
Psychedelische Vorbereitung
Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.
Was du lernst
Du weißt, wie Licht, Klang, Temperatur und Texturen deine Erfahrung formen Du hast konkrete Werkzeuge, um dein sensorisches Umfeld bewusst zu gestalten Du verstehst die Rolle von Musik in psychedelischen Erfahrungen
Deine Sinne unter dem Vergrößerungsglas
Im Alltag filtert dein Gehirn den größten Teil der sensorischen Informationen heraus. Du merkst den Stuhl, auf dem du sitzt, nicht mehr. Du hörst den Kühlschrank nicht. Du riechst dein eigenes Zuhause nicht.
Unter dem Einfluss eines LSD Derivats fallen viele dieser Filter weg. Was sonst Hintergrund ist, wird Vordergrund. Der Stoff deiner Kleidung. Das Summen der Heizung. Das Muster an der Decke. Alles wird lebendig, präsent, manchmal überwältigend.
Deshalb ist es sinnvoll, dein sensorisches Umfeld bewusst zu gestalten — statt es dem Zufall zu überlassen.
Licht — Mehr als hell und dunkel
Licht beeinflusst deine Stimmung fundamental. Das gilt im Alltag, und es gilt hundertfach in einem veränderten Bewusstseinszustand.
Was die Forschung nahelegt:
- Natürliches, warmes Licht wird von den meisten Teilnehmern als beruhigend empfunden
- Grelles Kunstlicht (Neonröhren, blaues LED-Licht) kann Unruhe und Überstimulation erzeugen
- Sanftes, indirektes Licht ermöglicht es, die Augen zu öffnen, ohne Stress
Praktische Tipps:
- Dimmbares Licht ist ideal — es gibt dir Kontrolle
- Kerzen erzeugen warmes, lebendiges Licht (achte auf Sicherheit)
- Tageslicht ist wunderbar, wenn du es regulieren kannst (Vorhänge, Jalousien)
- Vermeide Bildschirme und blaues Licht in den Stunden vor und während der Erfahrung
- Eine Schlafmaske sollte verfügbar sein — manchmal willst du die visuelle Welt komplett ausblenden
Bei unseren Retreats arbeiten wir mit einer Kombination aus gedämpftem Tageslicht und warmem Kunstlicht. Die Räume sind so gestaltet, dass du jederzeit die Intensität regulieren kannst — Augen auf oder zu, Maske auf oder ab, drinnen oder draußen.
Klang — Der unsichtbare Architekt
Klang ist vielleicht der mächtigste sensorische Faktor in einer psychedelischen Erfahrung. Musik kann dich in Sekunden von Frieden in Tränen bringen. Ein Geräusch kann dich aus einer tiefen Erfahrung reißen. Stille kann der intensivste Klang von allen sein.
Die Forschung zu Musik und Psychedelika
Mendel Kaelen hat am Imperial College London bahnbrechende Arbeit zu Musik in psychedelischen Sitzungen geleistet. Seine Ergebnisse:
- Musik ist kein Hintergrund. Sie ist ein aktiver Wirkfaktor, der die emotionale Richtung der Erfahrung beeinflusst.
- Die „richtige" Musik kann helfen, schwierige Momente zu durchleben — nicht zu vermeiden, sondern zu durchleben.
- Die „falsche" Musik kann eine ansonsten friedliche Erfahrung destabilisieren.
Was heißt „richtig" und „falsch"? Es gibt keine universelle Antwort, aber die Forschung deutet auf einige Prinzipien hin:
- Instrumentalmusik wird meist bevorzugt. Texte können ablenken oder unbeabsichtigte Assoziationen auslösen.
- Bekannte Lieder können dich in Erinnerungen ziehen. Das kann heilsam sein — oder störend. Unbekannte Musik lässt mehr Raum für eigene innere Bilder.
- Dynamik ist wichtiger als Genre. Die Musik sollte verschiedene Phasen der Erfahrung begleiten: sanfter Einstieg, zunehmende Intensität, Höhepunkt, sanftes Ausklingen.
- Natürliche Klänge (Wasser, Wind, Vogelgesang) werden von vielen Teilnehmern als erdend empfunden.
Playlist-Empfehlungen
Wir teilen keine spezifischen Playlists hier, weil Musikgeschmack individuell ist. Aber hier sind Richtlinien:
- Für die Anfangsphase (0–60 Min): Ambient, ruhige Klanglandschaften, vielleicht sanfte Streicher. Denk an Brian Eno, Max Richter, Ólafur Arnalds.
- Für die Aufstiegsphase (60–120 Min): Mehr Struktur, mehr emotionale Tiefe. Klassische Stücke, weltmusikalische Einflüsse, meditative Klänge.
- Für den Höhepunkt (120–240 Min): Hier kann die Musik kraftvoller sein. Orchestrale Stücke, emotionale Intensität. Aber: Keine aggressive Musik, keine plötzlichen Lautstärkewechsel.
