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Umfassende Vorbereitung für psychedelische Bewusstseinserweiterungen.

Psychedelische Vorbereitung

Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.

Was du lernst

  • Du kennst fünf verschiedene Journaling-Methoden und weißt, wann du welche einsetzt
  • Du hast eine tägliche Journaling-Routine, die du vor und nach deinem Retreat nutzen kannst
  • Du verstehst, warum Schreiben ein Werkzeug für emotionale Verarbeitung ist — nicht nur ein Tagebuch

Warum Schreiben?

Du hast in diesem Modul Meditation kennengelernt, mit Angst gearbeitet, dein emotionales Vokabular erweitert und Hingabe geübt. Jetzt kommt das Werkzeug, das alle diese Fäden zusammenhält: Journaling.

Schreiben ist nicht „Tagebuch führen" im Sinne von „Liebes Tagebuch, heute war schön." Journaling ist ein Spiegel. Es zeigt dir, was in dir arbeitet — oft Dinge, von denen du nicht wusstest, dass sie da sind.

Warum funktioniert das?

  • Gedanken werden greifbar. Was im Kopf kreist, bleibt vage. Auf Papier wird es konkret.
  • Muster werden sichtbar. Wenn du zwei Wochen lang schreibst, erkennst du Themen, die immer wiederkehren.
  • Emotionen werden verarbeitet. Forschung deutet darauf hin, dass das Aufschreiben emotionaler Erfahrungen die emotionale Intensität reduziert — nicht weil das Gefühl verschwindet, sondern weil es einen Platz bekommt.
  • Einsichten werden bewahrt. Psychedelische Erfahrungen erzeugen oft tiefe Erkenntnisse, die sich innerhalb von Tagen verflüchtigen. Wer sie aufschreibt, kann sie behalten.

Fünf Journaling-Methoden für deine Vorbereitung

1. Free Writing (Stream of Consciousness)

Was: Setz dich hin. Timer auf 15 Minuten. Schreib, ohne abzusetzen. Was kommt, kommt.

Wie: Kein Thema, kein Plan, keine Struktur. Wenn dir nichts einfällt, schreib „mir fällt nichts ein, mir fällt nichts ein" — bis der Stift sich wieder bewegt. Die einzige Regel: Der Stift hebt nicht ab.

Wann: Morgens, direkt nach dem Aufstehen. Bevor der Verstand das Programm des Tages startet. Das sind die ehrlichsten Seiten.

Wozu gut: Free Writing umgeht den inneren Zensor. Es bringt Gedanken an die Oberfläche, die du im Alltag nicht beachtest. Muster, Sorgen, Sehnsüchte — alles, was unter der bewussten Oberfläche schwimmt.

2. Intentionsarbeit

Was: Du schreibst über deine Intention für das Retreat — nicht als fertigen Satz, sondern als Erkundung.

Wie: Starte mit einer dieser Fragen und lass sie sich auf dem Papier entfalten:

  • „Was will ich wirklich verstehen über mich?"
  • „Welche Frage trage ich seit Langem mit mir?"
  • „Wenn ich nach dem Retreat eines anders machen könnte — was wäre es?"
  • „Was halte ich fest, obwohl es mir nicht mehr dient?"

Schreib 15–20 Minuten. Lass die Antworten kommen, ohne sie zu bewerten.

Wann: In den Wochen vor dem Retreat, mindestens 3 Mal.

Wozu gut: Intentionen reifen. Sie verändern sich, wenn du sie auf Papier erkundest. Die erste Intention ist selten die tiefste. Schreiben hilft dir, von der Oberfläche zur eigentlichen Frage zu kommen.

3. Angst-Inventar

Was: Du schreibst alles auf, wovor du Angst hast — bezogen auf das Retreat, auf die psychedelische Erfahrung, auf dich selbst.

Wie: Teile die Seite in zwei Spalten:

Was macht mir Angst? Was würde ich mir stattdessen wünschen?
Kontrollverlust Die Fähigkeit, loszulassen, ohne mich zu verlieren
Dass etwas Schmerzhaftes hochkommt Dass ich es fühlen und trotzdem okay sein kann
Dass ich nichts erlebe Vertrauen, dass die Erfahrung kommt, wenn sie bereit ist

Wann: Einmal in der Vorbereitungsphase. Und nochmal in der Woche vor dem Retreat.

Wozu gut: Angst, die benannt ist, verliert einen Teil ihrer Macht. Diese Übung ist kein „Angst-weg-machen", sondern ein „Angst-kennenlernen". Und alles, was du kennst, kann dich weniger überraschen.

