de-DEen-US
Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

What you'll learn

  • Du verstehst, warum Supervision für Facilitatoren unverzichtbar ist
  • Du kannst verschiedene Supervisionsformen beschreiben und weißt, welche für dich geeignet ist
  • Du erkennst Warnsignale für Burnout und sekundäre Traumatisierung

Warum Supervision nicht verhandelbar ist

Stell dir vor, ein Chirurg würde sagen: „Ich brauche kein Feedback. Ich weiß, was ich tue." Du würdest sofort den Operationssaal verlassen.

Und doch gibt es Facilitatoren, die genau so denken. Sie glauben, ihre Erfahrung, ihre Intuition, ihre eigene innere Arbeit reiche aus. Das ist gefährlich.

Supervision ist der Prozess, in dem du deine Arbeit mit einem erfahreneren Fachmann reflektierst — regelmäßig, strukturiert und ehrlich. Es ist kein Zeichen von Schwäche, es zu brauchen. Es ist ein Zeichen von Professionalität, es in Anspruch zu nehmen.

Was Supervision leistet

  • Blinde Flecken aufdecken: Andere sehen, was du nicht siehst
  • Gegenübertragung erkennen: Wenn deine eigenen Themen in die Begleitung einfließen
  • Schwierige Situationen nachbesprechen: Was hast du gut gemacht? Was könntest du anders machen?
  • Ethische Reflexion: Sind deine Grenzen klar? Gibt es schleichende Grenzüberschreitungen?
  • Burnout-Prävention: Ein Supervisorin erkennt Anzeichen, bevor du selbst es tust

Formen der Supervision

Einzelsupervision

Du triffst dich regelmäßig (idealerweise alle 2–4 Wochen) mit einem erfahrenen Supervisor — entweder persönlich oder online. Du bringst konkrete Fälle mit, besprichst Herausforderungen, reflektierst deine Praxis.

Vorteile: Tiefgehend, individuell, vertraulich Herausforderung: Kann kostspielig sein, Abhängigkeit von einer Person

Peer-Supervision (Intervisionsgruppe)

Eine Gruppe von 4–6 Facilitatoren trifft sich regelmäßig, um Fälle zu besprechen und sich gegenseitig zu reflektieren. Die Gruppe arbeitet nach einer klaren Struktur.

Vorteile: Vielfalt der Perspektiven, Gemeinschaftsgefühl, kostengünstig Herausforderung: Erfordert Struktur und Moderation, Gefahr der „gegenseitigen Bestätigung"

Wie du eine Peer-Supervision aufbaust

  1. Größe: 4–6 Personen — klein genug für Vertrauen, groß genug für Vielfalt
  2. Frequenz: Mindestens monatlich, idealerweise zweiwöchentlich
  3. Struktur: Klare Zeitaufteilung — Fallpräsentation (15 Min.), Reflexionsrunde (20 Min.), Integration (10 Min.)
  4. Vereinbarung: Schriftliche Vereinbarung über Vertraulichkeit, Pünktlichkeit, Verbindlichkeit
  5. Moderation: Rotierende Moderation, damit keine Hierarchien entstehen
  6. Ehrlichkeit: Die Gruppe ist nur so wertvoll wie die Ehrlichkeit ihrer Mitglieder

Selbstreflexionspraxis

Supervision ist der externe Teil deiner Reflexion. Der interne Teil ist ebenso wichtig.

Tägliche Reflexion

  • Abendprotokoll: 10 Minuten am Ende jedes Arbeitstages. Drei Fragen: Was lief gut? Was war herausfordernd? Was möchte ich morgen anders machen?
  • Körper-Scan: Bevor du in eine Begleitung gehst — wie fühlt sich dein Körper an? Bist du reguliert? Bist du geerdet?

Wöchentliche Reflexion

  • Wochenrückblick: 30 Minuten am Ende der Woche. Muster erkennen, Themen identifizieren
  • Energiehaushalt: Wie viel Energie habe ich gegeben? Wie viel habe ich aufgetankt? Ist die Balance gesund?

Nach jeder Begleitung

  • Post-Session-Protokoll: Innerhalb von 24 Stunden nach einer Begleitung. Was ist passiert? Was habe ich beobachtet — im anderen und in mir? Was hat mich berührt, irritiert, überrascht?
  • Gegenübertragungscheck: Habe ich eigenes Material auf die Erfahrung des anderen projiziert?

Warnsignale: Burnout

Psychedelische Begleitung ist emotional intensive Arbeit. Burnout ist ein reales Risiko, besonders für Menschen, die „aus dem Herzen arbeiten" und ihre eigenen Grenzen ignorieren.

Frühwarnzeichen

  • Du fühlst dich leer nach Begleitungen, statt energetisiert
  • Du vermeidest es, über deine Arbeit nachzudenken
  • Du wirst zynisch gegenüber den Menschen, die du begleitest
  • Du isolierst dich sozial
  • Du schläfst schlecht, isst unregelmäßig, bewegst dich wenig
  • Du konsumierst mehr Substanzen als gewöhnlich
  • Du hast das Gefühl, dass es nie genug ist — nie genug Arbeit, nie genug Engagement

Warnsignale: Sekundäre Traumatisierung

Sekundäre Traumatisierung (auch: Mitgefühlserschöpfung) entsteht, wenn du durch das Miterleben traumatischer Erfahrungen anderer Menschen selbst traumatisiert wirst.

Symptome:

  • Intrusive Bilder oder Gedanken von den Erfahrungen anderer
  • Erhöhte Schreckhaftigkeit
  • Schwierigkeiten, dich von der Arbeit abzugrenzen
  • Das Gefühl, dass die Welt ein unsicherer Ort ist
  • Vermeidung von bestimmten Themen oder Situationen

Was du tun kannst

  • Supervision sofort intensivieren
  • Fallzahl reduzieren — weniger ist mehr
  • Eigene therapeutische Unterstützung suchen
  • Bewegung, Natur, soziale Kontakte — die Basics nicht vernachlässigen
  • Pause machen — es ist okay, eine Auszeit zu nehmen

Selbstfürsorge ist professionell

„Ich kann mich nicht um mich kümmern, es gibt so viele Menschen, die mich brauchen." Wenn du das denkst, hast du ein Problem.

Selbstfürsorge ist keine Eitelkeit. Sie ist die Grundvoraussetzung dafür, dass du langfristig gut arbeiten kannst. Ein erschöpfter Facilitator ist kein guter Facilitator. Ein traumatisierter Facilitator ist ein gefährlicher Facilitator.

Plane Selbstfürsorge wie einen Termin. Sie ist nicht das, was übrig bleibt, wenn alles andere erledigt ist. Sie ist das Erste, was in den Kalender gehört.

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Research Context

Forschung deutet darauf hin, dass regelmäßige Supervision die Qualität der Begleitung signifikant verbessert und gleichzeitig das Risiko von Burnout und ethischen Verstößen reduziert. In der Psychotherapie ist Supervision selbstverständlich — in der psychedelischen Begleitung muss sie es ebenfalls werden.

Wheeler & Richards, 2007

Exercise

Aufgabe:

Recherchiere drei mögliche Supervisorinnen oder Supervisoren in deiner Region oder online, die Erfahrung mit psychedelischer Begleitung haben. Kontaktiere mindestens eine Person für ein Erstgespräch.

Supervision zu suchen ist keine Schwäche — es ist professioneller Standard.