
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
Was du lernst
Du kannst klar beschreiben, was ein Facilitator ist — und was nicht Du verstehst das Spektrum von Trip-Sitter bis Therapeut und weißt, wo du dich positionierst Du kannst das Paradox der Präsenz erklären: tiefe Anwesenheit ohne Mittelpunkt zu sein
Was ist ein Facilitator?
Das Wort kommt vom Lateinischen facilis — leicht machen. Ein Facilitator macht einen Prozess leichter. Nicht indem er den Prozess steuert, sondern indem er die Bedingungen schafft, unter denen der Prozess sich entfalten kann.
In der psychedelischen Begleitung bedeutet das: Du bist nicht der Hauptdarsteller. Du bist die Bühne, die Beleuchtung, der sichere Rahmen. Die eigentliche Arbeit passiert zwischen dem Menschen und seiner Erfahrung — zwischen dem Menschen und der Substanz, zwischen dem Menschen und sich selbst.
Was ein Facilitator NICHT ist
Lass uns zuerst klären, was du als Facilitator nicht bist. Das ist nicht weniger wichtig als zu wissen, was du bist.
Kein Therapeut
Du führst keine Psychotherapie durch. Du diagnostizierst nicht. Du behandelst nicht. Selbst wenn du eine therapeutische Ausbildung hast — in der Rolle des Facilitators bist du Begleiter, nicht Behandler.
Kein Heiler
Du heilst niemanden. Die Substanz heilt nicht. Heilung — wenn sie geschieht — kommt aus dem Menschen selbst. Du schaffst einen Raum, in dem sie möglich wird. Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Kein Guru
Du hast nicht die Antworten. Du bist nicht erleuchtet. Du bist nicht weiter als die Menschen, die du begleitest. Du hast lediglich eine Kompetenz entwickelt, Räume zu halten. Verwechsle das niemals mit spiritueller Überlegenheit.
Kein Arzt
Du gibst keine medizinischen Empfehlungen. Du verschreibst nichts. Du beurteilst keine Diagnosen. Bei medizinischen Fragen verweist du immer an Fachleute.
Kein Schamane
Sofern du nicht in einer indigenen Tradition aufgewachsen bist und von Ältesten ausgebildet wurdest, bist du kein Schamane. Diesen Titel zu verwenden wäre kulturelle Aneignung.
Was ein Facilitator IST
Ein Begleiter
Du gehst mit. Du bist da. Du bist präsent. Du folgst dem Prozess des anderen Menschen, ohne ihn zu steuern. Wie ein erfahrener Bergführer, der den Weg kennt, aber den Wanderer selbst gehen lässt.
Ein Raumhalter
Du schaffst und hältst den Container — den sicheren Rahmen, in dem intensive Erfahrungen stattfinden können. Das umfasst den physischen Raum (Temperatur, Licht, Sicherheit), den emotionalen Raum (Akzeptanz, Nicht-Wertung) und den energetischen Raum (deine eigene Zentriertheit).
Ein Zeuge
Manchmal ist das Wertvollste, was du tun kannst, einfach da zu sein. Einen Menschen zu sehen. Sein Erleben zu bezeugen, ohne es zu bewerten oder zu interpretieren. Die Kraft des gesehen Werdens ist enorm — und wird systematisch unterschätzt.
Ein Anker
Wenn der Sturm tobt, bist du der feste Punkt. Deine ruhige Präsenz, dein reguliertes Nervensystem, deine Gelassenheit — das alles sendet Signale der Sicherheit, die das Nervensystem des anderen Menschen empfangen kann, auch wenn der bewusste Verstand gerade offline ist.
Das Spektrum der Begleitung
Es gibt ein Spektrum psychedelischer Begleitung, und es ist wichtig, dass du weißt, wo du dich darauf positionierst:
Trip-Sitter
Die einfachste Form. Jemand, der nüchtern bleibt und sicherstellt, dass niemandem etwas Gefährliches passiert. Minimale Interaktion, maximale Sicherheit. Keine spezielle Ausbildung nötig, aber gesunder Menschenverstand.
Facilitator (hier trainieren wir)
Ausgebildeter Begleiter mit Verständnis für psychedelische Prozesse, ethischen Grundsätzen, Kriseninterventionsfähigkeiten und Integrationskompetenz. Arbeitet nicht therapeutisch, aber professionell.
Guide
Erfahrener Facilitator mit zusätzlicher Ausbildung in spezifischen Traditionen oder Methoden. Kann aktiver in den Prozess eingreifen, Ritualelemente einsetzen oder gezieltere Interventionen machen.
Therapeut
Approbierter Psychotherapeut mit Zusatzausbildung in psychedelisch unterstützter Psychotherapie. Kann klinisch arbeiten, diagnostizieren und behandeln. Erfordert ein Psychologiestudium oder vergleichbare Qualifikation.
Das Paradox der Präsenz
Hier liegt vielleicht die schwierigste Lektion der gesamten Ausbildung: Du musst gleichzeitig vollkommen präsent sein und vollkommen im Hintergrund.
Du bist nicht unsichtbar. Der Mensch, den du begleitest, spürt dich. Deine Aufmerksamkeit, deine Körperhaltung, deinen Atem. Wenn du innerlich abschweifst, merkt das Nervensystem des anderen das — oft, bevor der bewusste Verstand es registriert.
Gleichzeitig bist du nicht der Mittelpunkt. Die Erfahrung gehört dem anderen Menschen. Deine Aufgabe ist es nicht, interessant zu sein, kluge Dinge zu sagen oder beeindruckende Interventionen zu machen. Deine Aufgabe ist es, so stabil und sicher zu sein, dass der andere Mensch es wagt, sich fallen zu lassen.
Das ist kein Widerspruch — es ist ein Paradox. Und Paradoxe muss man nicht lösen. Man muss sie leben.
Historischer Kontext
Die Begleitung veränderter Bewusstseinszustände ist so alt wie die Menschheit selbst. In indigenen Traditionen gibt es seit Jahrtausenden spezialisierte Rollen für diese Aufgabe — vom Curandero in Südamerika über den Mazateken-Heiler in Mexiko bis zum Soma-Priester in vedischen Traditionen.
Was sich verändert hat, ist der Kontext. In der westlichen Welt gibt es keine ungebrochene Tradition der psychedelischen Begleitung. Wir müssen sie neu erfinden — respektvoll gegenüber den alten Traditionen, aber ehrlich über unsere eigene Position.
Die moderne Facilitator-Rolle entstand in den 1960er Jahren, als Forscher wie Stanislav Grof systematisch zu beschreiben begannen, was einen guten Begleiter ausmacht. Die Psychedelic Renaissance seit den 2000er Jahren hat diese Arbeit professionalisiert und neue Standards gesetzt.
Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Forschungskontext
Forschung deutet darauf hin, dass die therapeutische Beziehung — unabhängig von der spezifischen Technik — einer der stärksten Prädiktoren für positive Ergebnisse in psychedelisch unterstützten Settings ist.
Garcia-Romeu & Richards, 2018 — Die Qualität der Begleitung beeinflusst die Erfahrung mindestens ebenso stark wie die Substanz selbst.
Übung
Reflexionsübung:
Denke an eine Person in deinem Leben, bei der du dich wirklich sicher gefühlt hast. Was genau hat diese Person getan — oder nicht getan — damit du dich so fühlen konntest? Schreib mindestens drei konkrete Verhaltensweisen auf.
Du wirst feststellen: Die meisten davon sind Dinge, die mit Sein zu tun haben, nicht mit Tun.