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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

What you'll learn

  • Kreative Ausdrucksformen als Integrationswerkzeuge anleiten können
  • Einen sicheren Rahmen für künstlerischen Ausdruck ohne Leistungsdruck schaffen
  • Verschiedene Kreativmethoden situations- und teilnehmergerecht auswählen
  • Verstehen, warum non-verbale Ausdrucksformen für die Integration besonders wertvoll sind

Kreativität als Integrationsweg

Psychedelische Erfahrungen enthalten oft Dimensionen, die sich mit Worten allein nicht einfangen lassen — Farben, Formen, Körperempfindungen, archetypische Bilder, Emotionen ohne Namen. Kreative Methoden bieten einen Kanal, durch den diese Erfahrungsschichten Ausdruck finden können, ohne durch die Enge der Sprache gepresst zu werden.

Grundprinzipien kreativer Integrationsarbeit

Bevor du einzelne Methoden einsetzt, verankere diese Prinzipien:

1. Kein Leistungsdruck. Kreative Integrationsarbeit ist kein Kunstunterricht. Es geht nicht um Ästhetik, technisches Können oder ein „schönes" Ergebnis. Es geht um Ausdruck, Prozess und Entdeckung.

2. Sicherer Rahmen. Schaffe eine Atmosphäre, in der sich die Teilnehmer trauen, ohne Selbstzensur zu arbeiten. Kein Bewerten, kein Kommentieren der Werke anderer (es sei denn, der Teilnehmer lädt dazu ein).

3. Materialien vorbereiten. Halte alle Materialien griffbereit, damit der kreative Fluss nicht durch Suchen unterbrochen wird.

4. Optionale Teilnahme. Nicht jeder Teilnehmer fühlt sich zu kreativen Methoden hingezogen. Biete sie an, erzwinge sie nicht.

Mandala-Zeichnen

Das Mandala — ein kreisförmiges, symmetrisches Muster — ist eine der zugänglichsten kreativen Methoden für die Integration. Warum es funktioniert:

  • Der Kreis als Form gibt Struktur, ohne einzuengen
  • Symmetrie entsteht organisch und erzeugt ein Gefühl von Ordnung
  • Der meditative, repetitive Prozess beruhigt das Nervensystem
  • Farben und Formen spiegeln oft unbewusste Inhalte wider

Anleitung: Biete vorgedruckte Mandala-Vorlagen oder leere Kreise auf Papier an. Stelle Buntstifte, Filzstifte oder Wachsmaler bereit. Lade die Teilnehmer ein, ohne Nachdenken zu beginnen und die Hand führen zu lassen.

Arbeit mit Ton

Ton (Modelliermasse) bietet eine einzigartige haptische Dimension:

  • Das dreidimensionale Formen spricht andere Verarbeitungskanäle an als Zeichnen
  • Der direkte Hautkontakt mit dem Material erdet und beruhigt
  • Unbewusste Inhalte können plastisch Gestalt annehmen
  • Es braucht keinerlei Vorkenntnisse

Lade die Teilnehmer ein, mit geschlossenen Augen zu formen und erst danach zu schauen, was entstanden ist.

Collage

Collage ist besonders zugänglich, weil sie keine Zeichenfähigkeit voraussetzt:

  • Stelle Zeitschriften, Schere, Klebestift und leere Blätter oder Karton bereit
  • Teilnehmer können Bilder und Worte auswählen, die mit ihrer Erfahrung resonieren
  • Die Kombination verschiedener Bilder erzeugt oft überraschende Bedeutungsebenen
  • Collage eignet sich besonders gut für Gruppenarbeit

Malen während und nach Sessions

Malen während einer Session erfordert spezielle Vorbereitung:

  • Während der Session: Einfache Materialien (Wasserfarben, großes Papier auf dem Boden), keine kleinteilige Arbeit, keine scharfen Werkzeuge. Nur anbieten, wenn der Teilnehmer motorisch dazu in der Lage ist
  • Nach der Session: Freiere Materialwahl, mehr Raum für detaillierte Arbeit, Gelegenheit, die Bilder der Erfahrung festzuhalten, bevor sie verblassen

Bewegung und Tanz

Der Körper trägt Erfahrungen, die der Geist noch nicht formulieren kann:

  • Freie Bewegung: Ohne Choreografie, ohne Anleitung — einfach den Körper machen lassen
  • Authentische Bewegung: Ein Teilnehmer bewegt sich mit geschlossenen Augen, ein anderer bezeugt schweigend. Besonders kraftvoll in Dyaden
  • Erdungsübungen: Langsames Gehen, Stampfen, Schütteln — besonders hilfreich zur Verarbeitung intensiver Körpererfahrungen
  • Musik dazu: Sanfte, rhythmische Klänge unterstützen den Bewegungsfluss

Stimmarbeit

Die Stimme ist ein direkter Ausdruck des inneren Erlebens:

  • Freies Tönen: Vokale oder Silben ohne Bedeutung, einfach klingen lassen
  • Kehlkopf-Entspannung: Gähnen, Seufzen, tiefes Atmen mit hörbarem Ausatmen
  • Gemeinsames Summen in der Gruppe: Erzeugt Verbundenheit und Resonanz

Kreatives Schreiben

Hier geht es nicht um literarische Qualität, sondern um ungefilterten Ausdruck:

  • Automatisches Schreiben: Stift aufs Papier, nicht stoppen, nicht korrigieren, einfach schreiben
  • Bildbeschreibung: Die Erfahrung als Landschaft, Wetterphänomen oder Geschichte beschreiben
  • Poetischer Ausdruck: Kurze Verse oder Haikus einfangen, was Prosa nicht greifen kann

Fotografie-Spaziergänge

Am Tag nach einer Erfahrung können angeleitete Spaziergänge mit der Kamera helfen:

  • Die Aufmerksamkeit auf die sinnliche Wahrnehmung lenken
  • Details in der Natur oder Umgebung entdecken, die normalerweise übersehen werden
  • Die veränderte Wahrnehmung in Bildern festhalten
  • Den Übergang zurück in den Alltag sanft gestalten

Natur-Kunst (Land Art)

Arbeiten mit natürlichen Materialien — Steine, Blätter, Äste, Blüten:

  • Vergängliche Kunst schaffen und loslassen üben
  • Die Verbindung zur Natur vertiefen
  • Muster und Ordnung in der natürlichen Welt entdecken
  • Meditative, beruhigende Tätigkeit

Integrationskunst als fortlaufende Praxis

Ermutige die Teilnehmer, kreative Methoden auch über das Retreat hinaus als Integrationspraxis beizubehalten. Ein Skizzenbuch, regelmäßiges freies Schreiben oder wöchentliches Mandala-Zeichnen können die langfristige Integration nachhaltig unterstützen.

Research Context

Forschung deutet darauf hin, dass kreative Ausdrucksformen die Integration psychedelischer Erfahrungen unterstützen, indem sie non-verbale und prä-verbale Erlebnisschichten zugänglich machen, die durch rein sprachliche Reflexion oft unerfasst bleiben.

Watts et al., „Patients\u2019 accounts of increased connectedness following psilocybin", Journal of Humanistic Psychology, 2017.

Exercise

Der wichtigste Satz, den du als Facilitator bei kreativen Methoden sagen kannst: „Es geht nicht darum, wie es aussieht. Es geht darum, was es dir zeigt." Damit nimmst du den Leistungsdruck und öffnest den Raum für authentischen Ausdruck.