de-DEen-US
Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

What you'll learn

  • Du verstehst, warum deine innere Haltung der wichtigste Faktor in der Begleitung ist
  • Du kannst deine eigene Schattenarbeit als Voraussetzung für Facilitation einordnen
  • Du hast eine ehrliche Bestandsaufnahme deiner eigenen Beziehung zu psychoaktiven Substanzen gemacht

Was du in den Raum bringst

Es gibt eine unbequeme Wahrheit in der psychedelischen Begleitung: Was du in den Raum bringst, ist wichtiger als alles, was du dort tust.

Deine Techniken sind zweitrangig. Dein Wissen ist hilfreich, aber nicht entscheidend. Was wirklich zählt, ist deine innere Verfassung — deine Haltung, deine Präsenz, deine eigene Verarbeitetheit.

Menschen in veränderten Bewusstseinszuständen sind außergewöhnlich sensitiv. Sie spüren Unstimmigkeiten, die im Alltag verborgen bleiben. Wenn du unsicher bist, spüren sie es. Wenn du eigene Ängste unterdrückst, spüren sie es. Wenn du nicht authentisch bist, spüren sie es — oft bevor du es selbst merkst.

Selbstkenntnis als Voraussetzung

Bevor du andere begleiten kannst, musst du dich selbst kennen. Nicht perfekt — das ist unmöglich und auch nicht nötig. Aber ehrlich. Radikal ehrlich.

Kenne deine Trigger

Jeder Mensch hat Themen, die ihn emotional destabilisieren. Vielleicht ist es Kontrollverlust. Vielleicht ist es Hilflosigkeit. Vielleicht sind es bestimmte Arten von Trauer oder Wut. Als Facilitator wirst du all dem begegnen — nicht in dir selbst, sondern in den Menschen, die du begleitest.

Wenn du deine eigenen Trigger nicht kennst, wirst du in kritischen Momenten unwillkürlich reagieren statt bewusst zu handeln. Du wirst dich zurückziehen, wenn Nähe gebraucht wird. Du wirst eingreifen, wenn Raum gebraucht wird. Du wirst deine eigenen Bedürfnisse auf den anderen Menschen projizieren.

Kenne deine Muster

Wie reagierst du unter Stress? Wirst du still oder laut? Ziehst du dich zurück oder wirst du überaktiv? Versuchst du zu kontrollieren oder wirst du passiv? Jedes dieser Muster ist in der Facilitation potenziell problematisch — nicht weil es falsch ist, sondern weil es unbewusst ist.

Kenne deine blinden Flecken

Die gefährlichsten Dinge sind die, die du nicht siehst. Blinde Flecken — die Bereiche deiner Persönlichkeit, die dir selbst verborgen sind. Supervision und Feedback von vertrauenswürdigen Kollegen sind die wichtigsten Werkzeuge, um blinde Flecken zu identifizieren.

Schattenarbeit

Carl Gustav Jung prägte den Begriff des „Schattens" — die Teile unserer Persönlichkeit, die wir verdrängen, ablehnen oder nicht sehen wollen. Als Facilitator ist Schattenarbeit nicht optional. Sie ist eine professionelle Pflicht.

Warum Schattenarbeit für Facilitatoren unverzichtbar ist

Wenn du deinen eigenen Schatten nicht kennst, wird er in deiner Arbeit auftauchen — garantiert. Hier einige Beispiele:

  • Unverarbeitete Helferbedürfnisse: Du brauchst das Gefühl, gebraucht zu werden, und schaffst unbewusst Abhängigkeit
  • Machtschatten: Du genießt die asymmetrische Machtposition und nutzt sie — vielleicht subtil, aber real
  • Unverarbeitetes Trauma: Die Erfahrungen der Menschen, die du begleitest, triggern eigenes Material, das du nicht verarbeitet hast
  • Spirituelles Ego: Du hältst dich für weiter, erleuchteter oder besser als andere — und trägst das in den Raum

Praktische Schattenarbeit

Schattenarbeit muss nicht kompliziert sein. Hier sind einige bewährte Ansätze:

  1. Tägliche Reflexion: 10 Minuten am Abend. Was hat mich heute emotional berührt? Wo habe ich überreagiert? Was habe ich vermieden?
  2. Supervision: Regelmäßige professionelle Reflexion deiner Praxis mit einem erfahrenen Supervisor
  3. Peer-Feedback: Vertrauensvolle Rückmeldung von Kollegen, die dich gut kennen
  4. Eigene therapeutische Arbeit: Ob Psychotherapie, Körperarbeit oder andere Methoden — investiere in deine eigene Prozessarbeit
  5. Eigene psychedelische Erfahrungen: In sicheren, begleiteten Settings können sie kraftvolle Werkzeuge der Selbsterkenntnis sein

Der Unterschied zwischen „geheilt" und „heilend"

Du musst nicht perfekt sein, um andere zu begleiten. Du musst nicht alle deine Themen gelöst haben. Das ist eine unrealistische und sogar schädliche Erwartung.

Aber du musst im Prozess sein. Du musst aktiv an dir arbeiten. Du musst bereit sein, dich dem zu stellen, was auftaucht. Der Unterschied liegt nicht zwischen „geheilt" und „nicht geheilt" — er liegt zwischen „bewusst im Prozess" und „unbewusst vermeidend".

Ein Facilitator, der seine Wunden kennt und aktiv an ihnen arbeitet, ist sicherer als einer, der behauptet, keine zu haben.

Deine Beziehung zu Substanzen

Dieser Abschnitt erfordert brutale Ehrlichkeit.

Ehrliche Bestandsaufnahme

Beantworte dir diese Fragen — schriftlich, nur für dich:

  • Wie oft konsumierst du psychoaktive Substanzen?
  • Gibt es Substanzen, die du regelmäßig brauchst (einschließlich Alkohol, Koffein, Cannabis)?
  • Hast du jemals eine Substanz genommen, um ein Problem zu vermeiden?
  • Wie fühlst du dich, wenn du längere Zeit keine Substanz nimmst?
  • Haben andere Menschen Bedenken über deinen Substanzkonsum geäußert?

Rote Flaggen

Wenn eine dieser Aussagen auf dich zutrifft, pausiere die Ausbildung und suche professionelle Unterstützung:

  • Du konsumierst regelmäßig, um negative Emotionen zu regulieren
  • Du kannst dir ein Leben ohne bestimmte Substanzen nicht vorstellen
  • Dein Konsum beeinträchtigt deine Beziehungen oder deine Arbeit
  • Du hast dich schon dabei ertappt, deinen Konsum vor anderen zu verheimlichen

Das ist kein Urteil. Es ist Fürsorge. Ein Facilitator mit einer aktiven Suchtproblematik gefährdet sich selbst und andere.

Die tägliche Praxis der inneren Haltung

Innere Haltung ist kein Zustand, den du einmal erreichst und dann hast. Sie ist eine tägliche Praxis. Wie ein Musiker jeden Tag übt, übst du jeden Tag deine Präsenz, deine Selbstkenntnis, deine Demut.

Einige bewährte tägliche Praktiken:

  • Meditation oder Stille: 20 Minuten am Morgen, in denen du nichts tust außer da zu sein
  • Körperarbeit: Yoga, Tai Chi oder einfach bewusstes Gehen — um im Körper zu bleiben
  • Journaling: Tägliches Schreiben als Spiegel deines inneren Lebens
  • Natur: Zeit in der Natur als Erdung und Perspektivwechsel

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Research Context

Forschung deutet darauf hin, dass die innere Haltung des Begleiters einen messbaren Einfluss auf die Erfahrung der begleiteten Person hat. Studien zur therapeutischen Allianz zeigen, dass die Beziehungsqualität für 30–50 % der Varianz in Behandlungsergebnissen verantwortlich ist — unabhängig von der Methode.

Horvath et al., 2011

Exercise

Journalübung:

Nimm dir 30 Minuten für eine ehrliche Selbstreflexion. Schreibe zu jeder dieser Fragen mindestens einen Absatz: (1) Was ist meine tiefste Motivation, Facilitator zu werden? (2) Was triggert mich emotional am stärksten? (3) Wie ist meine aktuelle Beziehung zu psychoaktiven Substanzen — ehrlich?