
Psychedelische Vorbereitung
Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.
Was du lernst
Du verstehst Hingabe als aktive Praxis — nicht als passives Aufgeben Du hast konkrete Vertrauensübungen, die du vor deinem Retreat praktizieren kannst
„Lass einfach los" — Der nutzloseste Ratschlag der Welt
Wenn dir jemand vor einer psychedelischen Erfahrung sagt: „Lass einfach los" — dann ist das ungefähr so hilfreich wie „Sei einfach nicht nervös" vor einer Prüfung.
Loslassen ist kein Schalter, den man umlegt. Es ist eine Fähigkeit, die geübt werden will. Und es ist wahrscheinlich die schwierigste Übung in diesem gesamten Kurs.
Warum? Weil Kontrolle unser stärkstes Sicherheitssystem ist. Dein Gehirn ist darauf programmiert, die Umgebung zu kontrollieren, vorherzusagen, zu planen. Das hält dich am Leben. Das hat dich durch die Schule gebracht, durch schwierige Beziehungen, durch den Beruf.
Und genau dieses System sollst du jetzt loslassen?
Ja. Teilweise. Vorübergehend. In einer sicheren Umgebung. Und mit Vorbereitung.
Was Hingabe wirklich bedeutet
Hingabe ist nicht passiv. Hingabe ist nicht Aufgeben. Hingabe ist nicht Kontrollverlust.
Hingabe ist eine aktive Entscheidung, dem Prozess zu vertrauen — auch wenn du nicht weißt, wohin er führt.
Stell dir vor, du liegst in einem Fluss. Du kannst zwei Dinge tun:
- Gegen die Strömung schwimmen. Das kostet enorm viel Energie, du kommst trotzdem nicht vorwärts, und du bist am Ende erschöpft.
- Dich der Strömung anvertrauen. Du hörst nicht auf zu schwimmen — aber du schwimmst mit, nicht gegen. Du navigierst, statt zu kämpfen.
Das ist Hingabe. Nicht aufhören zu schwimmen. Sondern aufhören, gegen den Fluss zu kämpfen.
Der Kontrollimpuls — Dein ältester Verbündeter
Dein Bedürfnis nach Kontrolle ist nichts Schlechtes. Es ist ein Überlebensmechanismus, der dich durch dein ganzes Leben begleitet hat.
Aber in einer psychedelischen Erfahrung wird dieser Mechanismus zum Hindernis. Denn die Erfahrung folgt keinem Plan. Du kannst nicht bestimmen, welche Emotionen auftauchen. Du kannst nicht kontrollieren, welche Erinnerungen kommen. Du kannst nicht steuern, wie intensiv es wird.
Das heißt nicht, dass du machtlos bist. Du hast Werkzeuge:
- Deinen Atem
- Deine Aufmerksamkeit
- Deine Fähigkeit, Hilfe zu bitten
- Dein Vertrauen in die Begleitung
Aber du hast keine Fernbedienung für die Erfahrung. Und der Versuch, eine zu benutzen, erzeugt den meisten Widerstand und das meiste Leid.
„Letting Go" vs. „Letting Be"
Ein wichtiger Unterschied, den die meisten Menschen nicht machen:
Letting Go (Loslassen): Etwas aktiv freigeben. Den Griff lösen. Die Kontrolle abgeben.
Letting Be (Sein lassen): Nichts tun. Nicht festhalten, aber auch nicht wegstoßen. Einfach erlauben, dass es da ist.
In der Praxis ist „Letting Be" oft leichter als „Letting Go". Loslassen klingt nach einer Aktion — und unser Kopf fragt sofort: „Wie mache ich das?" Sein lassen ist subtiler: Du hörst einfach auf, dagegen anzukämpfen.
Wenn während deines Retreats ein schwieriges Gefühl auftaucht, versuch nicht, es loszulassen. Versuch stattdessen, es sein zu lassen. „Das ist hier. Das darf hier sein. Ich muss nichts damit machen."
