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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

What you'll learn

  • Verschiedene Grounding-Techniken situationsgerecht einsetzen können
  • Anzeichen von Dissoziation, Überwältigung und Gedankenschleifen erkennen
  • Ein persönliches Grounding-Kit für die Begleitung zusammenstellen

Grounding-Techniken

Erdungs-Sequenz: Fünf progressive Schritte — Füße am Boden, Hände auf Fläche, tiefes Atmen, Umgebung benennen, kaltes Wasser — als fließende Abfolge

Was ist Grounding?

Grounding bedeutet wörtlich „Erdung" — die bewusste Rückverbindung mit dem gegenwärtigen Moment, dem eigenen Körper und der physischen Umgebung. In psychedelischen Erfahrungen können Teilnehmer den Kontakt zur alltäglichen Realität verlieren. Grounding-Techniken sind dein wichtigstes Werkzeug, um sie sanft zurückzuholen.

Wann brauchst du Grounding?

  • Dissoziation: Der Teilnehmer wirkt abwesend, reagiert nicht auf Ansprache, starrt ins Leere
  • Überwältigung: Zu viele Eindrücke gleichzeitig, Weinen, Schreien, Panik
  • Gedankenschleifen: Dieselben Gedanken kreisen immer wieder, ohne Auflösung
  • Derealisierung: Die Umgebung fühlt sich unwirklich an, „wie im Film"
  • Depersonalisierung: Das eigene Selbst fühlt sich fremd an

Die 5-4-3-2-1-Technik

Die bekannteste und effektivste Grounding-Methode. Sie nutzt alle fünf Sinne, um die Aufmerksamkeit zurück in die physische Gegenwart zu bringen.

Anleitung:

„Schau dich um und benenne mir fünf Dinge, die du sehen kannst." „Jetzt vier Dinge, die du berühren oder fühlen kannst." „Drei Dinge, die du hören kannst." „Zwei Dinge, die du riechen kannst." „Ein Ding, das du schmecken kannst."

Tipps für die Anwendung:

  • Sprich langsam und gib Zeit für jede Antwort
  • Wenn der Teilnehmer nicht sprechen kann, beschreibe du die Sinneseindrücke
  • Beginne mit dem Sehen — es ist am leichtesten zugänglich
  • Passe die Reihenfolge an, wenn ein Sinn nicht verfügbar ist (geschlossene Augen → überspringe Sehen)

Body-Scan als Grounding

Ein verkürzter Body-Scan kann schnell erden:

„Spüre deine Füße auf dem Boden. Spüre das Gewicht deines Körpers auf der Unterlage. Spüre den Kontakt deiner Hände mit der Decke. Spüre die Luft auf deiner Haut."

Dieser Mini-Scan dauert 30 Sekunden und bringt die Aufmerksamkeit zurück in den Körper.

Physische Grounding-Methoden

Füße auf den Boden:

  • Die einfachste Methode: Schuhe aus, Füße fest auf den Boden stellen
  • Bewusstes Drücken der Fußsohlen gegen den Untergrund
  • „Spüre den Boden unter deinen Füßen. Er trägt dich."

Kaltes Wasser:

  • Ein kühles, feuchtes Tuch auf Stirn, Nacken oder Handgelenke
  • Eiswürfel in die Hand (mit Consent)
  • Kurzer sensorischer „Reset" für das Nervensystem

Gewichtsdecken und Kissen:

  • Gewicht auf dem Körper vermittelt Sicherheit und Begrenzung
  • Schwere Decke über Beine oder Oberkörper
  • Ein Kissen zum Festhalten oder gegen die Brust drücken

Bilaterale Stimulation:

  • Abwechselndes Klopfen auf linkes und rechtes Knie
  • Der Teilnehmer kann dies selbst tun oder du fragst, ob du es tun darfst
  • Rhythmisches, langsames Wechseln (ca. 1 Mal pro Sekunde)

Grounding-Objekte

Halte eine Auswahl an Objekten bereit, die sensorische Anker bieten:

  • Glatte Steine — kühl, schwer, greifbar
  • Ätherische Öle — Pfefferminze oder Zitrus sind besonders erdend
  • Texturen — ein weiches Tuch, ein raues Stück Holz
  • Ein vertrautes Objekt — frage im Vorgespräch, ob der Teilnehmer etwas Eigenes mitbringen möchte

Dein Grounding-Kit zusammenstellen

Packe vor jeder Sitzung ein Kit mit:

Kategorie Gegenstände
Sehen Kerze, Naturbilder, beruhigende Farbkarten
Fühlen Glatte Steine, Gewichtsdecke, Kissen, Stofftier
Hören Klangschale, leise Naturgeräusche, deine Stimme
Riechen Ätherische Öle (Pfefferminze, Lavendel, Zitrus)
Schmecken Ingwerbonbons, Zitronenwasser, dunkle Schokolade
Temperatur Kühle Tücher, warme Decke

Wann Grounding — und wann nicht?

Grounding einsetzen, wenn:

  • Der Teilnehmer signalisiert, dass er zurückkommen möchte
  • Sicherheitsbedenken bestehen (Selbstgefährdung, starke Dissoziation)
  • Der Teilnehmer in einer Schleife feststeckt und darunter leidet

Grounding zurückhalten, wenn:

  • Der Teilnehmer tief in einem produktiven Prozess ist
  • Emotionen fließen und der Teilnehmer sich sicher fühlt
  • Der Prozess intensiv, aber nicht bedrohlich ist

Die Unterscheidung zwischen „intensiv, aber produktiv" und „überwältigend und destabilisierend" ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die du als Facilitator entwickelst. Sie kommt mit Erfahrung und Supervision.

Research Context

Die 5-4-3-2-1-Technik basiert auf Prinzipien der kognitiven Verhaltensforschung und wird in der Trauma-Arbeit breit eingesetzt (Najavits, „Seeking Safety", 2002).

Forschung deutet darauf hin, dass sensorische Stimulation — insbesondere bilaterale Stimulation — die Verarbeitung belastender Erfahrungen unterstützen kann (Shapiro, „EMDR: Eye Movement Desensitization and Reprocessing", 2001). Babette Rothschild beschreibt in „The Body Remembers" (2000), wie sensorische Anker das Nervensystem stabilisieren.

Exercise

Ein gut sortiertes Grounding-Kit ist wie ein Erste-Hilfe-Koffer: Du brauchst es selten in voller Ausstattung, aber wenn du es brauchst, muss alles griffbereit sein. Stelle dein Kit vor jeder Sitzung zusammen und platziere es in Reichweite.