
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
What you'll learn
Du kennst die kulturelle Geschichte des zeremoniellen Kakaos und kannst sie respektvoll in deinen Retreat-Kontext einbetten Du kannst eine vollständige Kakaozeremonie planen, vorbereiten und durchführen — von der Beschaffung bis zum Closing Circle Du verstehst die Pharmakologie von zeremoniellem Kakao und kennst die relevanten Sicherheitshinweise Du weißt, wie die Kakaozeremonie als sanfter Einstieg in psychedelische Retreats Gruppenkohäsion aufbaut
Kakaozeremonie als Verbindungsritual
Geschichte des zeremoniellen Kakaos
Theobroma cacao — „Speise der Götter". Dieser Name, den Carl von Linné der Kakaopflanze gab, spiegelt eine jahrtausendealte Beziehung zwischen Mensch und Pflanze wider, die weit über Schokolade hinausgeht.
Die Maya verwendeten Kakao bereits vor über 3.000 Jahren in zeremoniellen Kontexten. Er war kein Genussmittel, sondern ein heiliges Getränk — verbunden mit Ritualen der Gemeinschaft, der Übergänge und der Verbindung zum Göttlichen. Die Azteken nannten ihn „xocolātl" und reservierten ihn für Priester, Krieger und zeremonielle Anlässe. Kakaobohnen dienten als Währung und als Opfergabe — ein Zeichen dafür, wie hoch der Wert dieser Pflanze geschätzt wurde.
Die koloniale Geschichte des Kakaos ist eine Geschichte der Enteignung. Was einst heilig war, wurde zur Massenware. Die moderne Wiederentdeckung des zeremoniellen Kakaos — seit den 2000er-Jahren durch Personen wie Keith Wilson (Keith's Cacao) vorangetrieben — versucht, die Verbindung zur ursprünglichen Verwendung wiederherzustellen. Dabei ist kulturelle Sensibilität wichtig: Wir können die Tradition ehren, ohne sie zu kopieren. Wir können lernen, ohne uns anzueignen.
Zeremonieller Kakao — was ihn besonders macht
Zeremonieller Kakao unterscheidet sich grundlegend von handelsüblichem Kakaopulver:
- Verarbeitung: Minimal verarbeitet, nicht alkalisiert (kein „Dutch Process"), nicht entfettet. Die volle Kakaobutter bleibt erhalten.
- Qualität: Direkt von kleinen Farmen bezogen, oft in Guatemala, Peru, Ecuador oder Kolumbien. Fair gehandelt, häufig in Zusammenarbeit mit indigenen Gemeinschaften.
- Form: Kommt als massive Blöcke oder Scheiben, nicht als Pulver. Wird zerkleinert und in warmem Wasser aufgelöst.
- Wirkstoffprofil: Höherer Gehalt an Theobromin, Anandamid, Phenylethylamin und MAO-Hemmern als industriell verarbeiteter Kakao.
Empfohlene Quellen: Keith's Cacao (Guatemala), Ora Cacao (fair gehandelt, verschiedene Herkünfte), oder europäische Anbieter wie Cacaomama oder Cacao Mama. Achte auf direkte Handelsbeziehungen, minimale Verarbeitung und transparente Lieferketten.
Zubereitung — ein Ritual in sich
Die Zubereitung des Kakaos ist bereits der Beginn der Zeremonie. Nicht ein Schritt davor, sondern ein Teil davon.
Dosierung: 30–42 g pro Person. Für einen Retreat-Kontext empfehlen sich 35 g als Standarddosis — genug für eine spürbare Wirkung, nicht so viel, dass empfindliche Teilnehmer sich unwohl fühlen.
Zubereitung Schritt für Schritt:
- Kakao zerkleinern: Brich die zeremoniellen Blöcke in kleine Stücke. Einige Facilitatoren machen dies schweigend und mit Intention.
- Wasser erhitzen: Verwende Wasser, nicht Milch. Milch bindet die Wirkstoffe und reduziert die Effektivität. Erhitze das Wasser auf etwa 70–80 °C — nicht kochen, da zu große Hitze die empfindlichen Wirkstoffe schädigt.
- Kakao einrühren: Gib den zerkleinerten Kakao ins warme Wasser und rühre mit einem Holzlöffel oder einem traditionellen Molinillo von Hand. Kein Mixer, kein Schneebesen — die Langsamkeit ist Teil des Prozesses.
- Gewürze (optional): Eine Prise Cayennepfeffer (wie die Maya ihn verwendeten — wärmt und öffnet), Vanille (beruhigend, herzöffnend), Zimt (wärmend, stabilisierend), getrocknete Rosenblütenblätter (für das Herzthema). Jedes Gewürz bewusst hinzufügen.
- Süße (optional): Wenn du süßt, verwende Honig oder Kokosblütenzucker — dezent. Zeremonieller Kakao ist von Natur aus bitter, und diese Bitterkeit gehört dazu. Sie ist eine Einladung, das Bittere im Leben zu schmecken, ohne es sofort versüßen zu wollen.
