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Umfassende Vorbereitung für psychedelische Bewusstseinserweiterungen.

Psychedelische Vorbereitung

Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.

Was du lernst

  • Du kannst einen Body Scan durchführen und deine Körperempfindungen differenziert wahrnehmen
  • Du verstehst die Verbindung zwischen Körperempfindungen und Emotionen
  • Du hast Werkzeuge, um Spannung im Körper bewusst wahrzunehmen und mit ihr zu arbeiten

Dein Körper spricht — hörst du zu?

Körperkarte mit typischen Spannungsgebieten: Kiefer, Schultern, unterer Rücken, Bauch und Beckenboden

Dein Körper ist kein stummer Passagier. Er ist ein lebendiges Archiv — voller Informationen, Erinnerungen, Spannungen und Weisheit. Im Alltag hören die meisten von uns nicht zu. Wir leben vom Hals aufwärts, gefangen in Gedanken, Plänen und Bildschirmen.

Während einer psychedelischen Erfahrung ändert sich das radikal. Der Körper meldet sich — manchmal leise, manchmal überwältigend. Wärme strömt durch die Brust. Ein Kloß sitzt im Hals. Die Hände kribbeln. Der Magen dreht sich. Diese Empfindungen sind keine Nebenwirkungen. Sie sind Teil der Erfahrung.

In dieser Lektion lernst du, deinem Körper zuzuhören — bevor du im Retreat bist. Das ist keine esoterische Praxis. Es ist eine Fähigkeit, die du trainieren kannst wie einen Muskel.

Die Verbindung zwischen Körper und Emotion

Bessel van der Kolk — einer der führenden Forscher auf dem Gebiet von Trauma und Körpergedächtnis — hat es auf den Punkt gebracht: „Der Körper behält die Zählung.“ (Im Original: „The Body Keeps the Score.“)

Was er damit meint: Emotionale Erfahrungen — besonders intensive oder unverarbeitete — werden nicht nur im Gehirn gespeichert. Sie werden im Körper gespeichert. In der Spannung deines Kiefers. In der Enge deiner Schultern. In dem Knoten in deinem Magen, der auftaucht, wenn du an eine bestimmte Person denkst.

Du kennst das aus dem Alltag:

  • Angst fühlt sich oft an wie Enge in der Brust oder ein schneller Herzschlag
  • Trauer kann sich als Schwere im ganzen Körper zeigen oder als Druck hinter den Augen
  • Wut zeigt sich häufig als Hitze, Anspannung in den Fäusten, Druck im Kiefer
  • Freude fühlt sich an wie Weite, Leichtigkeit, Wärme
  • Scham kann sich als Zusammenziehen anfühlen, als würdest du kleiner werden

Diese Verbindungen sind nicht metaphorisch. Sie sind neurobiologisch real. Dein autonomes Nervensystem — der Teil deines Nervensystems, der automatisch arbeitet — verbindet emotionale Zustände mit körperlichen Reaktionen. Jede Emotion hat eine körperliche Signatur.

Warum das für dein Retreat wichtig ist

Unter dem Einfluss eines LSD Derivats wird diese Körper-Emotions-Verbindung intensiviert. Du spürst nicht nur die Emotion — du spürst sie im Körper, manchmal an Stellen, die du nicht erwartet hast.

Forschung deutet darauf hin, dass psychedelische Substanzen den Zugang zu gespeicherten körperlichen Mustern erleichtern. Teilnehmer berichten häufig von:

  • Plötzlicher Wärme oder Kälte in bestimmten Körperregionen
  • Unwillkürlichem Zittern oder Zuckungen — der Körper löst Spannung
  • Emotionen, die als körperliche Wellen kommen — ein Schluchzen, das aus dem Bauch aufsteigt, ohne dass ein bewusster Gedanke vorausgeht
  • Veränderten Körpergrenzen — das Gefühl, größer oder kleiner zu sein, sich aufzulösen oder fester zu werden
  • Schmerz oder Druck an Stellen, die im Alltag unauffällig sind

Wenn du vorher gelernt hast, deinen Körper bewusst wahrzunehmen, kannst du diese Empfindungen einordnen. Du weißt: „Ah, da passiert etwas. Mein Körper verarbeitet." Statt in Panik zu geraten, kannst du neugierig bleiben.

