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Umfassende Vorbereitung für psychedelische Bewusstseinserweiterungen.

Psychedelische Vorbereitung

Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.

Was du lernst

  • Du kannst die RAIN-Technik auf Angst vor deinem Retreat anwenden
  • Du verstehst Angst als Information — nicht als Feind

Angst ist kein Zeichen von Schwäche

Wenn du vor deinem Retreat Angst hast — gut. Das ist kein Problem. Es ist ein Zeichen dafür, dass du verstehst, dass du dich auf etwas Bedeutsames einlässt.

Die meisten Menschen, die an unseren Retreats teilnehmen, haben vorher Angst. Manche ein bisschen, manche viel. Manche sprechen darüber, manche nicht. Aber fast alle spüren sie.

Das ist keine Schwäche. Das ist Intelligenz. Dein Nervensystem sagt dir: „Achtung, hier kommt etwas Unbekanntes." Und es hat recht.

Die häufigsten Ängste

In unserer Arbeit begegnen uns diese Ängste immer wieder. Vielleicht erkennst du dich in einer oder mehreren:

Angst vor Kontrollverlust

„Was, wenn ich die Kontrolle verliere?" — Diese Angst ist besonders stark bei Menschen, die im Alltag viel Kontrolle brauchen (und oft auch haben). Die ehrliche Antwort: Ja, du wirst ein Stück Kontrolle abgeben. Das ist Teil der Erfahrung. Aber „Kontrollverlust" ist nicht dasselbe wie „Auslieferung". Du bist in einer sicheren Umgebung, mit erfahrenen Begleitern, und du kannst jederzeit kommunizieren.

Angst vor dem „Bad Trip"

„Was, wenn es schrecklich wird?" — Der Begriff „Bad Trip" ist irreführend. Es gibt schwierige Momente, ja. Aber in einem professionell begleiteten Setting ist „schwierig" nicht dasselbe wie „gefährlich". Schwierige Erfahrungen können die bedeutsamsten sein — wenn du die Werkzeuge hast, mit ihnen umzugehen. Und genau dafür bereitest du dich gerade vor.

Angst vor schmerzhaften Wahrheiten

„Was, wenn ich etwas sehe, das ich nicht sehen will?" — Diese Angst ist oft am tiefsten. Und am ehrlichsten. Ja, psychedelische Erfahrungen können Dinge an die Oberfläche bringen, die du verdrängt hast. Erinnerungen. Gefühle. Erkenntnisse über dich selbst oder deine Beziehungen. Das kann weh tun. Aber: Diese Dinge sind schon da. Du siehst sie nur normalerweise nicht. Sie loszulassen beginnt damit, sie zu sehen.

Angst, verrückt zu werden

„Was, wenn ich nicht mehr zurückkomme?" — In einem professionell begleiteten Setting mit angemessenem Screening ist das extrem unwahrscheinlich. Die Erfahrung hat einen klaren Anfang und ein klares Ende. Das LSD Derivat wird abgebaut, die Wirkung lässt nach. Du kommst zurück. Millionen von Menschen haben psychedelische Erfahrungen gemacht und sind danach ganz normal weitergegangen — oft mit mehr Klarheit als vorher.

Angst als Information

Hier ist eine Perspektive, die dein Verhältnis zu Angst verändern kann:

Angst ist keine Bedrohung. Angst ist Information.

Wenn du Angst vor Kontrollverlust hast, sagt dir das etwas über dein Verhältnis zu Kontrolle. Wenn du Angst vor schmerzhaften Wahrheiten hast, sagt dir das, dass es Wahrheiten gibt, die gehört werden wollen. Wenn du Angst vor Nähe hast, sagt dir das etwas über deine Beziehungsmuster.

Angst zeigt dir, wo die Arbeit ist. Nicht wo die Gefahr ist — wo die Möglichkeit liegt.

Das bedeutet nicht, dass du jede Angst ignorieren sollst. Manche Ängste sind berechtigt und schützend. Aber die meisten Ängste vor einem Retreat sind keine Warnungen vor realer Gefahr — sie sind Hinweise auf Bereiche, die Aufmerksamkeit verdienen.

Die RAIN-Technik für Angst

RAIN wurde von der Meditationslehrerin Tara Brach entwickelt und ist eines der wirksamsten Werkzeuge für den Umgang mit schwierigen Emotionen. Es steht für:

R — Recognize (Erkennen)

Benenne, was da ist. Nicht interpretieren, nicht analysieren — einfach benennen.

