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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

What you'll learn

  • Du kannst den Unterschied zwischen Kernwerten und angestrebten Werten klar benennen
  • Du verstehst, wie persönliche Werte als Kompass für die Facilitation dienen
  • Du kennst ein ethisches Entscheidungsmodell für Situationen, in denen Werte in Konflikt geraten

Werte erkennen & verankern

Werte als unsichtbarer Kompass

Jede Entscheidung, die du als Facilitator triffst — ob bewusst oder unbewusst —, wird von deinen Werten geleitet. Werte sind keine abstrakten Konzepte. Sie sind die Kräfte, die bestimmen, worauf du achtest, was du priorisierst und wo du Grenzen ziehst.

Wenn du Sicherheit hoch bewertest, wirst du eher vorsichtig agieren. Wenn Freiheit dein Leitwert ist, gibst du Teilnehmern mehr Raum. Wenn dir Gemeinschaft wichtig ist, gestaltest du Gruppenprozesse anders als jemand, dessen Kernwert Autonomie ist.

Keiner dieser Werte ist besser oder schlechter. Aber jeder formt deine Arbeit. Und wenn du nicht weißt, welche Werte dich leiten, triffst du Entscheidungen, ohne zu verstehen, warum.

Kernwerte vs. angestrebte Werte

Eine der wichtigsten Unterscheidungen in der Wertearbeit: Es gibt Werte, die du tatsächlich lebst — und Werte, die du gerne leben würdest.

Kernwerte zeigen sich in deinem Verhalten, besonders unter Druck. Wenn es schwierig wird, was tust du dann? Welche Prioritäten setzt du, wenn du keine Zeit zum Nachdenken hast? Das sind deine gelebten Werte.

Angestrebte Werte sind die, die du bewunderst, die du auf deine Liste schreibst, die sich richtig anfühlen. Sie sind nicht falsch — aber sie sind vielleicht noch nicht verkörpert. Der Raum zwischen gelebten und angestrebten Werten ist kein Makel. Er ist dein Wachstumsgebiet.

Wie du den Unterschied erkennst:

  • Kernwerte: Zeigen sich in deinem Kalender, deinem Konto, deinen Konflikten
  • Angestrebte Werte: Zeigen sich in deinen Visionen, deinen Vorsätzen, deinen Idealen
  • Die ehrlichste Frage: Wenn jemand nur dein Verhalten beobachten würde, ohne dich zu fragen — welche Werte würde diese Person bei dir erkennen?

Werte in der Facilitation

In der Begleitung psychedelischer Erfahrungen spielen Werte eine besonders große Rolle, weil die Arbeit so nah am Menschen stattfindet. Deine Werte bestimmen:

  • Wie du Grenzen setzt: Ist dir Fürsorge wichtiger als Autonomie? Dann neigst du möglicherweise dazu, einzugreifen, wo Zurückhaltung angemessener wäre.
  • Wie du mit Macht umgehst: Schätzt du Gleichwertigkeit, wirst du Hierarchien im Setting bewusst flach halten. Bewertest du Expertise hoch, positionierst du dich stärker als Autorität.
  • Wie du mit Unsicherheit umgehst: Ist dir Klarheit wichtig, gibst du schnell Orientierung. Ist dir Offenheit wichtig, hältst du Ambiguität länger aus.
  • Wie du mit ethischen Grenzsituationen umgehst: Wenn ein Teilnehmer etwas möchte, das deinen Werten widerspricht — wie reagierst du?

Ethisches Entscheidungsmodell

In der Praxis geraten Werte regelmäßig in Konflikt. Ein Teilnehmer bittet dich um etwas, das deinem Wert der Autonomie entspricht, aber deinem Wert der Fürsorge widerspricht. Ein Gruppensetting erfordert eine Entscheidung zwischen Transparenz und Schutz.

Ein einfaches Modell für solche Situationen:

  1. Benennen: Welche Werte stehen in Konflikt? (z.B. Ehrlichkeit vs. Mitgefühl)
  2. Kontextualisieren: Was steht konkret auf dem Spiel? Für wen? In welchem Ausmaß?
  3. Perspektiven einholen: Wie würde eine geschätzte Kollegin entscheiden? Was würde die betroffene Person sich wünschen?
  4. Entscheiden: Triff eine Entscheidung — und steh dazu. Perfekte Lösungen gibt es in Wertekonflikten selten.
  5. Reflektieren: Überprüfe die Entscheidung im Nachgang. Was hast du gelernt? Was würdest du nächstes Mal anders machen?

Leben vs. Benennen

Die gefährlichste Form der Wertearbeit ist die, die nur im Kopf stattfindet. Werte auf ein Blatt zu schreiben, ist einfach. Werte zu leben, besonders wenn es unbequem wird, ist die eigentliche Arbeit.

Zeichen, dass du deine Werte lebst:

  • Du triffst Entscheidungen, die dir kurzfristig Nachteile bringen, weil sie mit deinen Werten übereinstimmen
  • Du kannst „Nein" sagen zu Gelegenheiten, die deinen Werten widersprechen
  • Du benennst Wertekonflikte offen, statt sie zu umgehen
  • Dein Verhalten in Stresssituationen stimmt mit deinen erklärten Werten überein

Zeichen, dass Werte noch nicht verankert sind:

  • Du kannst deine Werte benennen, aber in konkreten Situationen handelst du anders
  • Du passt deine erklärten Werte dem Publikum an
  • Unter Druck verschwinden deine Werte als Erstes
  • Es gibt eine sichtbare Lücke zwischen dem, was du sagst, und dem, was du tust

Die Wertearbeit ist nie abgeschlossen. Sie ist ein kontinuierlicher Prozess der Selbstbeobachtung, der Ehrlichkeit und des Mutes, die eigene Inkongruenz anzuerkennen — und daran zu wachsen.

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Research Context

Schwartz beschreibt in seiner Theorie der grundlegenden menschlichen Werte (Advances in Experimental Social Psychology, 2012), dass Werte als motivationale Ziele fungieren, die über Situationen hinweg stabil bleiben.

Forschung deutet darauf hin, dass wertekongruentes Handeln — also das Übereinstimmen von erklärten Werten und tatsächlichem Verhalten — ein zentraler Faktor für Authentizität und Vertrauenswürdigkeit in helfenden Beziehungen ist (Lekes et al., Personality and Social Psychology Bulletin, 2012).

Exercise

Werte-Übung:

Schreibe zehn Werte auf, die dir spontan einfallen. Streiche dann fünf. Dann drei. Die zwei verbleibenden sind deine aktuellen Kernwerte.

Frage dich: Leben diese Werte in meinem Alltag — oder sind sie nur eine schöne Idee? Wie zeigen sie sich konkret in meiner Arbeit als Facilitator?