
Psychedelische Integration
Der umfassende Integrationskurs für alle, die eine psychedelische Erfahrung verarbeiten und in ihr Leben einbetten möchten. Von Neurowissenschaft über Schattenarbeit bis hin zu Langzeit-Integration — 12 Module für nachhaltigen Wandel.
Was du lernst
Du erkennst die Anzeichen von Überaktivierung bei dir selbst Du hast drei sofort anwendbare Techniken, um dich zu regulieren Du verstehst den Unterschied zwischen gesunder Aktivierung und Überaktivierung
Die Überflutung erkennen
Überaktivierung ist das, was passiert, wenn dein Nervensystem auf „Alarm" schaltet. Es ist ein Schutzmechanismus — dein Körper bereitet sich auf Kampf oder Flucht vor. In einer realen Gefahrensituation ist das lebensrettend. Im Alltag — besonders während der Integration — ist es hinderlich.
Typische Auslöser nach psychedelischen Erfahrungen
- Flashback-artige Erinnerungen an intensive Momente der Erfahrung
- Sensorische Trigger — Musik, Gerüche, Lichtverhältnisse, die an die Erfahrung erinnern
- Existenzielle Gedanken, die plötzlich auftauchen und überwältigend wirken
- Kontrollverlust-Angst — die Sorge, dass „es wieder passiert" oder dass du „den Verstand verlierst"
- Soziale Situationen, die plötzlich intensiver wirken als vor der Erfahrung
Was in deinem Körper passiert
Wenn du überaktiviert bist, dominiert dein sympathisches Nervensystem. Das bedeutet:
- Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet
- Dein Herzschlag beschleunigt sich
- Deine Muskeln spannen sich an (besonders Kiefer, Schultern, Hände)
- Dein Atem wird flach und schnell
- Dein präfrontaler Kortex — zuständig für rationales Denken — wird teilweise „offline" geschaltet
Du kannst also nicht „wegdenken", was du fühlst. Der Weg zurück führt über den Körper.
Drei Regulationstechniken
1. Verlängertes Ausatmen (Vagus-Aktivierung)
Die einfachste und effektivste Technik: Atme länger aus als ein.
- Einatmen: 4 Sekunden
- Ausatmen: 6–8 Sekunden
- Wiederhole 5–10 Atemzüge
Warum das funktioniert: Das verlängerte Ausatmen aktiviert den Vagusnerv, der dein parasympathisches Nervensystem anregt — das System für Ruhe und Regeneration.
2. Bilateraler Druck (Schmetterlings-Umarmung)
Kreuze deine Arme vor der Brust, sodass jede Hand auf der gegenüberliegenden Schulter liegt. Klopfe abwechselnd links und rechts — langsam, rhythmisch.
Warum das funktioniert: Bilaterale Stimulation fördert die Verarbeitung zwischen beiden Gehirnhälften und hat einen beruhigenden Effekt auf das Nervensystem. Die Technik stammt aus der EMDR-Forschung.
3. Kaltes Wasser (Taucher-Reflex)
Halte deine Hände unter kaltes Wasser oder lege dir einen kalten, nassen Lappen auf Gesicht und Nacken.
Warum das funktioniert: Kaltes Wasser aktiviert den „Taucher-Reflex" — einen angeborenen Mechanismus, der den Herzschlag verlangsamt und das parasympathische System aktiviert.
Die 5-4-3-2-1-Methode
Wenn du gerade nicht atmen oder dich bewegen kannst — zum Beispiel in einer sozialen Situation — nutze die sensorische Erdungsübung in der Seitenbox. Sie bringt deine Aufmerksamkeit weg von der inneren Überflutung und zurück in die konkrete Gegenwart.
Überaktivierung vs. gesundes Fühlen
Nicht jede Intensität ist Überaktivierung. Es ist normal und gesund, starke Emotionen zu fühlen. Der Unterschied:
| Gesundes Fühlen | Überaktivierung |
|---|---|
| Du spürst die Emotion | Du wirst von der Emotion überrollt |
| Du kannst noch denken | Dein Denken wird fragmentiert |
| Du hast ein Gefühl von Kontrolle | Du fühlst Kontrollverlust |
| Die Intensität lässt nach | Die Intensität eskaliert |
| Du kannst die Emotion benennen | Du weißt nicht mehr, was du fühlst |
Integration bedeutet nicht, keine starken Emotionen zu fühlen. Es bedeutet, bei ihnen bleiben zu können, ohne davon fortgerissen zu werden.
Wenn die Überaktivierung nicht nachlässt
Wenn du trotz dieser Techniken regelmäßig in Zustände starker Überaktivierung gerätst, die sich nicht selbst regulieren — besonders wenn sie dich im Alltag einschränken — suche bitte professionelle Unterstützung. Chronische Überaktivierung kann ein Hinweis auf ein Trauma sein, das professionelle Begleitung braucht.
Forschungskontext
Van der Kolk (2014) beschrieb ausführlich, wie Überaktivierung das rationale Denken beeinträchtigt — der präfrontale Kortex wird durch das limbische System „überstimmt."
Porges (2011) ergänzte, dass die Wahrnehmung von Sicherheit der Schlüssel zur Regulation ist — nicht Willenskraft.
Übung
Notfall-Technik: Die 5-4-3-2-1-Methode
Wenn du dich gerade überaktiviert fühlst, hilft diese sensorische Erdungsübung:
Benenne:
- 5 Dinge, die du siehst
- 4 Dinge, die du berührst/fühlst
- 3 Dinge, die du hörst
- 2 Dinge, die du riechst
- 1 Ding, das du schmeckst
Diese Übung bringt dich zurück ins Hier und Jetzt.