
Psychedelische Integration
Der umfassende Integrationskurs für alle, die eine psychedelische Erfahrung verarbeiten und in ihr Leben einbetten möchten. Von Neurowissenschaft über Schattenarbeit bis hin zu Langzeit-Integration — 12 Module für nachhaltigen Wandel.
Was du lernst
Du verstehst die Rolle des DMN für dein Selbstbild und deine Narrativ-Bildung Du erkennst, wie psychedelische Erfahrungen das DMN beeinflussen können Du hast eine Methode, um eingefahrene Denkmuster zu identifizieren
Der Erzähler in deinem Kopf
Du kennst ihn. Diese Stimme, die nie aufhört. Die kommentiert, bewertet, plant, sorgt sich, erinnert und urteilt — den ganzen Tag lang, jeden Tag.
Das ist dein Default Mode Network (DMN) bei der Arbeit. Und es erzählt dir eine Geschichte: die Geschichte von dir. Wer du bist, was du kannst, was du nicht kannst, was andere von dir denken, was morgen passieren wird.
Diese Geschichte ist nützlich. Sie gibt dir Orientierung, Identität, Kontinuität. Aber sie hat einen Nachteil: Sie wird selten hinterfragt.
Wie das DMN dein Selbstbild formt
Dein DMN ist kein einzelner Ort im Gehirn, sondern ein Netzwerk aus mehreren Regionen, die zusammenarbeiten. Es umfasst unter anderem:
- Medialer präfrontaler Kortex — Selbstreflexion, Selbstbewertung
- Posteriorer cingulärer Kortex — Autobiografisches Gedächtnis, Identität
- Lateraler temporaler Kortex — Soziale Kognition, Perspektivübernahme
Zusammen erschaffen diese Regionen das, was Psychologen das narrative Selbst nennen — die fortlaufende Geschichte, die du über dich erzählst.
Das DMN unter Psychedelika
Während einer psychedelischen Erfahrung wird die Aktivität des DMN deutlich reduziert. Was bedeutet das?
- Die gewohnte Selbst-Geschichte wird unterbrochen. Du erlebst dich möglicherweise ohne die gewohnten Filter und Bewertungen.
- Festgefahrene Überzeugungen werden locker. „Ich bin nicht gut genug", „Ich bin immer stark" — solche automatischen Narrativ-Schleifen können vorübergehend verstummen.
- Neue Perspektiven werden möglich. Ohne den ständigen Kommentar des DMN kannst du Dinge sehen, die sonst verborgen bleiben.
Was das für Integration bedeutet
Hier liegt eine der tiefgreifendsten Chancen der Integration: Du hast einen Moment erlebt, in dem die alte Geschichte pausiert hat. Vielleicht hast du etwas gesehen, das wahrer ist als die Geschichte, die du dir normalerweise erzählst.
Integration bedeutet jetzt: Welche Teile der alten Geschichte willst du behalten? Welche willst du umschreiben? Welche waren nie deine eigene?
Das ist keine leichte Arbeit. Dein DMN ist ein Gewohnheitstier. Es wird die alte Geschichte wieder aufnehmen — so sicher, wie die Sonne aufgeht. Aber du kannst es trainieren, neue Geschichten zu erzählen.
Eingefahrene Denkmuster erkennen
Bevor du Denkmuster verändern kannst, musst du sie erkennen. Hier sind die häufigsten:
Rumination — Das Gedankenkarussell
Du denkst immer wieder über dasselbe nach, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Wie ein Lied auf Repeat, das nie zum Ende kommt.
Katastrophisierung — Das Worst-Case-Denken
Dein Gehirn springt automatisch zum schlimmsten möglichen Ausgang. „Was, wenn es nie aufhört?" „Was, wenn ich durchdrehe?"
Selbstabwertung — Der innere Kritiker
Eine Stimme, die ständig bewertet und meistens negativ urteilt. „Das schaffst du nicht." „Andere können das besser."
Kontrollillusion — Der Planungszwang
Der Versuch, alles zu kontrollieren und zu planen. Integration als To-do-Liste statt als lebendiger Prozess.
Wie du mit deinem DMN arbeiten kannst
- Beobachte es. Die Journalübung rechts ist ein erster Schritt. Werde zum Beobachter deiner eigenen Gedanken.
- Benenne die Muster. „Ah, da ist wieder das Karussell." „Hallo, innerer Kritiker." Benennen schafft Distanz.
- Hinterfrage selektiv. Nicht jeder Gedanke muss hinterfragt werden. Aber die, die am lautesten sind, verdienen einen zweiten Blick.
- Erlaube Stille. Das DMN braucht keine Stimulation, um aktiv zu sein. Aber Stille kann ihm helfen, sich zu beruhigen.
In den nächsten Modulen wirst du konkrete Werkzeuge für diese Arbeit kennenlernen — von Emotional Processing über Teilearbeit bis zu Achtsamkeitspraktiken.
Forschungskontext
Palhano-Fontes et al. (2015) zeigten mittels fMRI, dass Ayahuasca die funktionelle Konnektivität innerhalb des DMN signifikant verändert.
Daws et al. (2022) berichteten, dass die Abnahme der DMN-Konnektivität unter Psilocybin mit der therapeutischen Wirkung bei Depression korrelierte — je stärker die Lockerung, desto besser das Ergebnis.
Übung
Journalübung: Dein innerer Monolog
Setz dich 10 Minuten still hin und beobachte deine Gedanken, ohne sie zu steuern. Schreib danach auf:
- Welche Themen kamen immer wieder? (z.B. Sorgen, Pläne, Erinnerungen)
- Gibt es einen „Hauptkanal" — ein Thema, das dominant ist?
- Wie fühlte sich das Beobachten an?
- Hat sich der innere Monolog seit deiner psychedelischen Erfahrung verändert?