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Psychedelische Integration — Erfahrungen verstehen, verarbeiten und nachhaltig in den Alltag integrieren.

Psychedelische Integration

Der umfassende Integrationskurs für alle, die eine psychedelische Erfahrung verarbeiten und in ihr Leben einbetten möchten. Von Neurowissenschaft über Schattenarbeit bis hin zu Langzeit-Integration — 12 Module für nachhaltigen Wandel.

Was du lernst

  • Du verstehst, warum der Körper eine eigenständige Informationsquelle für Integration ist
  • Du kennst die Grundprinzipien somatischer Arbeit
  • Du hast eine grundlegende Körperwahrnehmungs-Praxis erlernt

Jenseits der Worte

Körperweisheits-Landkarte: Silhouette mit markierten Bereichen, in denen Emotionen und Erinnerungen gespeichert werden — Bauch, Brust, Kehle, Schultern

Wir haben viel über Denken, Fühlen und Verstehen gesprochen. Dieses Modul geht einen Schritt weiter — oder genauer: einen Schritt tiefer. Hinein in den Körper.

Dein Körper weiß Dinge, die dein Verstand nicht weiß. Er speichert Erfahrungen als Empfindungen, Spannungsmuster und Bewegungsimpulse. Psychedelische Erfahrungen machen dieses Körperwissen oft dramatisch spürbar — aber es verschwindet wieder, wenn du nicht lernst, ihm zuzuhören.

Was ist somatische Arbeit?

„Somatisch" kommt vom griechischen „soma" — der lebendige Körper. Somatische Arbeit ist jede Praxis, die mit dem Körper als Informationsquelle und Veränderungsweg arbeitet.

Die drei Grundprinzipien:

1. Der Körper ist klug

Dein Körper reguliert sich selbst — Temperatur, Herzschlag, Verdauung, Immunabwehr. Er hat eine eigene Intelligenz, die nicht über den bewussten Verstand läuft. Diese Intelligenz kann auch für die Integration genutzt werden.

2. Empfindungen vor Interpretation

Somatische Arbeit beginnt immer bei der Empfindung, nicht bei der Interpretation. „Ich spüre Druck in der Brust" kommt vor „Ich habe Angst." Die Empfindung ist primär; die Interpretation ist sekundär.

3. Folge dem Körper, nicht dem Plan

Somatische Arbeit ist nicht linear. Du kannst nicht planen, was passiert, wenn du deinem Körper zuhörst. Vielleicht erwartest du Trauer und es kommt Wut. Vielleicht erwartest du Spannung und es kommt Entspannung. Folge dem, was kommt.

Typische somatische Phänomene in der Integration

Nach psychedelischen Erfahrungen berichten viele Menschen über körperliche Phänomene:

  • Spontanes Zittern oder Schütteln — dein Nervensystem entlädt gespeicherte Spannung
  • Emotionale Wellen, die körperlich beginnen — erst der Kloß im Hals, dann die Tränen
  • Verändertes Körperbewusstsein — den eigenen Körper intensiver oder anders spüren
  • Energieverschiebungen — Hitze, Kälte, Kribbeln an bestimmten Stellen
  • Körperliche Widerstände — Verspannung, wenn ein Thema aufkommt

Diese Phänomene sind nicht zufällig. Sie sind somatische Kommunikation — dein Körper teilt dir etwas mit. Die Frage ist: Hörst du zu?

Der Felt Sense — Dein Kompass

Eugene Gendlin entdeckte ein bemerkenswertes Phänomen: Es gibt eine Art Körperwissen, das noch nicht in Worte gefasst ist. Er nannte es den Felt Sense — ein diffuses, ganzheitliches Körpergefühl, das mehr Information enthält als jeder einzelne Gedanke.

Der Felt Sense ist wie eine Suppe, in der alle Zutaten eines Themas vermengt sind: Erinnerungen, Emotionen, Überzeugungen, Körperempfindungen. Du kannst nicht sofort jeden Bestandteil identifizieren — aber du spürst das Ganze.

Die Focusing-Methode lehrt dich, mit diesem Felt Sense zu arbeiten. Die Übung in der Seitenbox ist dein erster Schritt.

Warum somatische Arbeit für Integration unverzichtbar ist

Die meisten Integrationsmethoden arbeiten „von oben" — sie beginnen beim Denken, beim Verstehen, beim Einordnen. Das ist wichtig. Aber es ist nur die halbe Arbeit.

Manche Aspekte deiner psychedelischen Erfahrung lassen sich nicht denken. Sie müssen gespürt werden. Sie müssen durch den Körper verarbeitet werden. Und manche Veränderungen, die du dir wünschst, beginnen nicht im Kopf, sondern in der Art, wie du atmest, stehst, gehst und dich bewegst.

Dein Körper lügt nicht. Wenn du nicht weißt, was du fühlst — frag deinen Körper.

Forschungskontext

Eugene Gendlin (1978) entwickelte „Focusing" als Methode, um mit dem impliziten Körperwissen zu arbeiten. Er entdeckte, dass Klienten, die auf ihr körperliches Erleben achteten — den „Felt Sense" — bessere Therapieergebnisse erzielten als jene, die nur kognitiv arbeiteten.

Peter Levine (1997) erweiterte dies mit Somatic Experiencing für die Traumaarbeit.

Übung

Übung: Felt Sense finden

  1. Setz dich bequem hin. Schließ die Augen.
  2. Richte deine Aufmerksamkeit in den Bereich zwischen Hals und Becken.
  3. Frage dich: „Wie fühlt es sich gerade an, ich zu sein?"
  4. Warte. Lass eine körperliche Empfindung auftauchen — vielleicht Druck, Weite, Schwere, Leichtigkeit, Enge…
  5. Bleib bei dieser Empfindung. Beschreibe sie genauer: Welche Form? Welche Farbe? Welche Textur?
  6. Frage die Empfindung: „Was bist du?"
  7. Schreib auf, was du erfahren hast.

Dauer: 10–15 Minuten.