
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
What you'll learn
Du verfügst über einen Werkzeugkasten praktischer Übungen für Biografie- und Wertearbeit Du kannst Übungen situationsgerecht auswählen und anleiten Du verstehst, wie du einen persönlichen Praxisplan für deine eigene Entwicklung als Facilitator erstellst Du kannst stärkenbasierte Reflexionsmethoden sicher einsetzen
Übungen für die Praxis
Dein Werkzeugkasten
Die vorangegangenen Lektionen haben das Fundament gelegt: biografische Selbstreflexion, Wertearbeit, narrative Identität. Jetzt geht es darum, dieses Wissen in konkrete Praxis zu übersetzen. Denn Wissen ohne Übung bleibt Theorie — und Theorie allein macht keinen guten Facilitator.
Die folgenden Übungen sind erprobt, adaptierbar und sowohl für die eigene Entwicklung als auch für die Arbeit mit Teilnehmern geeignet. Jede Übung enthält eine kurze Anleitung und Hinweise zur Anpassung.
1. Die Lebenslinie (Lifeline Exercise)
Die Lebenslinie ist eine der grundlegendsten Übungen der biografischen Arbeit. Sie macht die eigene Geschichte sichtbar und spürbar.
Anleitung:
- Nimm ein großes Blatt Papier (mindestens A3) und zeichne eine horizontale Linie
- Markiere links deine Geburt und rechts das aktuelle Datum
- Trage die wichtigsten Lebensereignisse als Punkte auf der Linie ein
- Positive Ereignisse über der Linie, herausfordernde unter der Linie — je höher oder tiefer, desto intensiver
- Verbinde die Punkte zu einer Kurve
- Betrachte das Ergebnis: Welche Muster erkennst du? Welche Phasen waren besonders prägend?
Vertiefung für Facilitatoren: Markiere zusätzlich die Momente, die deine Entscheidung beeinflusst haben, Menschen zu begleiten. Was hat dich zu dieser Arbeit geführt? Welche Erfahrungen haben dein Verständnis von Begleitung geformt?
2. Values Card Sort
Diese Übung hilft, Werte nicht nur kognitiv, sondern auch emotional zu erkunden.
Anleitung:
- Schreibe 30–40 Werte auf einzelne Karten (oder nutze ein vorbereitetes Set): Freiheit, Sicherheit, Ehrlichkeit, Mitgefühl, Gerechtigkeit, Kreativität, Ordnung, Mut, Verbindung, Weisheit, Humor, Respekt, Autonomie, Loyalität, Wachstum, Schönheit, Demut, Authentizität …
- Sortiere die Karten in drei Stapel: „Sehr wichtig", „Wichtig", „Weniger wichtig"
- Aus dem „Sehr wichtig"-Stapel: Wähle die fünf wichtigsten
- Aus diesen fünf: Wähle die zwei absolut zentralen
- Reflektiere: Wie zeigen sich diese zwei Kernwerte in deinem Alltag? In deiner Arbeit? In deinen Beziehungen?
Wichtig: Es gibt keine falschen Antworten. Die Übung wird interessant, wenn du ehrlich bist — nicht wenn du die „richtigen" Werte wählst.
3. Brief an das zukünftige Selbst
Diese Übung verbindet biografische Reflexion mit Zukunftsorientierung und Wertearbeit.
Anleitung:
- Stelle dir vor, du schreibst einen Brief an dich selbst — in einem Jahr
- Beginne mit: „Liebe/r [dein Name], ich schreibe dir aus dem Februar 2026 …"
- Beschreibe, wo du gerade stehst: Was beschäftigt dich? Was hast du gelernt? Was fordert dich heraus?
- Beschreibe, was du dir für das kommende Jahr wünschst — nicht materiell, sondern in Bezug auf dein Wachstum als Mensch und Facilitator
- Benenne eine konkrete Veränderung, die du dir vornimmst
- Schließe den Brief und bewahre ihn auf. Öffne ihn in einem Jahr.
4. Dankbarkeits-Mapping
Dankbarkeit ist mehr als ein Gefühl — sie ist eine Praxis, die nachweislich die emotionale Resilienz stärkt.
Anleitung:
- Zeichne in der Mitte eines Blattes einen Kreis mit dem Wort „Ich"
- Zeichne Verbindungslinien zu allen Menschen, Erfahrungen, Orten und Umständen, für die du dankbar bist
- Bei jeder Verbindung: Schreibe ein Wort oder einen Satz, der beschreibt, wofür genau du dankbar bist
- Betrachte das Gesamtbild: Was fällt dir auf? Wo gibt es Cluster? Was überrascht dich?
