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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

What you'll learn

  • Du kannst die drei Zonen der Kompetenz benennen und für deine eigene Praxis anwenden
  • Du verstehst, warum Dualbeziehungen gefährlich sind und wie du sie vermeidest
  • Du kennst die Regeln für körperliche Berührung in der Begleitung

Drei Zonen der Kompetenz

Jeder Facilitator bewegt sich in drei Zonen. Sie zu kennen und zu respektieren ist der Unterschied zwischen verantwortungsvoller Arbeit und gefährlicher Selbstüberschätzung.

Zone 1: Kernkompetenz

Das ist der Bereich, in dem du sicher und selbstständig arbeiten kannst. Am Anfang deiner Laufbahn ist dieser Bereich klein — und das ist absolut in Ordnung. Ehrlichkeit über deine Kernkompetenz ist ein Zeichen von Professionalität, nicht von Schwäche.

Beispiele für Zone 1 (nach dieser Ausbildung):

  • Einen sicheren physischen Raum gestalten
  • Ein Vorbereitungsgespräch führen
  • Grundlegende Begleitung während einer Erfahrung
  • Nicht-direktive Präsenz
  • Einfache Integrationsgespräche
  • Grundlegende Krisenintervention

Zone 2: Supervisions-Zone

Hier kannst du arbeiten, aber nur mit regelmäßiger Supervision und möglicherweise unter Anleitung eines erfahreneren Facilitators. Diesen Bereich zu betreten ohne Supervision ist unverantwortlich.

Beispiele für Zone 2:

  • Begleitung von Menschen mit leichter bis mittlerer psychischer Vorbelastung
  • Gruppenbegleitung
  • Arbeit mit komplexem psychischem Material (Trauer, Beziehungskonflikte)
  • Begleitung intensiver spiritueller Erfahrungen

Zone 3: Außerhalb der Kompetenz — Überweisung

Hier hast du nichts zu suchen. Hier verweist du an Fachleute. Immer. Ohne Ausnahme. Ohne „aber ich könnte es doch versuchen".

Beispiele für Zone 3:

  • Akute Psychosen
  • Suizidalität
  • Schwere Traumatisierung, die therapeutische Verarbeitung erfordert
  • Medizinische Notfälle
  • Aktive Suchterkrankungen
  • Schwere Persönlichkeitsstörungen

Wann „Nein" sagen

Einer der schwierigsten Momente für Facilitatoren ist der Moment, in dem du sagen musst: „Das kann ich nicht. Du brauchst jemand anderen."

Es fühlt sich an wie Versagen. Wie Ablehnung. Wie Inkompetenz.

In Wahrheit ist es das Gegenteil. Es ist der Moment, in dem du zeigst, dass du die Sicherheit des anderen Menschen über dein eigenes Ego stellst. Es ist professionell. Es ist mutig. Es ist richtig.

Formulierungen, die helfen

  • „Ich sehe, dass du etwas Tiefes durcharbeitest, und ich glaube, dass ein Therapeut dich dabei besser unterstützen kann als ich."
  • „Das, was du beschreibst, liegt außerhalb meiner Ausbildung. Ich möchte sicherstellen, dass du die beste Unterstützung bekommst."
  • „Ich nehme das, was du mir erzählst, sehr ernst. Gerade deshalb möchte ich dich an jemanden verweisen, der spezialisiert ist."

Dualbeziehungen

Was sind Dualbeziehungen?

Eine Dualbeziehung liegt vor, wenn du neben der Facilitator-Rolle noch eine andere Beziehung zu der Person hast: Freundschaft, geschäftliche Beziehung, Verwandtschaft, romantische Verbindung.

Warum sind sie gefährlich?

Weil sie die klaren Grenzen verwischen, die für sichere Begleitung notwendig sind. Wenn dein Freund auf deinem Retreat ist, wirst du anders mit ihm umgehen als mit einem Fremden. Wenn dein Geschäftspartner in einem veränderten Bewusstseinszustand vertrauliche Dinge teilt, verändert das eure geschäftliche Beziehung.

Praktische Leitlinie

  • Begleite keine engen Freunde oder Familienmitglieder
  • Begleite keine aktuellen oder ehemaligen Liebespartner
  • Wenn eine Dualbeziehung unvermeidlich ist (z.B. in kleinen Gemeinschaften), sprich sie offen an und hole Supervision
  • Gehe keine neuen persönlichen Beziehungen mit Menschen ein, die du begleitet hast

Körperliche Berührung

Körperliche Berührung in der psychedelischen Begleitung ist ein Minenfeld. Richtig eingesetzt, kann sie unglaublich erdend und beruhigend sein. Falsch eingesetzt, kann sie traumatisierend wirken.

Grundregeln

  1. Vorab besprechen: Besprich vor der Erfahrung, ob und welche Art von Berührung gewünscht ist
  2. Immer fragen: Auch wenn Berührung vorab besprochen wurde — frage in der Situation nochmal: „Möchtest du, dass ich deine Hand halte?"
  3. Neutrale Zonen: Berühre nur neutrale Körperstellen — Hand, Unterarm, Schulter, oberer Rücken
  4. Keine Überraschungen: Kündige Berührung immer an
  5. Dauer begrenzen: Berührung ist eine Intervention, kein Dauerzustand
  6. Eigene Motivation prüfen: Berührst du, weil der Mensch es braucht — oder weil du es brauchst?

Wann absolut NICHT berühren

  • Wenn die Person in einem dissoziativen Zustand ist (Berührung kann retraumatisierend wirken)
  • Wenn Trauma mit körperlichem Missbrauch vorliegt
  • Wenn du dir unsicher bist
  • Wenn die Person vorher Berührung abgelehnt hat

Kulturelle Sensibilität

Kulturelle Unterschiede respektieren

Menschen kommen aus verschiedenen kulturellen Kontexten, und diese beeinflussen ihre Beziehung zu Substanzen, Spiritualität, Körperlichkeit und Autorität. Was in einer Kultur als normaler körperlicher Kontakt gilt, kann in einer anderen als übergriffig empfunden werden.

Keine kulturelle Aneignung

Verwende keine Rituale, Symbole oder Praktiken aus indigenen Traditionen, zu denen du keinen authentischen Zugang hast. Kein Sage-Burning, wenn du nicht weißt, woher die Tradition kommt. Keine Icaros, wenn du sie nicht von einem Maestro gelernt hast. Kein „Schamanismus", wenn du kein Schamane bist.

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Research Context

Forschung deutet darauf hin, dass die häufigsten ethischen Verstöße in psychedelischen Settings nicht durch böse Absicht entstehen, sondern durch schleichende Grenzüberschreitungen — sogenanntes „boundary creep". Klare Strukturen von Anfang an sind der beste Schutz.

Pope & Keith-Spiegel, 2008

Exercise

Praktische Übung:

Zeichne drei konzentrische Kreise auf ein Blatt Papier. In den inneren Kreis schreibst du alles, was du sicher beherrscht und verantworten kannst. In den mittleren Kreis schreibst du, was du mit Supervision tun könntest. In den äußeren Kreis schreibst du alles, was außerhalb deiner Kompetenz liegt.

Sei ehrlich — der innere Kreis ist kleiner, als du denkst.