
Psychedelische Vorbereitung
Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.
Was du lernst
Du weißt, welche Ernährungsanpassungen in den Wochen vor dem Retreat sinnvoll sind Du verstehst die Rolle von Schlaf und Bewegung für die körperliche Vorbereitung Du hast einen realistischen Zeitrahmen für deine physische Vorbereitung
Dein Körper ist kein Zuschauer
Psychedelische Erfahrungen werden oft als mentale oder spirituelle Erlebnisse beschrieben. Aber dein Körper ist mittendrin. Er ist nicht nur der Ort, an dem die Erfahrung stattfindet — er ist ein aktiver Teilnehmer.
Unter dem Einfluss eines LSD Derivats kann dein Körper Dinge spüren, die du im Alltag nicht wahrnimmst: Spannungen, die du seit Jahren trägst. Energie, die sich bewegt. Emotionen, die als körperliche Empfindungen auftauchen — Enge in der Brust, Kribbeln in den Händen, Wärme im Bauch.
Je besser dein Körper vorbereitet ist, desto leichter kann er sich auf diesen Prozess einlassen. Nicht weil du durchtrainiert sein musst, sondern weil ein Körper, der sich grundlegend wohl fühlt, weniger Störsignale sendet.
Ernährung — Kein Dogma, sondern Achtsamkeit
Lass uns eines klarstellen: Du brauchst keine spezielle Diät für ein Retreat. Kein Fasten. Kein Detox. Keine Superfoods. Die meisten „psychedelischen Diäten", die im Internet kursieren, haben keine wissenschaftliche Grundlage.
Was aber Sinn ergibt, ist bewusstere Ernährung in den Wochen vor dem Retreat. Nicht als Askese, sondern als Achtsamkeitspraxis.
Was du reduzieren kannst
- Alkohol: In den letzten 1–2 Wochen vor dem Retreat möglichst keinen Alkohol. Alkohol stört den Schlaf, dehydriert und belastet die Leber — die auch an der Verstoffwechselung des LSD Derivats beteiligt ist.
- Stark verarbeitete Lebensmittel: Fast Food, Fertiggerichte, stark gezuckerte Snacks. Nicht weil sie „giftig" sind, sondern weil sie deinen Körper anders belasten als frische Nahrung.
- Koffein: Du musst Kaffee nicht komplett streichen. Aber reduziere die Menge in der letzten Woche — besonders wenn du viel trinkst. Koffeinentzug kann Kopfschmerzen verursachen, die du nicht in die Erfahrung mitnehmen willst.
- Schwere Mahlzeiten am Tag selbst: Am Tag der Erfahrung ist eine leichte Mahlzeit 3–4 Stunden vorher empfehlenswert. Ein voller Magen kann Übelkeit verstärken.
Was du beibehalten oder hinzufügen kannst
- Viel Wasser. Hydration ist grundlegend.
- Frisches Gemüse und Obst. Nichts Exotisches — einfach das, was du magst.
- Proteinreiche Mahlzeiten. Dein Körper braucht Bausteine.
- Warme, einfache Mahlzeiten. Suppen, Eintöpfe, Reis mit Gemüse — Dinge, die leicht verdaulich sind und satt machen.
Was du NICHT tun musst
- Fasten (es sei denn, das Retreat-Team empfiehlt es aus spezifischen Gründen)
- Auf bestimmte Lebensmittelgruppen verzichten, die du normalerweise gut verträgst
- Eine „perfekte" Ernährung haben — Stress über Essen ist kontraproduktiver als ein Stück Schokolade
Der Punkt ist nicht Perfektion. Der Punkt ist Achtsamkeit. Spür hin, was dir guttut. Iss bewusst. Das ist die Vorbereitung.
Schlaf — Die unterschätzte Grundlage
Schlaf ist der wahrscheinlich wichtigste physische Vorbereitungsfaktor. Ein ausgeruhter Körper und ein ausgeruhtes Gehirn können sich leichter auf intensive Erfahrungen einlassen. Ein übermüdeter Körper ist anfälliger für Angst, Reizbarkeit und Überforderung.
Schlafhygiene in den Wochen vor dem Retreat
- Regelmäßigkeit: Geh zur gleichen Zeit ins Bett und steh zur gleichen Zeit auf — auch am Wochenende. Dein Körper liebt Rhythmus.
- Die letzte Stunde: Kein Bildschirm in der letzten Stunde vor dem Schlafen. Kein Social Media im Bett. Lies ein Buch. Mach Dehnübungen. Hör ruhige Musik.
- Koffein: Kein Koffein nach 14 Uhr. Dein Körper braucht 6–8 Stunden, um Koffein vollständig abzubauen.
- Alkohol: Alkohol macht müde, aber er zerstört die Schlafarchitektur. Du schläfst ein, aber du schläfst schlecht.
- Dunkelheit: Mach dein Schlafzimmer dunkel. Wirklich dunkel. Blackout-Vorhänge oder eine Schlafmaske.
- Temperatur: Kühl ist besser als warm. 16–18°C ist ideal für die meisten Menschen.
