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Psychedelische Integration — Erfahrungen verstehen, verarbeiten und nachhaltig in den Alltag integrieren.

Psychedelische Integration

Der umfassende Integrationskurs für alle, die eine psychedelische Erfahrung verarbeiten und in ihr Leben einbetten möchten. Von Neurowissenschaft über Schattenarbeit bis hin zu Langzeit-Integration — 12 Module für nachhaltigen Wandel.

Was du lernst

  • Du verstehst die Rolle von Narrativen für Identität und Wohlbefinden
  • Du erkennst die Geschichten, die du über dein Leben erzählst
  • Du kannst zwischen hilfreichen und einschränkenden Narrativen unterscheiden

Du bist eine Geschichte

Ob du es weißt oder nicht — du erzählst dir ständig eine Geschichte. Eine Geschichte über dich, über dein Leben, über die Welt. Diese Geschichte bestimmt, wie du dich fühlst, welche Entscheidungen du triffst und wie du die Zukunft siehst.

Narrative Integration bedeutet: Diese Geschichte bewusst zu gestalten.

Was sind Narrative?

Ein Narrativ ist nicht einfach eine Abfolge von Fakten. Es ist eine Interpretation — eine Art, Ereignisse zu verbinden, Bedeutung zuzuweisen und eine zusammenhängende Geschichte daraus zu machen.

Dieselben Fakten können völlig unterschiedliche Geschichten erzählen:

Fakt: „Ich habe mich von meinem Partner getrennt." Narrativ A: „Ich bin beziehungsunfähig. Es funktioniert nie." Narrativ B: „Ich habe gelernt, was ich brauche, und hatte den Mut, danach zu handeln."

Beide Geschichten basieren auf demselben Ereignis. Aber sie erzeugen völlig unterschiedliche Gefühle, Selbstbilder und Zukunftserwartungen.

Psychedelische Erfahrungen als Narrativ-Unterbrechung

Eine psychedelische Erfahrung ist oft ein Plot Twist — ein unerwarteter Wendepunkt, der die bisherige Geschichte infrage stellt.

Plötzlich passen Dinge nicht mehr zusammen:

  • „Ich dachte, ich bin ein rationaler Mensch — und dann habe ich mit dem Universum gesprochen"
  • „Ich dachte, ich habe meine Kindheit verarbeitet — und dann kam alles hoch"
  • „Ich dachte, mein Leben ist in Ordnung — und dann habe ich gesehen, was fehlt"

Integration bedeutet: Die alte Geschichte erweitern, umschreiben oder eine neue Geschichte beginnen — eine, die die Erfahrung einschließt.

Hilfreiche vs. einschränkende Narrative

Hilfreiche Narrative

  • Erlauben Wachstum und Veränderung
  • Schließen schwierige Erfahrungen als Teil der Reise ein
  • Geben dir Handlungsfähigkeit („Ich kann etwas verändern")
  • Sind offen für neue Kapitel

Einschränkende Narrative

  • Zementieren eine fixe Identität („Ich bin halt so")
  • Machen dich zum passiven Opfer der Umstände
  • Wiederholen sich zwanghaft ohne Entwicklung
  • Schließen bestimmte Möglichkeiten kategorisch aus

Typische einschränkende Narrative nach psychedelischen Erfahrungen

  • Das Erleuchtungs-Narrativ: „Ich habe die Wahrheit gesehen, und jetzt bin ich anders als alle anderen." → Kann zur Isolation führen.
  • Das Opfer-Narrativ: „Die Erfahrung hat mich kaputt gemacht. Ich werde nie wieder normal sein." → Verfestigt Hilflosigkeit.
  • Das Nostalgie-Narrativ: „Die Erfahrung war der Höhepunkt meines Lebens. Alles danach ist weniger." → Blockiert Gegenwart und Zukunft.
  • Das Geheimnis-Narrativ: „Ich kann niemandem erzählen, was ich erlebt habe." → Erzeugt Einsamkeit und Scham.

Erkennst du dich in einem dieser Narrative wieder? Wenn ja — gut. Erkennen ist der erste Schritt.

Von der alten zur neuen Geschichte

Du musst deine Geschichte nicht über Nacht umschreiben. Es reicht, sie zu erweitern:

  1. Anerkennen: „Das war meine Geschichte bis hierher."
  2. Ergänzen: „Und dann ist das passiert…"
  3. Umdeuten: „Ich dachte, es bedeutet X — aber vielleicht bedeutet es auch Y."
  4. Öffnen: „Ich weiß noch nicht, wie die Geschichte weitergeht. Und das ist okay."

Dein Leben ist keine fertige Geschichte. Es ist ein Buch, an dem du noch schreibst.

Forschungskontext

White & Epston (1990) legten mit der Narrativen Therapie den Grundstein für die Arbeit mit Lebenserzählungen.

McAdams (2001) zeigte, dass die Art, wie Menschen ihre Lebensgeschichte erzählen — als „Redemption Narrative" (von Leiden zu Wachstum) oder „Contamination Narrative" (von gut zu schlecht) — signifikant mit psychischem Wohlbefinden korreliert.

Übung

Übung: Deine Lebenserzählung in 7 Kapiteln

Teile dein bisheriges Leben in 7 „Kapitel" ein. Gib jedem Kapitel:

  • Einen Titel
  • Einen Satz, der den Kern beschreibt
  • Das vorherrschende Gefühl

Beispiel: Kapitel 3: „Das Erwachen" — In dieser Zeit habe ich begriffen, dass ich anders leben will. Gefühl: Aufbruch gemischt mit Angst.

Wo passt deine psychedelische Erfahrung in diese Kapitelstruktur? Ist sie ein Wendepunkt? Ein neues Kapitel? Eine Fußnote?