Wenn du nicht gelernt hast hinzuspüren, können dieselben Empfindungen beängstigend sein: „Was stimmt nicht mit mir? Warum tut mein Bauch weh? Bekomme ich einen Herzinfarkt?" (Nein, bekommst du nicht. Aber dein Kopf kann dich davon überzeugen, wenn du nicht weißt, was dein Körper tut.)

Der Body Scan — Grundtechnik des Körperbewusstseins

Der Body Scan ist die einfachste und wirksamste Technik, um Körperbewusstsein zu entwickeln. Er dauert 10–15 Minuten und kann überall durchgeführt werden.

So funktioniert er:

  1. Leg dich hin oder setz dich bequem. Schließ die Augen.
  2. Beginne bei den Füßen. Richte deine Aufmerksamkeit auf deine Füße. Was spürst du? Wärme? Kälte? Kribbeln? Druck? Oder — nichts?
  3. Wandere langsam nach oben. Unterschenkel, Knie, Oberschenkel, Becken, unterer Rücken, Bauch, Brustkorb, Schultern, Arme, Hände, Nacken, Gesicht, Kopf.
  4. Halte bei jedem Bereich 30–60 Sekunden inne. Nicht bewerten. Nicht verändern. Nur beobachten.
  5. Bemerke, wo etwas ist — und wo nichts ist. Taubheit und Abwesenheit von Empfindung sind genauso informativ wie intensive Empfindungen.

Was du vielleicht entdeckst

  • Spannungsmuster: Viele Menschen halten chronische Spannung in Kiefer, Schultern, Beckenboden oder Füßen — ohne es zu wissen. Der Body Scan macht diese Muster sichtbar.
  • Emotionale Hotspots: Bestimmte Körperregionen sind mit Emotionen verbunden, die du normalerweise vermeidest. Wenn du deinen Bauch scannst und plötzlich Traurigkeit auftaucht — das ist Information. Wertvolle Information.
  • Asymmetrie: Eine Seite ist angespannter als die andere. Eine Schulter höher als die andere. Ein Fuß wärmer als der andere. Dein Körper ist nicht symmetrisch — und das erzählt eine Geschichte.
  • Atem-Muster: Wo geht dein Atem hin? Nur in die Brust? Oder auch in den Bauch? Flach oder tief? Dein Atem ist ein Spiegel deines Nervensystems.

Wo hältst du Spannung?

Die meisten Menschen haben 2–3 „Lieblingsstellen" für Spannung. Das sind die Orte, an denen sich Stress bevorzugt zeigt:

  • Kiefer: Zähne zusammenbeißen, nächtliches Knirschen. Oft verbunden mit unterdrücktem Ausdruck — Dinge, die nicht gesagt werden.
  • Schultern und Nacken: „Die Last der Welt tragen." Verantwortung, die sich als Spannung manifestiert.
  • Unterer Rücken: Stabilität, Kontrolle, Existenzangst. Der untere Rücken trägt buchstäblich dein Gewicht.
  • Bauch: Emotionen, die nicht verdaut wurden. Angst, die im Bauch „sitzt".
  • Beckenboden: Sexualität, Scham, tief sitzende Spannung. Ein Bereich, der selten bewusst wahrgenommen wird.
  • Hände: Festhalten, Kontrolle. Geballte Fäuste oder angespannte Finger.
  • Füße: Erdung, Sicherheit, Verbindung zum Boden.