- Für das Abklingen (240+ Min): Zurück zu sanften Klängen. Natürliche Geräusche. Stille als bewusste Wahl.
Bei unseren Retreats wird die Musik von erfahrenen Coaches kuratiert, die den Verlauf der Erfahrung beobachten und die Musik live anpassen. Das ist einer der Vorteile eines begleiteten Settings.
Temperatur — Der unterschätzte Faktor
Kaum jemand spricht über Temperatur. Aber wenn du frierst oder schwitzt, wird das zum dominanten Signal deines Körpers.
Empfehlungen:
- Raumtemperatur zwischen 20–23°C ist für die meisten angenehm
- Dein Körpergefühl kann sich während der Erfahrung ändern — mal kalt, mal warm
- Mehrere Schichten sind ideal: Eine Decke griffbereit, Socken zum An- und Ausziehen
- Frische Luft ist wichtig, aber Zugluft kann unangenehm werden
- Wärmflaschen sind ein unterschätztes Werkzeug — Wärme auf dem Bauch kann bei Übelkeit oder Anspannung helfen
Texturen und Materialien
Was du unter dir spürst, auf dir trägst, berührst — all das wird unter dem Einfluss eines LSD Derivats intensiviert.
- Weiche, natürliche Materialien werden meist bevorzugt: Baumwolle, Leinen, Wolle
- Synthetische Stoffe können sich unangenehm anfühlen oder seltsam riechen
- Ein Kuscheltier oder ein weicher Gegenstand mag albern klingen, kann aber ein erstaunlich wirkungsvoller Anker sein
- Die Unterlage ist entscheidend: Eine bequeme Matratze oder Yogamatte mit Decken ist besser als ein Sofa, auf dem du einquetscht
- Kleidung: Bequem, locker, schichtbar. Nichts, das einengt. Keine Gürtel, keine engen Kragen.
Gerüche — Subtil, aber mächtig
Geruch ist der direkteste Weg zu deinem limbischen System — dem Zentrum für Emotionen und Erinnerungen. Ein bestimmter Geruch kann in Sekundenbruchteilen Erinnerungen auslösen, die seit Jahren verschüttet waren.
- Vertraute, angenehme Düfte können beruhigend wirken
- Ätherische Öle (Lavendel, Zedernholz, Sandelholz) sind weit verbreitet — aber nur dezent verwenden
- Starke Parfüms oder Raumdüfte können überwältigend werden
- Frische Luft ist oft der beste Duft
- Essen vorbereiten für nach der Erfahrung: Der Geruch von Essen kann während der Erfahrung unangenehm sein, aber danach wie eine Umarmung wirken
Das Setting im Retreat vs. zu Hause
Wenn du an einem Limitless Retreat teilnimmst, kümmern wir uns um die sensorische Umgebung. Die Räume sind bewusst gestaltet, die Musik wird live kuratiert, die Temperatur ist reguliert, weiche Materialien und Rückzugsmöglichkeiten sind vorhanden.
Aber das Verständnis dieser Faktoren hilft dir auch:
- Vor dem Retreat: Du kannst deine Sinne trainieren, indem du zu Hause bewusst mit diesen Elementen experimentierst
- Für die Integration danach: Du kannst Elemente des Retreat-Settings in deinen Alltag übernehmen — ein bestimmtes Musikstück, ein bestimmter Duft, eine bestimmte Decke
- Für künftige Erfahrungen: Du baust ein Repertoire auf, was für dich funktioniert
Die Sinnes-Inventur aus der Übung ist dein erster Schritt. Mach sie wirklich — nicht nur in Gedanken, sondern mit Stift und Papier. Dein zukünftiges Selbst wird dir danken.
Forschungskontext
Mehrere Studien am Imperial College London haben gezeigt, dass Musik in psychedelischen Sitzungen nicht nur Begleitung ist, sondern die emotionale Valenz der Erfahrung aktiv steuert. Teilnehmer berichteten, dass Musik in bis zu 70 % der Fälle den emotionalen Wendepunkt der Erfahrung markierte.
Kaelen et al., 2018; Barrett et al., 2017
Übung
Übung: Sinnes-Inventur (20 Min)
Mach diese Übung in einem Raum, in dem du dich wohlfühlst.
- Schließ die Augen für 2 Minuten. Was hörst du? Schreib alles auf — auch das, was du normalerweise übergehst.
- Öffne die Augen und schau dich langsam um. Was siehst du als Erstes? Was erzeugt Unruhe? Was beruhigt?
- Berühre 5 verschiedene Oberflächen im Raum. Wie fühlen sie sich an? Welche sind angenehm, welche nicht?
- Atme bewusst ein. Was riechst du?
- Stell dir vor, all diese Eindrücke wären 10-mal intensiver. Was würdest du ändern wollen?
Schreib deine Erkenntnisse auf. Das ist deine Sinnes-Landkarte.