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Umfassende Vorbereitung für psychedelische Bewusstseinserweiterungen.

Psychedelische Vorbereitung

Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.

Was du lernst

  • Du kannst die verschiedenen Dimensionen von Setting benennen — physisch, sozial, kulturell
  • Du verstehst, warum Umgebung keine Dekoration ist, sondern ein aktiver Faktor der Erfahrung
  • Du kennst den Ursprung des Set-und-Setting-Konzepts und seine Bedeutung in der Forschung

Mehr als nur ein schöner Raum

Drei ineinandergreifende Kreise: physischer Raum, soziales Umfeld und kultureller Rahmen als Dimensionen des Settings

Wenn Menschen an „Setting" denken, stellen sie sich meistens Kerzen vor. Vielleicht eine Decke. Vielleicht Räucherstäbchen. Das ist nicht falsch — aber es ist ungefähr so, als würdest du ein Sinfonieorchester auf die Geige reduzieren.

Setting ist alles um dich herum, das deine Erfahrung beeinflusst. Und zwar nicht als passiver Hintergrund, sondern als aktiver Mitspieler. Die Forschung zeigt deutlich: Deine Umgebung formt, was du erlebst — manchmal stärker als die Substanz selbst.

Die Ursprünge: Leary, Metzner und ein unterschätztes Konzept

Der Begriff „Set and Setting" geht auf Timothy Leary und Ralph Metzner zurück. In den 1960er-Jahren stellten sie fest, dass dieselbe Substanz in derselben Dosis bei derselben Person völlig unterschiedliche Erfahrungen auslösen konnte — je nachdem, wo und mit wem sie eingenommen wurde.

Das war damals eine radikale Erkenntnis. Bis dahin ging man davon aus, dass die Substanz die Erfahrung bestimmt. Punkt.

Leary formulierte es so: Set ist alles, was du mitbringst — deine Gedanken, Gefühle, Erwartungen, deine psychologische Verfassung. Setting ist alles, was dich umgibt — der Raum, die Menschen, die Musik, die Atmosphäre, der kulturelle Kontext.

Heute, Jahrzehnte später, bestätigt die aktuelle Forschung diese Beobachtung. Ido Hartogsohn hat in seiner Arbeit (2016, 2017) gezeigt, dass Set und Setting keine weichen Faktoren sind, sondern messbare Einflussgrößen auf die psychedelische Erfahrung. Robin Carhart-Harris und David Nutt haben in ihren Arbeiten betont, dass die therapeutische Umgebung ein zentraler Wirkfaktor ist — unabhängig von der pharmakologischen Wirkung der Substanz.

Die drei Dimensionen von Setting

Setting ist nicht eindimensional. Es hat mindestens drei Schichten, die alle gleichzeitig auf dich wirken:

1. Physisches Setting — Der Raum

Das ist die offensichtlichste Ebene:

  • Licht: Natürliches Licht vs. Kunstlicht? Hell oder gedämpft? Kannst du die Augen öffnen, ohne geblendet zu werden?
  • Temperatur: Zu kalt erzeugt Anspannung. Zu warm erzeugt Unruhe. Die richtige Temperatur ist unsichtbar — du merkst sie nicht, weil sie passt.
  • Akustik: Gibt es Straßenlärm? Andere Stimmen? Oder Stille? Welche Musik läuft, wenn Musik läuft?
  • Texturen: Was spürst du unter dir? Harter Boden oder weiche Matratze? Welche Materialien berühren deine Haut?
  • Ästhetik: Chaos im Raum erzeugt inneres Chaos. Ein aufgeräumter, bewusst gestalteter Raum signalisiert deinem Nervensystem: Hier ist sicher.

All das klingt vielleicht nach Details. Aber unter dem Einfluss eines LSD Derivats werden diese „Details" zu dominanten Erfahrungsfaktoren. Ein tropfender Wasserhahn kann zum Fixpunkt deiner gesamten Erfahrung werden. Ein angenehmes Kissen kann zum sichersten Ort der Welt werden.

2. Soziales Setting — Die Menschen

Wer ist im Raum? Diese Frage ist enorm wichtig.

  • Vertrauen: Vertraust du den Menschen um dich herum? Wirklich? Nicht nur höflich, sondern tief?
  • Kompetenz: Wissen die anwesenden Personen, was sie tun? Haben die Coaches und Facilitator Erfahrung?
  • Gruppendynamik: Bist du in einer Gruppe? Wie groß ist sie? Gibt es Menschen dabei, die dich verunsichern?
  • Beziehung zum Guide: Fühlst du dich von der Person, die dich begleitet, gesehen und respektiert?

Forschung deutet darauf hin, dass das Vertrauen in die begleitenden Personen einer der stärksten Prädiktoren für die Qualität der Erfahrung ist. Das ist kein Zufall. Wenn dein Nervensystem jemandem vertraut, kann es loslassen. Wenn nicht, bleibt es in Alarmbereitschaft — egal wie schön der Raum ist.

