
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
What you'll learn
Verschiedene Journaling-Methoden für die psychedelische Integration anleiten können Eine nachhaltige Journaling-Praxis für Teilnehmer aufbauen
Journaling als Integrationspraxis
Schreiben ist eine der wirksamsten und zugänglichsten Integrationsmethoden. Es erfordert keine besonderen Fähigkeiten, kein spezielles Material und kann zu jeder Zeit und an jedem Ort praktiziert werden. In der psychedelischen Integrationsarbeit erfüllt Journaling eine doppelte Funktion: Es hilft, flüchtige Erfahrungen festzuhalten, bevor sie verblassen — und es unterstützt die tiefere Verarbeitung des Erlebten.
Stream of Consciousness — Der ungefilterte Strom
Die grundlegendste Form des Journaling ist das freie, ununterbrochene Schreiben:
- Setze dich hin, öffne das Notizbuch und schreibe
- Keine Zensur, keine Korrektur, keine Grammatikregeln
- Wenn dir nichts einfällt, schreibe „Mir fällt nichts ein", bis der Fluss wieder einsetzt
- Ziel: Den inneren Zensor umgehen und direkt aus dem Erleben schreiben
- Empfohlene Dauer: 10–20 Minuten ohne Unterbrechung
Diese Methode eignet sich besonders gut unmittelbar nach einer Erfahrung oder am Morgen danach, wenn Eindrücke noch lebendig sind.
Gezielte Reflexionsprompts
Manche Teilnehmer brauchen Impulse, um ins Schreiben zu kommen. Hier sind Prompts, die sich in der psychedelischen Integrationsarbeit bewährt haben:
Direkt nach der Erfahrung:
- Was war das stärkste Bild, das dir begegnet ist?
- Welche Emotion war am präsentesten?
- Was hat dich überrascht?
- Gab es einen Moment, in dem sich etwas gelöst oder verändert hat?
In den Tagen danach:
- Was von der Erfahrung ist heute noch lebendig in dir?
- Welche Erkenntnis möchtest du in deinen Alltag mitnehmen?
- Was möchtest du loslassen? Was möchtest du einladen?
- Wenn die Erfahrung eine Botschaft hatte — wie würdest du sie in einem Satz formulieren?
Für die langfristige Integration:
- Was hat sich in deinem Alltag verändert seit der Erfahrung?
- Welche Gewohnheiten oder Muster betrachtest du jetzt anders?
- Wo spürst du Widerstand gegen Veränderung?
- Was brauchst du, um die Einsichten dauerhaft zu verankern?
Morning Pages — Morgenseiten
Inspiriert von Julia Camerons Methode aus „The Artist's Way":
- Jeden Morgen drei Seiten handschriftlich schreiben
- Sofort nach dem Aufwachen, bevor der Verstand zu rational wird
- Kein bestimmtes Thema — schreibe, was kommt
- Nicht zurücklesen (zumindest nicht in den ersten Wochen)
Morning Pages eignen sich hervorragend als tägliche Integrationspraxis in den Wochen nach einem Retreat.
Abendreflexion
Eine kompakte Reflexion am Ende des Tages:
- Was habe ich heute bemerkt, das mir früher nicht aufgefallen wäre?
- Wo habe ich heute die Einsichten aus meiner Erfahrung gelebt?
- Was hätte ich gerne anders gemacht?
- Wofür bin ich heute dankbar?
Diese Praxis braucht nur fünf Minuten und verankert die Integration im Tagesrhythmus.