Die letzte Nacht vor dem Retreat
Es ist völlig normal, dass du in der Nacht vor dem Retreat schlechter schläfst. Aufregung, Vorfreude, vielleicht Nervosität — das alles wirkt sich auf den Schlaf aus.
Das ist okay. Eine Nacht mit weniger Schlaf ist kein Problem. Dein Körper hat Reserven. Wichtig ist, dass du in den Wochen davor einen stabilen Schlafrhythmus hattest.
Wenn du große Schwierigkeiten mit dem Schlafen hast, vermeide die Versuchung, Schlafmittel zu nehmen. Sprich stattdessen mit deinem Coach darüber. Es gibt sanfte Alternativen — warme Milch, Baldrian-Tee, progressive Muskelentspannung.
Bewegung — Nicht Training, sondern Verbindung
Du musst für ein Retreat nicht fit sein wie ein Marathonläufer. Aber moderate Bewegung in den Wochen davor hat mehrere Vorteile:
- Stressabbau: Bewegung reguliert Cortisol, das Stresshormon.
- Körperbewusstsein: Regelmäßige Bewegung macht dich aufmerksamer für körperliche Signale — eine Fähigkeit, die während der Erfahrung wertvoll ist.
- Schlafqualität: Moderate Bewegung verbessert den Schlaf messbar.
- Emotionale Regulation: Bewegung hilft, aufgestaute Emotionen zu bewegen — buchstäblich.
Empfehlungen
- Spazierengehen: 20–30 Minuten täglich. Am besten in der Natur. Keine Kopfhörer, kein Podcast — einfach gehen und wahrnehmen.
- Dehnen oder Yoga: 15–20 Minuten täglich. Sanft, nicht ehrgeizig. Es geht nicht um Leistung, sondern um Verbindung zum Körper.
- Schwimmen: Wenn du Zugang hast — Wasser ist ein wunderbares Medium für Körperbewusstsein.
- Tanzen: Klingt vielleicht ungewöhnlich, aber freies Tanzen — allein, zu Musik, die du liebst — ist eine der besten Vorbereitungen auf eine psychedelische Erfahrung. Es trainiert das Loslassen, das Sich-Bewegen-Lassen, das Vertrauen in den Körper.
Was du vermeiden solltest
- Intensive Trainingseinheiten am Tag vorher. Muskelkater und Erschöpfung sind keine guten Begleiter.
- Neue Sportarten starten. Bleib bei dem, was du kennst. Jetzt ist nicht die Zeit für Crossfit-Anfängerkurse.
- Übertraining. Wenn dein Körper Ruhe braucht, gib ihm Ruhe. Vorbereitung heißt auch: aufhören können.
Der Zeitrahmen
Zusammenfassend — ein realistischer Zeitrahmen für die körperliche Vorbereitung:
4 Wochen vorher:
- Alkohol reduzieren
- Schlafrhythmus stabilisieren
- Tägliche Bewegung einführen oder beibehalten
2 Wochen vorher:
- Ernährung bewusster gestalten
- Koffein reduzieren
- Bildschirmzeit vor dem Schlafen eliminieren
1 Woche vorher:
- Kein Alkohol
- Sanfte Bewegung statt intensives Training
- Leichte, nahrhafte Mahlzeiten
Am Tag selbst:
- Leichte Mahlzeit 3–4 Stunden vor der Erfahrung
- Viel Wasser
- Keine intensive körperliche Aktivität
Dieser Rahmen ist eine Empfehlung, kein Befehl. Dein Körper, dein Rhythmus. Hör auf das, was dir dein Körper sagt — das ist die eigentliche Übung.
Forschungskontext
Psilocybin-Studien an der Johns Hopkins University betonten die Bedeutung körperlicher Vorbereitung für die Qualität der Erfahrung. Teilnehmer, die in den Wochen vor der Sitzung auf Schlafhygiene, Ernährung und moderate Bewegung achteten, berichteten weniger körperliches Unbehagen und konnten sich leichter auf den inneren Prozess einlassen.
Johnson et al., 2008; Griffiths et al., 2011
Übung
Übung: Dein 2-Wochen-Körperplan (15 Min)
Erstelle einen realistischen Plan für die letzten 2 Wochen vor dem Retreat:
Ernährung:
- Was wirst du reduzieren? (z.B. Alkohol, stark verarbeitete Lebensmittel)
- Was wirst du beibehalten oder hinzufügen? (z.B. frisches Gemüse, mehr Wasser)
- Was musst du NICHT ändern? (Erlaube dir, realistisch zu sein)
Schlaf:
- Wann gehst du ins Bett? (Ziel: gleiche Zeit, ±30 Min)
- Was tust du in der letzten Stunde vor dem Schlafen?
- Was eliminierst du? (Bildschirme? Koffein nach 14 Uhr?)
Bewegung:
- Was machst du bereits? (Das beibehalten)
- Was könntest du hinzufügen? (20 Min Spaziergang? Dehnen?)
Häng den Plan an den Kühlschrank. Nicht als Druck, sondern als Erinnerung.