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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

What you'll learn

  • Du verstehst die Funktion von Check-in, Check-out und Ritualen als strukturgebende Elemente im Retreat
  • Du kennst verschiedene Check-in- und Check-out-Formate und kannst sie situationsgerecht einsetzen
  • Du kannst Opening- und Closing-Circles bewusst gestalten und moderieren

Check-in, Check-out & Rituale

Warum Rituale funktionieren

Rituale sind keine esoterische Dekoration. Sie sind psychologische Werkzeuge, die Übergänge markieren. Von draußen nach drinnen. Vom Alltag in den Retreat-Raum. Von der individuellen Erfahrung zurück in die Gemeinschaft.

Das menschliche Nervensystem braucht Orientierung. Rituale geben diese Orientierung, indem sie sagen: Jetzt beginnt etwas. Jetzt endet etwas. Jetzt sind wir gemeinsam hier. Ohne solche Markierungen verschwimmen die Grenzen — und mit ihnen die Sicherheit.

Check-in-Formate

Der Check-in ist das erste gemeinsame Ritual des Tages. Er gibt jedem Teilnehmer die Möglichkeit, anzukommen — nicht nur physisch, sondern auch emotional. Hier einige bewährte Formate:

Wetterbericht: „Wenn du heute ein Wetter wärst, welches wärst du?" Sonne, Gewitter, Nebel, leichter Regen. Diese Metapher umgeht den Intellekt und lässt Teilnehmer ehrlich sein, ohne sich erklären zu müssen.

Ein Wort: Jeder Teilnehmer sagt ein einziges Wort, das seinen aktuellen Zustand beschreibt. Keine Erklärung, keine Diskussion. Schnell, ehrlich und überraschend aufschlussreich.

Skalierung: „Auf einer Skala von 1 bis 10 — wie präsent bin ich gerade?" Das gibt dir als Facilitator einen schnellen Überblick über den Zustand der Gruppe und zeigt, wo möglicherweise mehr Unterstützung nötig ist.

Körper-Scan: „Wo im Körper spürst du dich gerade am meisten?" Lenkt die Aufmerksamkeit vom Kopf in den Körper — eine wichtige Vorbereitung auf intensive Erfahrungen.

Check-out-Formate

Der Check-out schließt den Tag oder eine Session ab. Er gibt jedem Teilnehmer die Möglichkeit, das Erlebte zu bündeln und bewusst loszulassen.

Dankbarkeit: „Wofür bist du gerade dankbar?" Einfach und wirksam. Dankbarkeit verankert positive Erfahrungen und schließt den Tag mit einer konstruktiven Energie ab.

Etwas mitnehmen: „Was nimmst du von heute mit?" Hilft bei der Integration und gibt dem Erlebten Bedeutung.

Drei Worte: Drei Worte, die den Tag zusammenfassen. Knapp, poetisch und oft überraschend tiefgründig.

Stille: Manchmal ist der beste Check-out kein verbaler. Eine Minute gemeinsame Stille, ein tiefer Atemzug, ein Blick in die Runde. Nicht jeder Tag braucht Worte.

Opening Circle

Der Opening Circle zu Beginn des Retreats ist das wichtigste Ritual der gesamten Veranstaltung. Er setzt den Ton, schafft den Rahmen und definiert den gemeinsamen Raum.

Elemente eines wirkungsvollen Opening Circles:

  1. Ankommen im Kreis: Alle sitzen gleichberechtigt. Kein Kopfende, keine Hierarchie.
  2. Begrüßung: Der Facilitator heißt willkommen — warmherzig, ehrlich, ohne Übertreibung.
  3. Rahmensetzung: Vertraulichkeit, Respekt, Eigenverantwortung. Keine Regelliste, sondern Einladungen.
  4. Kerze oder Symbolisches: Ein visuelles Element, das den Beginn markiert. Das Anzünden einer Kerze, das Öffnen eines Kreises.
  5. Intention-Sharing: Jeder teilt seine Intention für das Retreat.
  6. Stille: Der Circle endet in geteilter Stille — dem gemeinsamen Atemzug, mit dem alles beginnt.

Closing Circle

Der Closing Circle ist das Gegenstück — ebenso wichtig, oft vernachlässigt. Er schließt den Raum, der im Opening Circle geöffnet wurde. Ohne bewussten Abschluss bleibt die Erfahrung energetisch offen, was die Integration erschwert.

Elemente:

  1. Harvest Circle: Jeder teilt, was er aus dem Retreat „erntet" — ein Bild, ein Gefühl, eine Erkenntnis.
  2. Dankbarkeitsrunde: Konkrete Dankbarkeit — an einzelne Personen, an die Gruppe, an sich selbst.
  3. Intention revisited: Was hat sich seit dem Opening Circle verändert? Was hat die Erfahrung mit der ursprünglichen Intention gemacht?
  4. Symbolischer Abschluss: Kerze löschen, Kreis schließen, gemeinsamer Atemzug.
  5. Übergang: Bewusste Brücke zwischen Retreat-Raum und Alltag.

Übergangsrituale im Retreat-Alltag

Nicht nur Anfang und Ende brauchen Rituale. Auch die Übergänge dazwischen:

  • Vor einer Session: Gemeinsames Atmen, Ankommen, Stille
  • Nach einer Session: Kurzes Sharing, Grounding, Bewegung
  • Mahlzeiten: Gemeinsamer Beginn (ein Moment der Stille, ein Dankwort), gemeinsames Beenden
  • Abends: Ein Abschlusswort, eine Gute-Nacht-Runde

Diese kleinen Rituale schaffen den Rhythmus des Retreats. Und Rhythmus schafft Sicherheit.

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Research Context

Forschung deutet darauf hin, dass ritualisierte Übergänge — wie bewusstes Ankommen und Verabschieden — den psychologischen Rahmen für Gruppenerfahrungen stärken.

Turner beschreibt in „The Ritual Process" (1969) das Konzept der Liminalität: Rituale schaffen einen Schwellenraum, in dem gewohnte Rollen und Regeln vorübergehend aufgehoben werden. Van Gennep (1909/2004) betont die Bedeutung von Eingangs- und Ausgangsritualen für die Integration veränderter Bewusstseinszustände.

Exercise

Ausprobieren:

Führe eine Woche lang morgens ein persönliches Check-in durch. Setz dich hin, schließ die Augen und beantworte dir selbst drei Fragen: 1) Wie geht es mir körperlich? 2) Was beschäftigt mich emotional? 3) Was brauche ich heute?

Beobachte, wie diese einfache Praxis dein Tagesbewusstsein verändert.