- Intention setzen: Während des Rührens setze eine stille Intention für die Zeremonie. Was soll dieser Kakao in der Gruppe bewirken? Verbindung? Öffnung? Ankunft?
Pharmakologie — Was Kakao im Körper bewirkt
Zeremonieller Kakao ist kein Psychedelikum. Das ist wichtig zu verstehen und klar zu kommunizieren. Er ist ein mildes, herzöffnendes Pflanzenpräparat mit einem komplexen Wirkstoffprofil:
Theobromin: Der Hauptwirkstoff. Chemisch verwandt mit Koffein, aber sanfter und länger wirkend. Theobromin wirkt vasodilatatorisch — es erweitert die Blutgefäße und kann ein Gefühl von Wärme und Öffnung im Brustbereich erzeugen. Anders als Koffein macht Theobromin nicht nervös oder unruhig.
Anandamid: Ein endogenes Cannabinoid, das der Körper auch selbst produziert. Der Name stammt vom Sanskrit-Wort „Ananda" (Glückseligkeit). Kakao enthält sowohl Anandamid als auch Verbindungen, die seinen Abbau verlangsamen — was zu einem sanften Gefühl von Wohlbefinden beitragen kann.
Phenylethylamin (PEA): Eine körpereigene Substanz, die bei Verliebtheit in erhöhten Mengen ausgeschüttet wird. Kakao enthält PEA in geringen Mengen, was zum Gefühl emotionaler Wärme und Verbundenheit beitragen kann.
MAO-Hemmer: Kakao enthält geringe Mengen von Verbindungen, die das Enzym Monoaminoxidase hemmen. Dies kann dazu führen, dass Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin langsamer abgebaut werden — was stimmungsaufhellend wirken kann.
Gesamtwirkung: Die subjektive Erfahrung wird oft beschrieben als sanfte Euphorie, emotionale Wärme, erhöhte Präsenz, ein Gefühl von Herzöffnung und gesteigerter Fokus. Die Wirkung setzt nach etwa 20–30 Minuten ein und hält 2–4 Stunden an.
Sicherheitshinweise
Obwohl zeremonieller Kakao generell als sicher gilt, gibt es wichtige Kontraindikationen:
- SSRIs und andere Antidepressiva: Die MAO-hemmenden Eigenschaften des Kakaos können mit SSRIs interagieren. Teilnehmer, die Antidepressiva einnehmen, sollten ihre Dosis auf maximal 20 g reduzieren oder nach ärztlicher Rücksprache auf den Kakao verzichten.
- Herzerkrankungen: Theobromin ist ein mildes Stimulans, das die Herzfrequenz leicht erhöhen kann. Bei ernsthaften Herzerkrankungen ist Vorsicht geboten.
- Schwangerschaft: Obwohl moderate Mengen als unbedenklich gelten, sollten Schwangere Rücksprache halten und gegebenenfalls eine geringere Dosis wählen.
- Empfindliche Mägen: Kakao auf nüchternen Magen kann bei empfindlichen Personen Übelkeit auslösen. Ein leichter Snack vorher kann helfen.
Frage vor jeder Zeremonie: Nimmt jemand von euch regelmäßig Medikamente ein? Gibt es Herzerkrankungen? Schwangerschaft? Diese Fragen sind Teil deiner Sorgfaltspflicht als Facilitator.
Ablauf der Kakaozeremonie
Eine vollständige Kakaozeremonie für ein Retreat dauert etwa 90–120 Minuten. Hier ein bewährter Ablauf:
1. Opening Circle (10 Min.) Die Gruppe versammelt sich im Kreis. Der Facilitator heißt willkommen und erklärt den Rahmen. Kurze Geschichte des Kakaos — woher er kommt, was er traditionell bedeutet. Keine langen Vorträge, sondern ein paar ehrliche Sätze.
2. Intention setzen (10 Min.) Jeder Teilnehmer wird eingeladen, eine persönliche Intention für die Zeremonie zu setzen. Stille Reflexionszeit. Optional: Die Intention wird leise in den eigenen Becher gesprochen.
3. Kakaosegen (5 Min.) Der Facilitator segnet den Kakao — auf eine Weise, die authentisch ist. Das kann ein Dankgebet sein, ein Moment der Stille, oder eine einfache Anerkennung: „Wir danken der Pflanze, den Menschen, die sie angebaut haben, und dem Land, auf dem sie gewachsen ist." Keine aufgesetzten Rituale. Nur Ehrlichkeit.
4. Bewusstes Trinken (10–15 Min.) Die Becher werden verteilt. Die Gruppe trinkt gemeinsam — langsam, bewusst, in Stille. Jeder Schluck ist eine Einladung, im Körper anzukommen. Der Geschmack — bitter, erdig, warm — ist Teil der Erfahrung.