Vertrauen ist eine Praxis, kein Gefühl
Wir reden oft über Vertrauen, als wäre es ein Gefühl, das man entweder hat oder nicht. „Ich vertraue dem Prozess" oder „Ich kann nicht vertrauen."
Aber Vertrauen funktioniert eher wie ein Muskel. Du trainierst es durch Handlungen — nicht durch Gedanken.
Jedes Mal, wenn du etwas tust, obwohl du unsicher bist, trainierst du Vertrauen. Jedes Mal, wenn du Kontrolle abgibst und merkst, dass nichts Schlimmes passiert, wird der Vertrauensmuskel stärker.
Deshalb ist es wichtig, Vertrauen vor deinem Retreat zu üben. In kleinen, sicheren Dosen.
Vertrauen in das Limitless-Team
Ein Teil von Hingabe ist Vertrauen in die Menschen, die dich begleiten. Bei Limitless arbeiten erfahrene Facilitator, die speziell für die Begleitung psychedelischer Erfahrungen ausgebildet sind.
Das bedeutet konkret:
- Sie haben Erfahrung mit den Situationen, die du möglicherweise durchlebst
- Sie sind geschult, auch in schwierigen Momenten ruhig und präsent zu bleiben
- Sie greifen nicht ein, solange du es nicht brauchst — und sie erkennen, wann du es brauchst
- Sie sind da, auch wenn du nichts sagst
Du musst ihnen nicht sofort vertrauen. Vertrauen wächst. Aber du darfst wissen: Du bist nicht allein in dieser Erfahrung. Es sind Menschen da, deren einzige Aufgabe es ist, einen sicheren Raum für dich zu halten.
Die Paradoxie der Vorbereitung
Hier ist das Seltsame an diesem Kurs: Du bereitest dich darauf vor, die Vorbereitung loszulassen.
Du lernst Techniken, um in dem Moment, in dem du sie brauchst, nicht an Techniken zu denken. Du baust Wissen auf, um im entscheidenden Moment nicht im Kopf zu sein.
Das klingt widersprüchlich. Aber es funktioniert wie bei einem Musiker: Du übst Tonleitern hunderte Male, damit du auf der Bühne vergessen kannst, dass es Tonleitern gibt. Du übst die Technik, damit sie zur zweiten Natur wird — und du frei bist.
Vorbereitung gibt dir die Freiheit, loszulassen.
Und wenn es soweit ist — im Retreat, auf deiner Matte, mit geschlossenen Augen — dann erinnere dich an drei Worte:
Vertrauen. Atmen. Bleiben.
Hinweis: Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Forschungskontext
In der psychedelischen Forschung wird „surrender" als einer der wichtigsten Prädiktoren für die Erfahrungsqualität beschrieben. Forschung zeigt, dass die Fähigkeit zum Loslassen — gemessen als „psychological flexibility" — stärker mit positiven Ergebnissen korrelierte als die Dosis der Substanz. Hingabe ist keine Schwäche. Sie ist eine trainierbare Fähigkeit.
Russ et al., 2019
Übung
Übung: Vertrauen im Alltag (Diese Woche)
Wähle 2–3 dieser Übungen und probiere sie aus:
- Kalte Dusche (30 Sek): Am Ende deiner Dusche dreh auf kalt. Bleib 30 Sekunden. Beobachte deinen Impuls, rauszuspringen — und bleib. Atme.
- Augen schließen beim Gehen: Lass dich von jemandem 2 Minuten mit geschlossenen Augen durch einen Raum führen. Bemerke den Kontrollimpuls.
- Schweigen: Verbring eine Stunde komplett in Stille. Kein Handy, keine Musik, kein Gespräch. Bemerke, was auftaucht.
- Bitte um Hilfe: Bitte diese Woche eine Person um Hilfe bei etwas, das du normalerweise allein machen würdest.
Notiere im Journal: Was war schwierig? Wo war der Kontrollimpuls am stärksten? Was passiert, wenn du trotzdem bleibst?