„Ich spüre Angst." „Da ist ein Engegefühl in der Brust." „Mein Gedanke ist: Was, wenn es schiefgeht?"

Das Benennen allein hat eine messbare Wirkung. Forschung von Lieberman et al. (2007) zeigt: Wenn wir Emotionen benennen — „affect labeling" — reduziert sich die Aktivität der Amygdala, des Angstzentrums im Gehirn. Worte schaffen Abstand.

A — Allow (Zulassen)

Erlaube der Angst, da zu sein. Nicht wegschieben. Nicht dagegen ankämpfen. Innerlich sagen: „Das darf hier sein."

Das ist kontraintuitiv. Unser Instinkt sagt: Angst = weglaufen. Aber Angst, die wir zulassen, verändert sich. Angst, gegen die wir kämpfen, wird stärker.

Zulassen heißt nicht gut finden. Es heißt: Ich höre auf, dagegen zu kämpfen.

I — Investigate (Erforschen)

Werde neugierig. Geh in die Angst hinein, statt vor ihr wegzulaufen.

  • Wo im Körper spürst du sie? Brust? Bauch? Kehle?
  • Hat sie eine Form? Eine Farbe? Eine Temperatur?
  • Was sagt sie? Welche Geschichte erzählt sie?
  • Wie alt fühlt sich diese Angst an? Ist sie neu — oder sehr alt?

Neugierde und Angst können nicht gleichzeitig denselben Raum einnehmen. Wenn du wirklich neugierig wirst, verändert sich die Qualität der Angst.

N — Nurture (Nähren)

Begegne dir selbst mit Freundlichkeit. Leg eine Hand auf dein Herz oder deinen Bauch. Sprich innerlich zu dir, wie du zu einem guten Freund sprechen würdest:

„Ich sehe deine Angst. Das ist schwer. Du bist nicht allein damit."

Das klingt vielleicht ungewohnt. Vielleicht sogar kitschig. Aber Selbstmitgefühl ist kein Luxus — es ist ein Werkzeug, das neurobiologisch die Stressreaktion reduziert und das Sicherheitsgefühl stärkt (Gilbert, 2009).

Widerstand ist Angst in Verkleidung

Manchmal zeigt sich Angst nicht als Angst. Sondern als Widerstand:

  • „Ich habe gerade keine Zeit für die Übungen."
  • „Eigentlich brauche ich diesen Kurs gar nicht."
  • „Das ist doch alles esoterischer Quatsch."
  • „Ich mach das morgen."

Wenn du solche Gedanken bemerkst — sei freundlich mit dir, aber auch ehrlich: Das ist oft Angst, die sich als Rationalität tarnt. Und auch das ist in Ordnung. Bemerke es. Benenne es. Und mach trotzdem weiter.

Angst wird nicht verschwinden — und das ist okay

Das Ziel ist nicht Angstfreiheit. Das Ziel ist ein neues Verhältnis zur Angst. Eins, in dem du sagen kannst:

„Ich habe Angst. Und ich gehe trotzdem. Nicht obwohl ich Angst habe — sondern weil ich gelernt habe, mit ihr zu sein."

Das ist Mut. Nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Bereitschaft, trotz Angst weiterzugehen.

Hinweis: Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn du unter einer Angststörung leidest, sprich vor deinem Retreat mit einer Ärztin oder einem Psychotherapeuten.

Forschungskontext

Angst vor psychedelischen Erfahrungen ist nicht nur normal — Forschung deutet darauf hin, dass ein gewisses Maß an respektvoller Vorsicht sogar ein Schutzfaktor sein kann. Teilnehmer, die ihre Angst vorher bewusst erkundet haben, berichten seltener von überwältigenden Erfahrungen. Angstfreiheit ist kein Ziel. Angstbewusstsein schon.

Russ et al., 2019

Übung

Journalübung: Brief an deine Angst (20 Min)

Schreib einen Brief an deine Angst. Nicht über sie — an sie. Beispiel:

„Liebe Angst, ich weiß, dass du da bist. Ich weiß, dass du mich schützen willst. Ich möchte dir sagen, was ich von dir gelernt habe … und was ich trotzdem tun werde …"

Schreib 1–2 Seiten. Lass es fließen. Zensiere nichts.

Danach lies den Brief laut vor — ja, laut. Bemerke, was sich im Körper verändert.