5. Meditation oder Atemarbeit (15–20 Min.) Wenn der Kakao zu wirken beginnt, leitet der Facilitator eine sanfte Meditation oder Atemsession an. Keine intensive Atemarbeit (Holotropes Atmen o. Ä.), sondern ruhiges, bewusstes Atmen. Fokus auf den Herzraum.
6. Herzöffnende Musik (20–30 Min.) Musik, die Emotionen einlädt, ohne sie zu erzwingen. Akustische Instrumente, sanfte Stimmen, Mantras oder ambient-meditative Klänge. Die Musik sollte einen Bogen haben: sanfter Beginn, emotionale Mitte, ruhiges Ausklingen. Teilnehmer können liegen, sich bewegen, weinen, lachen — alles ist erlaubt.
7. Sharing Circle (15–20 Min.) Die Gruppe kommt zurück in den Kreis. Jeder, der möchte, teilt, was er erfahren hat. Keine Pflicht, kein Druck. Der Facilitator hält den Raum — mit Stille nach jedem Beitrag, ohne Kommentar.
8. Closing (5–10 Min.) Dankbarkeit für die gemeinsame Erfahrung. Symbolischer Abschluss — Kerze löschen, Hände halten, gemeinsamer Atemzug. Übergang zurück in den Retreat-Alltag.
Kakaozeremonie als Einstieg in psychedelische Retreats
Die Kakaozeremonie eignet sich hervorragend als erstes gemeinsames Ritual eines Retreats. Warum?
- Sanfter Einstieg: Kakao ist kein Psychedelikum. Die Wirkung ist mild, kontrollierbar und nicht überwältigend. Das gibt Teilnehmern, die nervös sind, ein Gefühl von Sicherheit.
- Gruppenkohäsion: Das gemeinsame Trinken, die geteilte Erfahrung, das Sharing danach — all das baut Verbindung auf, bevor die intensivere Arbeit beginnt.
- Ritual-Kompetenz: Teilnehmer lernen, sich in einem zeremoniellen Rahmen zu bewegen — ankommen, Intention setzen, sich öffnen, teilen, abschließen. Diese Kompetenz ist wertvoll für spätere, intensivere Erfahrungen.
- Vertrauen aufbauen: Die Kakaozeremonie zeigt den Teilnehmern, wie du als Facilitator arbeitest. Sie erleben deine Präsenz, deine Art, Raum zu halten, deine Stimme. Das schafft Vertrauen für das, was noch kommt.
Kulturelle Sensibilität
Die Kakaozeremonie, wie wir sie in westlichen Retreat-Kontexten praktizieren, ist eine Adaption — keine originalgetreue Reproduktion indigener Zeremonien. Diese Ehrlichkeit ist wichtig.
Was das bedeutet:
- Benenne die Herkunft. Erzähle, woher die Tradition kommt, ohne sie dir anzueignen.
- Verwende keinen indigenen Schmuck, keine Stammesgewänder, keine kopierten Ritualelemente, die nicht deine sind.
- Kaufe zeremoniellen Kakao von Quellen, die fair mit den Anbaugemeinschaften handeln.
- Gestalte die Zeremonie authentisch — in einem Stil, der zu dir, deiner Gruppe und deinem Kontext passt.
Kulturelle Sensibilität bedeutet nicht, die Zeremonie abzulehnen. Sie bedeutet, sie mit Bewusstheit und Demut zu praktizieren. Die Pflanze selbst gehört niemandem. Aber die Art, wie wir mit ihr arbeiten, sagt viel über unsere Haltung aus.
Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Research Context
Theobromin, der primäre Wirkstoff in Kakao, gehört zur Klasse der Methylxanthine und wirkt als mildes Stimulans mit vasodilatatorischen Eigenschaften. Forschung deutet darauf hin, dass Kakao zudem Anandamid enthält — ein endogenes Cannabinoid, das an der Regulation von Stimmung und Wohlbefinden beteiligt ist. Phenylethylamin, ein weiterer Inhaltsstoff, wird mit Gefühlen von Verliebtheit und emotionaler Wärme assoziiert. Wichtig: Kakao enthält MAO-Hemmer (Monoaminoxidase-Hemmer) in geringen Mengen, was bei gleichzeitiger Einnahme von SSRIs zu Wechselwirkungen führen kann.
Martínez-Pinilla et al., Frontiers in Pharmacology, 2015. Di Tomaso et al., Nature, 1996. Yamada et al., Journal of Chromatography B, 2002.
Exercise
Praktische Vorbereitung:
Bestelle zeremoniellen Kakao von einer ethisch arbeitenden Quelle (z. B. Keith's Cacao, Ora Cacao, oder europäische Anbieter wie Cacaomama). Probiere ihn zunächst allein aus — bereite 35 g mit 200 ml warmem Wasser zu, rühre von Hand und trinke bewusst.
Beobachte: Was spürst du nach 20, 40, 60 Minuten? Wie verändert sich dein Herzgefühl? Dein Fokus? Dein emotionaler Zustand? Diese eigene Erfahrung ist die Grundlage, bevor du den Kakao für andere zubereitest.