3. Kulturelles Setting — Der Rahmen

Diese Ebene wird am häufigsten übersehen, ist aber vielleicht die mächtigste:

  • Welche Erwartungen herrschen? Gibt es einen kulturellen Rahmen, der bestimmte Erfahrungen begünstigt? Ein schamanischer Kontext erzeugt andere Erfahrungen als ein klinischer.
  • Welche Regeln gelten? Darf man sich frei bewegen? Muss man liegen bleiben? Gibt es Rituale?
  • Welche Bedeutung wird der Erfahrung zugeschrieben? Wird sie als spirituelle Reise gerahmt? Als wissenschaftliches Experiment? Als persönliche Entwicklung?

Bei Limitless Retreats arbeiten wir mit einem Rahmen, der auf persönlicher Entwicklung, wissenschaftlicher Fundierung und individueller Begleitung basiert. Kein dogmatischer Überbau, kein esoterischer Ballast — aber auch nicht steril und klinisch. Ein Raum, der Tiefe erlaubt, ohne sie zu erzwingen.

Warum Setting nicht optional ist

Es gibt eine verbreitete Haltung, die ungefähr so klingt: „Die Substanz macht die Arbeit. Der Rest ist Beiwerk."

Das stimmt nicht. Und die Forschung widerlegt es klar.

Robin Carhart-Harris hat in seinen Arbeiten am Imperial College London wiederholt betont, dass die Umgebung die neuronalen Effekte psychedelischer Substanzen moduliert. Vereinfacht gesagt: Dieselbe Substanz kann in einer sicheren, warmen Umgebung tiefe Einsichten ermöglichen — und in einer unsicheren, kalten Umgebung Angst und Verwirrung auslösen.

Das liegt daran, dass psychedelische Substanzen wie LSD Derivate die Sensibilität deines Nervensystems massiv erhöhen. Du nimmst alles intensiver wahr: Licht, Geräusche, die Stimmung im Raum, die Energie der Menschen um dich. Was im Alltag Hintergrundrauschen ist, wird zum Hauptsignal.

Deshalb ist Setting keine Dekoration. Es ist ein Wirkfaktor.

Setting zu Hause vs. Retreat

Wenn du an einem strukturierten Retreat teilnimmst, wird ein großer Teil des Settings für dich gestaltet. Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum viele Menschen sich für ein begleitetes Setting entscheiden.

Bei einem Retreat wie dem unseren kümmern wir uns um:

  • Den physischen Raum (Licht, Temperatur, Materialien, Rückzugsmöglichkeiten)
  • Die soziale Zusammensetzung (Gruppengröße, Kennenlernen vorab, klare Regeln)
  • Die Begleitung durch erfahrene Coaches und Facilitator
  • Den kulturellen Rahmen (Orientierung an Forschung und persönlicher Entwicklung, nicht an Dogma)

Trotzdem gibt es einen Teil des Settings, den nur du gestalten kannst: dein Leben drumherum. Die Wochen vor dem Retreat. Die Rückkehr danach. Die Menschen, die du informierst. Den Raum, den du dir im Kalender schaffst.

Dazu kommen wir in Lektion 3 dieses Moduls.

Die versteckte Macht der Gewohnheiten

Ein Aspekt, der selten besprochen wird: Dein alltägliches Setting — also die Umgebung, in der du normalerweise lebst — beeinflusst dein inneres Setting (dein Set) täglich. Wenn du in einem chaotischen Umfeld lebst, wirkt sich das auf deinen inneren Zustand aus. Wenn du dich ständig mit Nachrichten, Social Media und Reizüberflutung umgibst, wird dein Nervensystem das in die Erfahrung mitnehmen.

Das heißt nicht, dass du dein ganzes Leben umkrempeln musst. Aber es heißt: Die Vorbereitung deines Settings beginnt nicht am Tag des Retreats. Sie beginnt jetzt.

In den nächsten beiden Lektionen schauen wir uns an, wie du dein sensorisches Umfeld bewusst gestalten kannst — und wie du dein alltägliches Leben so vorbereitest, dass du mit einem klaren Kopf und einem entspannten Nervensystem ins Retreat gehst.

Forschungskontext

Der Begriff „Set and Setting" wurde in den 1960er-Jahren geprägt. Leary definierte Setting als die gesamte äußere Umgebung — physisch, sozial und kulturell. Aktuelle Forschung bestätigt: Setting ist einer der drei Hauptfaktoren, die psychedelische Erfahrungen formen. Die Umgebung beeinflusst die subjektive Wirkung stärker als bisher angenommen.

Hartogsohn, 2016; Carhart-Harris & Nutt, 2017

Übung

Journalübung: Deine Setting-Landkarte

Nimm dir 15 Minuten und zeichne eine einfache Karte mit drei Kreisen:

  1. Innerer Kreis — Physischer Raum: Welche Räume fühlen sich für dich sicher an? Wo entspannst du dich wirklich? Was macht diese Orte besonders (Licht, Temperatur, Geräusche)?
  2. Mittlerer Kreis — Soziales Umfeld: Wer ist da? Welche Menschen geben dir Sicherheit? Wer erzeugt Anspannung?
  3. Äußerer Kreis — Kultureller Rahmen: In welchem Kontext findet die Erfahrung statt? Retreat-Gruppe? Einzelbegleitung? Welche Werte und Regeln gelten dort?

Schreib zu jedem Kreis 3–5 Stichpunkte auf.