
Psychedelische Integration
Der umfassende Integrationskurs für alle, die eine psychedelische Erfahrung verarbeiten und in ihr Leben einbetten möchten. Von Neurowissenschaft über Schattenarbeit bis hin zu Langzeit-Integration — 12 Module für nachhaltigen Wandel.
Was du lernst
Du verstehst den bidirektionalen Zusammenhang zwischen Körper und Psyche Du kannst erklären, warum körperliche Symptome nach psychedelischen Erfahrungen auftreten können Du hast eine grundlegende Body-Scan-Praxis erlernt
Warum dein Körper mitzählt
In der westlichen Kultur gibt es eine hartnäckige Idee: Geist und Körper sind getrennt. Dein Gehirn denkt, dein Körper funktioniert, und die beiden haben wenig miteinander zu tun.
Die Neurowissenschaft erzählt eine andere Geschichte. Körper und Geist sind nicht nur verbunden — sie sind untrennbar. Dein Körper denkt mit. Dein Geist fühlt mit dem Körper. Und psychedelische Erfahrungen machen diese Verbindung oft auf dramatische Weise spürbar.
Körperliche Symptome nach psychedelischen Erfahrungen
Viele Menschen berichten über körperliche Veränderungen nach psychedelischen Erfahrungen. Das können sein:
- Energieverschiebungen — Gefühle von Leichtigkeit oder Schwere in bestimmten Körperbereichen
- Muskelspannung oder -entspannung — besonders im Nacken, Kiefer und Beckenbereich
- Veränderte Körperwahrnehmung — intensiveres Spüren oder vorübergehende Taubheit
- Emotionale Reaktionen mit körperlicher Komponente — Weinen, Zittern, tiefes Durchatmen
- Verändertes Hunger-, Schlaf- oder Sexualerleben
Diese Symptome sind normal und oft Teil des Integrationsprozesses. Dein Körper verarbeitet die Erfahrung auf seine eigene Weise.
Das autonome Nervensystem
Dein autonomes Nervensystem (ANS) regelt alles, was „automatisch" in deinem Körper passiert: Herzschlag, Atmung, Verdauung, Temperatur. Es hat drei Hauptzustände:
1. Ventral vagal — Sicherheit und Verbindung
Du fühlst dich sicher, offen, verbunden. Du kannst spielen, lachen, dich austauschen. Dein Gesicht ist entspannt, deine Stimme moduliert.
2. Sympathisch — Kampf oder Flucht
Du fühlst dich bedroht oder aktiviert. Dein Herz schlägt schneller, deine Muskeln spannen sich an. Du bist bereit, zu kämpfen oder wegzulaufen.
3. Dorsal vagal — Erstarrung und Rückzug
Du fühlst dich überwältigt, taub, abgeschaltet. Dein System fährt herunter, um dich zu schützen. Du fühlst dich „weg" oder „abwesend."
Psychedelische Erfahrungen können alle drei Zustände intensiv aktivieren. Und die Erinnerung daran kann auch nach der Erfahrung noch körperliche Reaktionen auslösen.
Der Körper erinnert sich
Ein wichtiges Konzept für die Integration: Dein Körper speichert Erfahrungen. Nicht als Worte oder Bilder, sondern als Empfindungen, Spannungsmuster und physiologische Zustände.
Das bedeutet: Manche Aspekte deiner psychedelischen Erfahrung sind möglicherweise mehr im Körper als im Kopf gespeichert. Du „weißt" etwas, kannst es aber nicht in Worte fassen. Du „fühlst" eine Veränderung, kannst sie aber nicht lokalisieren.
Somatische Integration — die Arbeit mit dem Körper — ist deswegen ein eigenständiger Strang in diesem Kurs (Modul 6). Der Body-Scan in der Übungsbox rechts ist dein erster Schritt auf diesem Weg.
Die Weisheit des Körpers
Dein Körper ist kein passives Gefäß. Er ist ein aktiver Teilnehmer in deinem Integrationsprozess. Er signalisiert dir:
- Wo Spannung sitzt — dort braucht etwas Aufmerksamkeit
- Wo Entspannung ist — dort bist du im Frieden
- Was sich stimmig anfühlt — dein Bauchgefühl ist ein echtes neurologisches Phänomen (das enterische Nervensystem hat über 100 Millionen Nervenzellen)
- Was sich falsch anfühlt — auch das ist Information
Lerne, deinem Körper zuzuhören. Nicht als Ersatz für deinen Verstand, sondern als gleichwertigen Partner.
Der Körper hält die Wahrheit bereit, die der Verstand noch nicht formulieren kann.
Forschungskontext
Die Polyvagaltheorie von Stephen Porges (2011) beschreibt, wie das autonome Nervensystem über den Vagusnerv Sicherheit, Gefahr und Lebensgefahr signalisiert. Diese Signale beeinflussen direkt unser emotionales Erleben, unser Sozialverhalten und unsere Fähigkeit zur Selbstregulation.
Psychedelische Erfahrungen können das autonome Nervensystem tiefgreifend beeinflussen.
Übung
Übung: 5-Minuten-Body-Scan
- Setz oder leg dich bequem hin. Schließ die Augen.
- Beginne bei deinen Füßen. Was spürst du? Wärme, Kälte, Kribbeln, Taubheit, nichts?
- Wandere langsam nach oben: Unterschenkel, Oberschenkel, Becken, Bauch, Brust, Schultern, Arme, Hände, Nacken, Gesicht, Kopf.
- Bei jeder Station: Beobachte, ohne zu bewerten. Atme hinein.
- Am Ende: Spüre deinen Körper als Ganzes. Was ist dein vorherrschendes Gefühl?
Wiederhole diese Übung täglich für die nächsten 7 Tage.