
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
Was du lernst
Du verstehst die Geschichte, Pharmakologie und das Wirkprofil von LSD und seinen Derivaten Du kannst Dosierungsbereiche und ihre subjektiven Wirkungen differenziert einordnen Du kennst das Sicherheitsprofil von LSD und die gängigen LSD Derivate (1P-LSD, 1cP-LSD, ALD-52) Du kannst die Lysergamid-Familie im Kontext psychedelischer Begleitung erklären
LSD & LSD Derivate — Schwerpunktsubstanz
Die Entdeckung einer Substanzklasse
Die Geschichte von LSD beginnt 1938, als der Schweizer Chemiker Albert Hofmann bei Sandoz Laboratorien das Lysergsäurediethylamid (LSD-25) erstmals synthetisierte — ursprünglich auf der Suche nach einem Kreislaufstimulans. Erst fünf Jahre später, am 16. April 1943, entdeckte Hofmann zufällig die psychoaktive Wirkung, als er eine winzige Menge über die Haut aufnahm. Die legendäre Selbstversuchsfahrt mit dem Fahrrad am 19. April 1943 markiert die Geburtsstunde der modernen psychedelischen Forschung.
Lysergamid-Familie
LSD gehört zur Familie der Lysergamide — einer Klasse von Verbindungen, die strukturell von der Lysergsäure abgeleitet sind. Diese Substanzen teilen ein gemeinsames Grundgerüst, unterscheiden sich jedoch in ihren spezifischen Wirkprofilen und ihrer Pharmakokinetik. Die Lysergamid-Familie umfasst neben LSD-25 auch verschiedene Derivate, die in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben.
Wirkmechanismus
LSD entfaltet seine Wirkung primär als Agonist am Serotonin-5-HT2A-Rezeptor. Diese Bindung löst eine Kaskade neurobiologischer Prozesse aus: Die gewohnte Filterung sensorischer Informationen wird verändert, und Hirnareale, die normalerweise unabhängig arbeiten, beginnen verstärkt miteinander zu kommunizieren. Forschung deutet darauf hin, dass dieser Prozess mit einer vorübergehenden Reduktion der Aktivität im Default Mode Network (DMN) einhergeht — jenem Netzwerk, das mit unserem gewohnten Ich-Erleben verbunden ist.
Pharmakokinetik
- Onset (Wirkungseintritt): 30–90 Minuten nach oraler Einnahme
- Peak (Wirkungshöhepunkt): 2–5 Stunden
- Gesamtdauer: 8–12 Stunden
- Nacheffekte: Bis zu 24 Stunden mögliche subtile Veränderungen
Dosierungsbereiche & subjektive Wirkungen
Die Wirkung von LSD ist stark dosisabhängig. Hier eine Orientierung:
| Bereich | Dosis | Subjektives Erleben |
|---|---|---|
| Mikrodosis | 5–20 µg | Keine bewusste Veränderung der Wahrnehmung. Subtile Verbesserung von Stimmung, Fokus und Kreativität. Alltag ist vollständig möglich. |
| Niedrig | 25–75 µg | Leichte sensorische Verstärkung, erhöhte emotionale Empfindsamkeit, verstärkte Farb- und Musikwahrnehmung. Grundlegende Orientierung bleibt erhalten. |
| Mittel | 75–150 µg | Deutliche Wahrnehmungsveränderungen, visuelle Muster, tiefe emotionale Einsichten, verändertes Zeiterleben. Professionelle Begleitung empfohlen. |
| Hoch | 150–300 µg | Intensive visionäre Erfahrungen, mögliche Ego-Auflösung, tiefgreifende mystische Erlebnisse. Erfahrene Begleitung durch einen ausgebildeten Facilitator unerlässlich. |
Sicherheitsprofil
LSD besitzt ein bemerkenswert günstiges physiologisches Sicherheitsprofil. Die letale Dosis liegt beim Menschen um ein Vielfaches über jeder üblichen psychoaktiven Dosis — es sind keine bestätigten Todesfälle durch direkte LSD-Toxizität dokumentiert. Die primären Risiken sind psychologischer Natur und werden in einer späteren Lektion ausführlich behandelt.
LSD Derivate: 1P-LSD, 1cP-LSD & ALD-52
In den vergangenen Jahren haben verschiedene LSD Derivate an Bedeutung gewonnen:
1P-LSD (1-Propionyl-LSD): Ein Lysergamid mit einem Propionylrest an der Stickstoffposition. Das Wirkprofil wird von Anwendern als dem klassischen LSD sehr ähnlich beschrieben — vergleichbare Dauer, vergleichbare Intensität und vergleichbare qualitative Erfahrung.
1cP-LSD (1-Cyclopropionyl-LSD): Strukturell verwandt mit 1P-LSD, versehen mit einem Cyclopropionylrest. Auch hier berichten Anwender von einer Erfahrung, die der von LSD-25 sehr nahe kommt.
ALD-52 (1-Acetyl-LSD): Eines der ältesten bekannten LSD Derivate, bereits in den 1950er Jahren synthetisiert. Es wird als sanft im Onset und insgesamt als sehr ähnlich in der Erfahrung beschrieben.
Diese Derivate teilen den grundlegenden Lysergamid-Wirkmechanismus über den 5-HT2A-Rezeptor. Für dich als angehenden Facilitator ist wichtig: Die Kenntnis dieser Substanzen gehört zur Grundkompetenz, da Teilnehmer möglicherweise Erfahrungen mit verschiedenen Lysergamiden mitbringen.
Bedeutung für die Begleitung
Als Facilitator ist ein fundiertes Verständnis der Substanz, mit der du arbeitest, nicht optional — es ist Grundvoraussetzung. Dieses Wissen ermöglicht dir, Teilnehmer sachkundig über den zu erwartenden Erfahrungsverlauf zu informieren, angemessene Erwartungen zu setzen und in jeder Phase der Erfahrung kompetent zu begleiten.
Forschungskontext
Forschung deutet darauf hin, dass klassische Psychedelika wie LSD ein außergewöhnlich günstiges Sicherheitsprofil aufweisen. In einer vergleichenden Risikobewertung von 20 Substanzen rangierte LSD unter den am wenigsten schädlichen — sowohl für die konsumierende Person als auch für das Umfeld.
Nutt et al., 2010, The Lancet — Nichols, 2016, Pharmacological Reviews: LSD verursacht bei sachgemäßer Anwendung keine Organschäden und besitzt kein körperliches Abhängigkeitspotenzial.
Übung
Albert Hofmann beschrieb seine erste bewusste Erfahrung mit LSD am 19. April 1943 — heute als „Bicycle Day" bekannt — als eine der bedeutendsten Erfahrungen seines Lebens. Er betrachtete LSD zeitlebens als Werkzeug zur Bewusstseinserforschung.