — Die Vorhersehbarkeit des äußeren Rahmens erlaubt es, sich der Unvorhersehbarkeit der inneren Erfahrung leichter zu überlassen.

Übung

Übung — Tagesablauf entwerfen:

Entwirf einen vollständigen Tagesablauf für ein 3-Tage-Retreat mit 6 Teilnehmern und 2 Facilitatoren. Tag 1: Ankunft und Vorbereitung. Tag 2: Sitzungstag. Tag 3: Integration und Abreise.

Gib jeder Phase eine konkrete Uhrzeit und einen Verantwortlichen.