Dankbarkeitspraxis im Journal
Dankbarkeit als spezifische Journaling-Form:
- Täglich drei bis fünf Dinge notieren, für die du dankbar bist
- Konkret und spezifisch sein: Nicht „Ich bin dankbar für meine Familie", sondern „Ich bin dankbar für das Lachen meiner Tochter heute Morgen beim Frühstück"
- Die Empfindung der Dankbarkeit beim Schreiben bewusst fühlen
- Besonders wirksam nach psychedelischen Erfahrungen, die oft ein tiefes Gefühl von Verbundenheit und Wertschätzung hinterlassen
Briefe schreiben
Eine kraftvolle Reflexionsmethode mit verschiedenen Adressaten:
- Brief an dich selbst: Schreibe dir einen Brief aus der Zukunft — die Person, die du werden möchtest, schreibt an die Person, die du heute bist
- Brief an die Erfahrung: Adressiere die psychedelische Erfahrung direkt, als wäre sie ein Gegenüber. Was möchtest du ihr sagen?
- Brief an eine Person: Ungesagte Worte, Vergebung, Dankbarkeit — ohne den Brief abzuschicken
- Brief vom inneren Kind: Lass den jüngeren Teil von dir schreiben
Diese Briefe werden nicht abgeschickt. Sie sind ein Werkzeug der Reflexion, nicht der Kommunikation.
Visuelles Journaling
Für Teilnehmer, die sich mehr zu Bildern als zu Worten hingezogen fühlen:
- Kombination aus Zeichnungen, Symbolen, Farbflächen und kurzen Textfragmenten
- Mind Maps der Erfahrung: zentrale Einsicht in der Mitte, assoziative Äste nach außen
- Farbcodes für Emotionen: Welche Farbe hat die Angst? Welche Farbe hat die Freude?
- Zeitleiste der Erfahrung als visueller Verlauf
Traumtagebuch
Psychedelische Erfahrungen wirken oft in Träumen nach:
- Sofort nach dem Aufwachen Träume notieren, bevor sie verblassen
- Verbindungen zwischen Traumsymbolik und Sessionerlebnissen erforschen
- Wiederkehrende Motive und Bilder sammeln
- Besonders relevant in den ersten zwei Wochen nach einer Erfahrung
Digital oder analog?
Beide Formen haben Berechtigung, aber:
Analog empfohlen:
- Die Handschrift verlangsamt den Denkprozess und fördert tiefere Reflexion
- Kein Ablenkungspotenzial durch Benachrichtigungen oder Internet
- Die haptische Erfahrung des Schreibens selbst kann meditativ wirken
- Zeichnungen und visuelle Elemente lassen sich leicht einfügen
Digital akzeptabel:
- Für Teilnehmer, die deutlich schneller tippen als schreiben
- Wenn Sprachbarrieren bestehen und digitale Übersetzungshilfen nützlich sind
- Für das Aufnehmen von Sprachmemos, wenn Schreiben nicht möglich ist
Eine Journaling-Praxis aufbauen
Hilf deinen Teilnehmern, eine nachhaltige Praxis zu etablieren:
- Feste Zeit: Morgens oder abends, immer zur gleichen Zeit
- Fester Ort: Ein ruhiger Platz, der mit Reflexion assoziiert wird
- Minimale Dauer: Lieber fünf Minuten täglich als eine Stunde wöchentlich
- Kein Perfektionismus: Ein Journal ist kein Literaturprojekt
- Regelmäßig zurückblättern: Nach einigen Wochen ältere Einträge lesen und Entwicklungen erkennen
Als Facilitator kannst du am Ende eines Retreats einen konkreten 30-Tage-Journaling-Plan mitgeben, der die Teilnehmer durch die erste Integrationsphase begleitet.
Research Context
Forschung deutet darauf hin, dass expressives Schreiben die Verarbeitung emotional bedeutsamer Erfahrungen unterstützt, indem es zur kognitiven Restrukturierung beiträgt und die emotionale Verarbeitung fördert.
Pennebaker & Smyth, „Opening Up by Writing It Down", Guilford Press, 2016.
Exercise
Stelle den Teilnehmern schöne, hochwertige Notizbücher zur Verfügung. Die haptische Qualität des Materials signalisiert: „Was du hier festhältst, ist wertvoll." Ein billiger Notizblock vermittelt eine andere Botschaft als ein gebundenes Journal.