
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
Was du lernst
Du verstehst die aktuelle Rechtslage in Deutschland bezüglich psychoaktiver Substanzen Du kannst die relevanten Gesetze (BtMG, AMG, NpSG) benennen und ihre Bedeutung für Facilitatoren erklären Du kennst die Grenzen dessen, was du als Facilitator legal tun kannst — und was nicht
Wichtiger Hinweis
Diese Lektion ist eine Bildungsinformation — keine Rechtsberatung. Die Rechtslage ist komplex, ändert sich häufig und hängt von vielen Einzelfaktoren ab. Für deine konkrete Situation konsultiere immer einen auf Betäubungsmittelrecht spezialisierten Anwalt.
Die folgenden Informationen geben den Stand der Diskussion wieder und dienen ausschließlich Bildungszwecken.
Die relevanten Gesetze
In Deutschland gibt es mehrere Gesetze, die für den Umgang mit psychoaktiven Substanzen relevant sind. Als Facilitator musst du sie zumindest grundlegend verstehen.
Betäubungsmittelgesetz (BtMG)
Das BtMG ist das zentrale Gesetz für den Umgang mit kontrollierten Substanzen in Deutschland. Es enthält drei Anlagen:
- Anlage I: Nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel (Handel und Verschreibung verboten) — hier finden sich u.a. LSD-25, Psilocybin, DMT, MDMA, Mescalin
- Anlage II: Verkehrsfähige, aber nicht verschreibungsfähige Betäubungsmittel
- Anlage III: Verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel
Strafbar ist nach dem BtMG unter anderem: Besitz, Erwerb, Herstellung, Handel und das Verschaffen einer Gelegenheit zum Konsum.
Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG)
Das NpSG wurde 2016 eingeführt, um sogenannte „Legal Highs" und Designersubstanzen zu regulieren. Es verbietet den Handel und das Inverkehrbringen, nicht aber den Besitz und Erwerb für den Eigenkonsum.
Arzneimittelgesetz (AMG)
Das AMG regelt den Umgang mit Arzneimitteln. Es ist relevant, weil psychoaktive Substanzen unter bestimmten Umständen als Arzneimittel eingestuft werden können — insbesondere wenn sie mit einem Heilversprechen in Verbindung gebracht werden.
Wichtig für Facilitatoren: Wenn du eine Substanz in einen Kontext stellst, der nach Heilbehandlung klingt, kann das AMG greifen. Das ist einer der Gründe, warum wir in diesem Kurs so konsequent vermeiden, von „Therapie" oder „Behandlung" zu sprechen.
LSD-Derivate — Eine besondere Geschichte
Die Geschichte der LSD-Derivate in Deutschland ist ein lehrreiches Beispiel dafür, wie sich die Rechtslage schnell ändern kann.
1V-LSD (Valerie)
1V-LSD war von Mitte 2021 bis zum 23. Juni 2024 in Deutschland nicht explizit reguliert. Es wurde als „Research Chemical" gehandelt und von vielen als legale Alternative zu LSD-25 verwendet. Am 23. Juni 2024 wurde es zusammen mit anderen LSD-Derivaten explizit in die Anlage I des BtMG aufgenommen.
1D-LSD
Auch 1D-LSD hatte eine Phase der Nicht-Regulierung und wurde anschließend in die BtMG-Anlagen aufgenommen.
Die Lektion daraus
Sich auf vermeintliche Gesetzeslücken zu verlassen, ist keine tragfähige Strategie. Die Regulierung passt sich an, und was heute nicht verboten ist, kann morgen unter das BtMG fallen.
Was Facilitatoren legal tun können — und was nicht
Was du tun kannst
- Bildungsarbeit: Über psychedelische Substanzen informieren, Workshops zur Harm Reduction geben, Kurse wie diesen anbieten
- Integrationsbegleitung: Menschen nach einer psychedelischen Erfahrung bei der Verarbeitung unterstützen (Coaching, kein therapeutischer Kontext)
- Vorbereitung: Menschen auf eine Erfahrung vorbereiten, die sie eigenverantwortlich machen
- Harm Reduction: Informationen bereitstellen, die den sichereren Umgang mit Substanzen fördern
Was du NICHT tun kannst
- Substanzen beschaffen, bereitstellen oder verabreichen — das ist strafbar nach BtMG
- Medizinische Empfehlungen geben — ohne Approbation oder Heilpraktikererlaubnis
- Heilversprechen machen — das kann unter das HWG (Heilmittelwerbegesetz) fallen
- Gelegenheit zum Konsum schaffen — auch das kann strafbar sein, wenn es als Beihilfe oder Verschaffung einer Gelegenheit gewertet wird
Grauzonen und ethische Navigation
Die Realität ist: Es gibt Grauzonen. Und in diesen Grauzonen musst du besonders klug, vorsichtig und ethisch handeln.
Die zentrale Frage
Wenn du unsicher bist, ob etwas legal ist, stelle dir diese Frage: „Würde ich das Gleiche tun, wenn ein Staatsanwalt zuschaut?" Wenn die Antwort nein ist, lass es.
Dokumentation
Dokumentiere deine Arbeit sorgfältig. Halte fest, was du tust und was du nicht tust. Mach deutlich, dass du keine Substanzen bereitstellst, keine medizinischen Ratschläge gibst und keine Therapie durchführst.
Rechtsberatung
Investiere in eine Erstberatung bei einem auf Betäubungsmittelrecht spezialisierten Anwalt. Die 200–400 Euro, die das kostet, können dich vor existenziellen Problemen bewahren.
Die Zukunft
Die rechtliche Landschaft verändert sich. International bewegt sich viel:
- In den USA haben mehrere Bundesstaaten Psilocybin entkriminalisiert oder reguliert
- Australien hat Psilocybin und MDMA als verschreibungspflichtige Substanzen zugelassen
- In der Schweiz gibt es erweiterte Ausnahmegenehmigungen für psychedelisch unterstützte Arbeit
- Kanada gewährt individuelle Ausnahmegenehmigungen
In Deutschland gibt es bisher keine vergleichbaren Entwicklungen, aber die Diskussion ist im Gang. Forschungsprojekte an deutschen Universitäten (z.B. Charité Berlin, Universitätsklinikum Mannheim) gewinnen an Bedeutung.
Was auch immer sich ändert: Die Grundprinzipien ethischer Begleitung bleiben gleich. Sicherheit, Kompetenz, Demut, Nicht-Direktivität — das sind keine rechtlichen Anforderungen, sondern moralische.
Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Forschungskontext
Forschung deutet darauf hin, dass regulatorische Rahmenbedingungen sich weltweit in einem rasanten Wandel befinden. Oregon (USA) hat 2023 als erstes Gebiet legale Psilocybin-Begleitung eingeführt, Australien reguliert seit 2023 Psilocybin und MDMA als verschreibungspflichtige Substanzen. Die Entwicklung in Deutschland steht noch am Anfang, aber die Diskussion gewinnt an Dynamik.
Übung
Recherche-Aufgabe:
Informiere dich über den aktuellen Stand der Cannabisregulierung in Deutschland (CanG). Welche Parallelen siehst du zur möglichen zukünftigen Regulierung psychedelischer Substanzen?
Notiere drei Beobachtungen und diskutiere sie in deiner Peergruppe.