Übungen zur Vertiefung

Die Spannungs-Landkarte

Zeichne einen einfachen Körperumriss auf ein Blatt Papier. Markiere nach deinem Body Scan:

  • Rot: Wo war Spannung?
  • Blau: Wo war Kälte oder Taubheit?
  • Gelb: Wo war Wärme oder Wohlgefühl?
  • Grün: Wo war Lebendigkeit, Kribbeln, Bewegung?

Mach das über mehrere Tage. Du wirst Muster erkennen.

Dialogübung mit dem Körper

Wähle eine Stelle, die sich gemeldet hat — z.B. Spannung im Kiefer. Statt die Spannung wegzudrücken, frag sie:

  • „Was hältst du fest?"
  • „Was brauchst du?"
  • „Was passiert, wenn ich dich lasse?"

Schreib die Antworten auf, die kommen — auch wenn sie keinen rationalen Sinn ergeben. Der Körper spricht eine andere Sprache als der Kopf.

Bewusste Entspannung

Wenn du eine Spannungsstelle gefunden hast:

  1. Atme dorthin. Richte deinen Atem auf diese Stelle. Nicht forciert, sondern einladend.
  2. Lass die Spannung 5 % los. Nicht 100 %. Nur 5 %. Der Körper mag graduelle Veränderung.
  3. Beobachte, was passiert. Manchmal wird die Spannung kurz stärker, bevor sie nachlässt. Das ist normal.
  4. Danke der Spannung. Sie ist nicht dein Feind. Sie hat dich beschützt. Aber du brauchst sie jetzt nicht.

Tägliche Praxis

Nimm dir vor, in den Wochen vor dem Retreat täglich 10 Minuten für einen Body Scan zu reservieren. Nicht mehr. Das reicht, um dein Körperbewusstsein messbar zu verbessern.

Die beste Zeit: Morgens nach dem Aufwachen oder abends vor dem Einschlafen. Aber ehrlich gesagt: Die beste Zeit ist die Zeit, die du tatsächlich nutzt.

Wenn 10 Minuten zu viel sind, mach 5. Wenn 5 zu viel sind, mach 3. Drei Minuten bewusstes Hinspüren sind besser als null Minuten.

Dein Körper wird sich melden. Beim Retreat. In der Erfahrung. Wenn du vorher gelernt hast, ihm zuzuhören, wird dieser Moment keine Überraschung sein — sondern eine Einladung.

Forschungskontext

Peter Levine (Somatic Experiencing) und Bessel van der Kolk („The Body Keeps the Score") haben umfassend dokumentiert, wie der Körper emotionale Erfahrungen speichert. Forschung deutet darauf hin, dass psychedelische Substanzen den Zugang zu diesen gespeicherten körperlichen Mustern erleichtern. In Psilocybin-Studien berichteten Teilnehmer häufig von intensiven körperlichen Empfindungen, die mit emotionalen Einsichten verbunden waren.

Watts, 2017

Übung

Übung: Der 10-Minuten-Body-Scan

Leg dich hin oder setz dich bequem. Schließ die Augen. Timer auf 10 Minuten.

  1. Füße: Spüre deine Füße. Sind sie warm? Kalt? Schwer? Leicht?
  2. Beine: Wandere langsam nach oben. Oberschenkel, Knie, Waden. Was spürst du?
  3. Becken und unterer Rücken: Gibt es Anspannung? Wärme?
  4. Bauch: Weich oder angespannt? Bewegung?
  5. Brustkorb: Wie fühlt sich dein Atem an? Eng oder weit?
  6. Schultern und Nacken: Die häufigsten Spannungsgebiete. Was ist da?
  7. Gesicht: Kiefer, Stirn, Augen. Wo hältst du Spannung?
  8. Hände: Offen oder geschlossen? Warm oder kalt?

Notiere nach dem Scan:

  • Wo war es lebendig?
  • Wo war es taub oder leer?
  • Welche Emotionen (wenn überhaupt) sind aufgetaucht?

Mach diese Übung täglich für eine Woche. Beobachte, wie sich deine Wahrnehmung verändert.