- Wähle eine Person aus deinem Netzwerk und drücke ihr deine Dankbarkeit aus — schriftlich oder mündlich
5. Schattenarbeit: Grundlagen
Schattenarbeit bedeutet, sich den Anteilen von dir zuzuwenden, die du lieber nicht sehen möchtest — nicht um sie zu eliminieren, sondern um sie zu integrieren.
Einstiegsübung — Der innere Kritiker im Dialog:
- Identifiziere eine innere Stimme, die dich häufig kritisiert (z.B. „Du bist nicht gut genug", „Das schaffst du nie")
- Schreibe einen kurzen Dialog mit dieser Stimme. Beginne mit ihrer typischen Aussage
- Antworte nicht ablehnend, sondern neugierig: „Was möchtest du mich schützen? Wovor hast du Angst?"
- Höre der Antwort zu — sie enthält oft eine wichtige Information über ein unerfülltes Bedürfnis
- Schließe den Dialog mit Anerkennung: „Ich sehe dich. Du versuchst, mich zu schützen. Ich übernehme jetzt die Verantwortung."
Hinweis: Schattenarbeit kann intensive Emotionen auslösen. Wenn du merkst, dass die Übung dich überwältigt, brich sie ab und suche Unterstützung — bei einer Kollegin, in der Supervision oder bei einer Fachperson.
6. Stärkenbasierte Reflexion
Statt nur an Schwächen zu arbeiten, richtet diese Übung den Blick auf das, was bereits da ist.
Anleitung:
- Liste zehn Stärken auf, die du bei dir erkennst (frage auch Freunde oder Kollegen)
- Für jede Stärke: Beschreibe eine konkrete Situation, in der du sie eingesetzt hast
- Wähle drei Stärken, die für deine Arbeit als Facilitator besonders relevant sind
- Frage dich: Wie kann ich diese Stärken bewusster einsetzen? Gibt es Situationen, in denen ich sie zurückhalte?
- Entwickle einen konkreten Plan: In den nächsten zwei Wochen setze ich die Stärke [X] bewusst in der Situation [Y] ein
7. Einen persönlichen Praxisplan erstellen
Die einzelnen Übungen gewinnen ihre volle Wirkung erst, wenn sie in eine regelmäßige Praxis eingebettet sind.
Anleitung für deinen persönlichen Plan:
- Tägliche Praxis (5–10 Minuten): Wähle eine kleine Übung — z.B. drei Sätze im Dankbarkeitsjournal, eine Atemübung, ein Moment bewusster Selbstbeobachtung
- Wöchentliche Praxis (30–60 Minuten): Reserviere Zeit für eine tiefere Übung — Lebenslinie erweitern, Werte-Reflexion, Brief schreiben, Schattenarbeit
- Monatliche Praxis (2–3 Stunden): Peer-Austausch mit anderen Facilitatoren, Supervision, Rückblick auf den vergangenen Monat
- Quartalsweise (halber Tag): Umfassende Selbstreflexion — wo stehe ich? Was hat sich verändert? Welche Muster erkenne ich? Was brauche ich als Nächstes?
Tipps für die Umsetzung:
- Beginne klein. Lieber fünf Minuten täglich als eine Stunde, die nie stattfindet
- Verbinde die Praxis mit einer bestehenden Gewohnheit (nach dem Morgenkaffee, vor dem Schlafengehen)
- Finde eine Übungspartnerin oder -partner für gegenseitige Verbindlichkeit
- Sei geduldig mit dir. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Intensität
- Dokumentiere deine Beobachtungen — nicht um Leistung zu messen, sondern um Entwicklung sichtbar zu machen
Die Übungen in dieser Lektion sind keine Einmal-Aktivitäten. Sie sind Werkzeuge, die dich über deine gesamte Laufbahn als Facilitator begleiten können — wenn du sie regelmäßig nutzt. Die beste Übung ist die, die du tatsächlich machst.
Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Research Context
Forschung deutet darauf hin, dass strukturierte Reflexionsübungen die Selbstkenntnis und emotionale Kompetenz von Begleitpersonen nachhaltig stärken.
Schön beschreibt in „The Reflective Practitioner" (Basic Books, 1983) die Bedeutung von „Reflection-in-Action" für professionelle Praxis. Seligman und Peterson zeigen in „Character Strengths and Virtues" (Oxford University Press, 2004), dass die bewusste Nutzung persönlicher Stärken mit höherem Engagement und Wohlbefinden verbunden ist — ein Prinzip, das direkt auf die Entwicklung als Facilitator übertragbar ist.
Exercise
Praxistipp:
Wähle eine Übung aus dieser Lektion und praktiziere sie eine Woche lang täglich. Beobachte, was sich verändert — in deiner Selbstwahrnehmung, in deiner Präsenz, in deinem Umgang mit anderen.
Halte deine Beobachtungen in einem kurzen täglichen Journal fest (3–5 Sätze genügen).