
Psychedelische Vorbereitung
Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.
Was du lernst
Du kannst 'Set' über die oberflächliche Definition hinaus erklären Du verstehst die drei Ebenen, die deine Erfahrung formen
Mehr als „gute Stimmung"
Wenn du „Set and Setting" hörst, denkst du vielleicht: Set = gute Laune haben, Setting = gemütlicher Raum. Das ist nicht falsch — aber es ist ungefähr so hilfreich wie „gesund essen" als Ernährungsberatung. Es kratzt an der Oberfläche.
Set — kurz für „Mindset" — umfasst alles, was du innerlich in eine psychedelische Erfahrung mitbringst. Und „alles" meint hier wirklich alles: nicht nur deine aktuelle Stimmung, sondern deine gesamte innere Landschaft.
Die drei Ebenen von Set
Stell dir Set wie einen See vor. Die Oberfläche ist sichtbar. Darunter liegen Schichten, die du normalerweise nicht siehst — die aber genauso real sind.
Ebene 1: Das Bewusste
Das ist die Oberfläche. Dinge, die du benennen kannst:
- Wie du dich heute fühlst
- Was du dir von der Erfahrung erhoffst
- Wovor du Angst hast
- Welche Gedanken gerade dominieren
Das ist der Teil, den die meisten Vorbereitungsprogramme abdecken. Wichtig, aber nicht ausreichend.
Ebene 2: Das Vorbewusste
Knapp unter der Oberfläche. Dinge, die du mit etwas Aufmerksamkeit erkennen kannst, aber normalerweise nicht aktiv im Blick hast:
- Deine emotionalen Muster: Wie reagierst du gewöhnlich auf Stress, Angst, Freude?
- Deine Beziehungsmuster: Vertraust du leicht? Hältst du Distanz?
- Deine Selbstbilder: Was glaubst du über dich? Was sind Geschichten, die du dir seit Jahren erzählst?
- Deine unausgesprochenen Erwartungen: Was willst du „eigentlich" — jenseits dessen, was du sagst?
Ebene 3: Das Unbewusste
Der tiefste Bereich. Hier liegen Erfahrungen, Überzeugungen und Emotionen, die du nicht aktiv kennst — die aber trotzdem wirken:
- Frühe Prägungen: Erfahrungen aus der Kindheit, die deine Weltsicht geformt haben
- Verdrängte Emotionen: Gefühle, die du gelernt hast, nicht zu fühlen
- Körpergedächtnis: Spannungen, Haltungen, Reaktionen, die im Körper gespeichert sind
Du musst nicht alle diese Schichten „auflösen", bevor du an einem Retreat teilnimmst. Aber du solltest wissen, dass sie da sind.
Warum Psychedelika alles verstärken
Hier ist der entscheidende Punkt, der oft missverstanden wird:
Psychedelika erschaffen keine Erfahrungen aus dem Nichts. Sie verstärken, was bereits da ist.
Wenn du mit unterdrückter Trauer in eine Erfahrung gehst, wird wahrscheinlich Trauer auftauchen. Wenn du unbewusste Angst mitbringst, wird Angst sich zeigen. Wenn du tiefe Neugier mitbringst, wird Neugier sich entfalten.
Das ist weder gut noch schlecht. Es bedeutet einfach: Was du mitbringst, bestimmt mit, was du erlebst.
Deshalb arbeiten wir in den nächsten Lektionen daran, dein Set bewusst zu erkunden — nicht um es zu „optimieren" (das wäre eine Illusion), sondern um vorbereitet zu sein auf das, was kommen könnte.
Der Unterschied zwischen Kontrolle und Bereitschaft
Du kannst dein Set nicht kontrollieren. Du kannst nicht beschließen, keine Angst zu haben. Du kannst nicht deine Kindheitsprägungen in zwei Wochen auflösen.
Was du tun kannst:
- Erkennen, was da ist — auch wenn es unangenehm ist
- Benennen, was du fühlst — Sprache gibt Halt
- Akzeptieren, dass du nicht alles steuern kannst — und dass das in Ordnung ist
- Vorbereitet sein — mit Techniken, die dir helfen, wenn es schwierig wird
Das ist der Unterschied zwischen Kontrolle (Illusion) und Bereitschaft (realistisch).
In den nächsten drei Lektionen gehst du genau in diese Arbeit: Emotionale Muster erkennen. Erwartungen und Ängste benennen. Regulierungstechniken einüben.
Forschungskontext
Der Begriff „Set and Setting" wurde von Timothy Leary in den 1960er Jahren geprägt, aber das Konzept ist älter. Bereits die indigenen Traditionen mit Psilocybin und Ayahuasca legten enormen Wert auf die innere und äußere Vorbereitung. Die moderne Forschung bestätigt: Set (innerer Zustand) und Setting (äußere Umgebung) sind die stärksten Prädiktoren für die Qualität der Erfahrung — stärker als Substanz oder Dosis.
Übung
Übung: Dein innerer Wetterbericht (10 Min)
Beschreib deinen aktuellen inneren Zustand als Wetterbericht. Nicht analytisch — bildlich:
- Wie ist das Wetter in deinem Kopf gerade? (Sonnig? Bewölkt? Sturm?)
- Was liegt unter der Oberfläche? (Unterströmungen? Druck? Stille?)
- Was davon ist „Dauerwetter" und was ist ein vorübergehendes Tiefdruckgebiet?
Diese Übung trainiert dein inneres Gewahrsein — eine Kernkompetenz für psychedelische Erfahrungen.