
Psychedelische Integration
Der umfassende Integrationskurs für alle, die eine psychedelische Erfahrung verarbeiten und in ihr Leben einbetten möchten. Von Neurowissenschaft über Schattenarbeit bis hin zu Langzeit-Integration — 12 Module für nachhaltigen Wandel.
Was du lernst
Du hast konkrete Werkzeuge für den Umgang mit Angst, Trauer, Wut und Scham Du verstehst die „RAIN"-Methode als universelles Werkzeug Du erkennst, wann emotionale Verarbeitung professionelle Unterstützung braucht
Kein Weg drumherum — nur hindurch
Es gibt einen Satz, der in der Integration immer wieder auftaucht: „Der einzige Weg raus ist hindurch." Das klingt unbequem. Ist es auch. Aber es ist wahr.
Schwierige Emotionen verschwinden nicht, wenn du sie ignorierst. Sie verschwinden, wenn du sie durchlebst.
Die vier häufigsten schwierigen Emotionen in der Integration
Angst
Angst nach psychedelischen Erfahrungen kann verschiedene Formen annehmen:
- Existenzielle Angst — „Was bedeutet das alles?"
- Kontrollangst — „Was, wenn es wieder passiert?"
- Zukunftsangst — „Kann ich normal weiterleben?"
- Todesangst — besonders nach Ego-Tod-Erfahrungen
Was hilft: Erdung. Atem. Körperliche Präsenz. Die Erkenntnis, dass Angst ein Signal ist, kein Zustand. Sie kommt, sie erreicht einen Höhepunkt, sie geht.
Trauer
Trauer in der Integration kommt oft unerwartet:
- Trauer um verlorene Zeit — „Warum habe ich das nicht früher gewusst?"
- Trauer um verlorene Unschuld — „Ich kann nicht mehr so tun, als wüsste ich nichts"
- Trauer um verlorene Beziehungen — wenn dir klar wird, dass manche Verbindungen nicht mehr passen
- Trauer um das alte Selbst — die Person, die du vor der Erfahrung warst
Was hilft: Weinen zulassen. Nicht „stark sein." Trauer braucht Ausdruck — verbal, körperlich, kreativ. Und Trauer braucht Zeit. Dräng sie nicht.
Wut
Wut wird oft als „unangemessen" empfunden — besonders nach einer Erfahrung, die sich „spirituell" angefühlt hat. Aber Wut ist gesund und wichtig:
- Wut über vergangene Verletzungen, die plötzlich spürbar werden
- Wut über gesellschaftliche Normen, die sich falsch anfühlen
- Wut auf Menschen, die dich verletzt haben
- Wut auf dich selbst
Was hilft: Wut braucht Bewegung. Schlag auf ein Kissen. Lauf schnell. Schrei (im Auto, in ein Kissen, in der Natur). Schreib einen Brief, den du nie abschickst. Lass die Energie raus — ohne jemandem zu schaden.
Scham
Scham ist vielleicht die schwierigste Emotion in der Integration — weil sie sich versteckt:
- Scham über das, was du während der Erfahrung gefühlt oder getan hast
- Scham, dass du überhaupt eine psychedelische Erfahrung gemacht hast
- Scham über Bedürfnisse und Verletzlichkeiten, die sichtbar geworden sind
Was hilft: Scham lebt im Verborgenen. Sie verliert ihre Kraft, wenn du sie aussprichst. Wenn du jemandem vertraust — erzähl davon. Brené Brown nennt das „Shame Resilience": Die Fähigkeit, Scham zu erkennen, darüber zu sprechen und Empathie zu erfahren.
Die RAIN-Methode
RAIN ist ein universelles Werkzeug, das du auf jede schwierige Emotion anwenden kannst. Die Abkürzung steht für:
R — Recognize (Erkennen): Werde dir bewusst, was du fühlst. A — Allow (Erlauben): Lass die Emotion da sein, ohne sie zu bekämpfen. I — Investigate (Untersuchen): Erforsche mit Neugier, wo und wie du die Emotion im Körper spürst. N — Nurture (Nähren): Begegne dir selbst mit Mitgefühl und Fürsorge.
Die RAIN-Methode kombiniert Achtsamkeit mit Selbstmitgefühl — zwei Fähigkeiten, die für die Integration unverzichtbar sind. Nutze die detaillierte Anleitung in der Seitenbox.
Wann du professionelle Hilfe brauchst
Emotionale Verarbeitung ist gesund und wichtig. Aber es gibt Grenzen der Selbsthilfe:
- Wenn Emotionen so intensiv sind, dass du dich nicht mehr regulieren kannst
- Wenn du dich dauerhaft in einem Zustand von Angst oder Trauer befindest
- Wenn du anfängst, dich selbst zu verletzen
- Wenn Suizidgedanken auftreten
- Wenn die emotionale Belastung deinen Alltag über Wochen beeinträchtigt
In diesen Fällen: Suche professionelle Unterstützung. Telefonseelsorge: 0800 111 0 111. Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117.
Forschungskontext
Tara Brach popularisierte die RAIN-Methode (Recognize, Allow, Investigate, Nurture) als achtsamkeitsbasiertes Werkzeug für emotionale Verarbeitung.
Neff (2003) zeigte, dass Selbstmitgefühl — ein zentrales Element der Methode — signifikant mit psychischem Wohlbefinden korreliert und ein effektiverer Regulationsmechanismus ist als Selbstkritik.
Übung
RAIN-Übung (15 Minuten)
Wähle eine Emotion, die gerade präsent ist:
R — Recognize: Was fühlst du? Benenne es. A — Allow: Erlaube der Emotion, da zu sein. Sag innerlich: „Das darf hier sein." I — Investigate: Wo im Körper spürst du es? Wie fühlt es sich an (Druck, Enge, Hitze, Kälte)? Was braucht dieser Teil von dir? N — Nurture: Leg eine Hand auf die Stelle. Sprich sanft zu dir. „Ich sehe dich. Es ist okay."
Schreib danach 5 Minuten auf, was du erfahren hast.