4. Dankbarkeits- und Wahrnehmungsjournal

Was: Du schreibst jeden Abend drei Dinge auf, die du an diesem Tag wahrgenommen hast — wirklich wahrgenommen, nicht nur erlebt.

Wie: Keine Listen wie „Gesundheit, Familie, Dach über dem Kopf". Sondern konkret und sinnlich:

  • „Der Geruch von Regen auf warmem Asphalt heute Nachmittag"
  • „Wie mein Freund gelacht hat, als ich die Geschichte erzählt habe"
  • „Die 30 Sekunden Stille, bevor der Meeting-Call begann"

Wann: Abends, vor dem Schlafen. 5 Minuten reichen.

Wozu gut: Diese Übung trainiert deine Wahrnehmung. Sie schärft genau die Fähigkeit, die du während einer psychedelischen Erfahrung am meisten brauchst: Da sein. Bemerken. Ohne zu bewerten.

5. Brief an dein zukünftiges Selbst

Was: Du schreibst einen Brief an die Person, die du nach dem Retreat sein wirst.

Wie: Erzähle dir selbst, wo du gerade stehst. Was dich bewegt. Was du dir wünschst. Was du befürchtest. Und was du dem „Ich nach dem Retreat" mitgeben möchtest.

Kein Ratschlag, keine Predigt. Einfach ein ehrlicher Brief von dir — an dich.

Wann: Am Abend vor dem Retreat. Und: nach dem Retreat den Brief lesen.

Wozu gut: Dieser Brief wird nach dem Retreat zu einem der wertvollsten Dokumente. Er zeigt dir, wo du standest — und wie weit du gekommen bist. Oder er zeigt dir, dass die Fragen, die du hattest, immer noch da sind — und dass das auch in Ordnung ist.

Dein Journaling-Fahrplan für die Vorbereitung

Hier ist ein konkreter Plan für die Wochen vor deinem Retreat:

Woche 1–2: Tägliches Free Writing (15 Min morgens). Schreib, was kommt. Kein Filter.

Woche 3: Intentionsarbeit (3 Sitzungen à 20 Min). Erforsche deine Intention. Lass sie reifen.

Woche 4: Angst-Inventar (1 Sitzung) + Dankbarkeitsjournal (täglich abends, 5 Min).

Abend vor dem Retreat: Brief an dein zukünftiges Selbst.

Während des Retreats: Kurze Notizen zwischen den Sessions — Stichwörter, Bilder, Fragmente. Nicht interpretieren, nur festhalten.

Nach dem Retreat: Free Writing (täglich, 15–20 Min). Intentionsarbeit revisited. Brief lesen.

Der innere Kritiker beim Schreiben

Der häufigste Grund, warum Menschen aufhören zu journaln: „Das, was ich schreibe, ist blöd / banal / peinlich / langweilig."

Das ist dein innerer Kritiker. Und er hat beim Journaling Sendepause.

Journaling ist kein Aufsatz. Es gibt keine Note. Niemand liest es. Es muss nicht klug sein, nicht tief, nicht literarisch.

Es muss nur ehrlich sein.

Und ehrlich heißt manchmal: „Ich sitze hier und weiß nicht, was ich schreiben soll, und das nervt mich." Das ist ein perfekter Anfang.

Dein Stift ist dein Verbündeter. Benutz ihn.

Hinweis: Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Forschungskontext

Eine Pionierstudie zeigte, dass expressives Schreiben — 15–20 Minuten über emotionale Erfahrungen — messbare Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit hat. Neuere Forschung deutet darauf hin, dass das Verschriftlichen von Erfahrungen die Aktivität der Amygdala reduziert und die präfrontale Verarbeitung fördert. In psychedelischen Kontexten kann Journaling helfen, flüchtige Einsichten festzuhalten, bevor sie verblassen.

Pennebaker & Beall, 1986; Lieberman et al., 2007

Übung

Dein Journaling-Starter-Kit

Du brauchst nicht viel:

  • Ein Notizbuch, das sich gut anfühlt (physisch, nicht digital — das Schreiben per Hand aktiviert andere Hirnregionen)
  • Einen Stift, der angenehm schreibt
  • Einen festen Zeitpunkt: morgens nach dem Aufstehen oder abends vor dem Schlafen
  • 15 Minuten ungestörte Zeit

Regel Nr. 1: Nicht denken, sondern schreiben. Die Hand bewegt sich. Der innere Kritiker hat Pause.

Regel Nr. 2: Es gibt kein „falsch". Keine Grammatik, keine Struktur, kein Publikum. Nur du und das Papier.