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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

What you'll learn

  • Eine Playlist nach dem Bogenstruktur-Modell (aufsteigend → Höhepunkt → absteigend → Rückkehr) gestalten
  • Musikalische Phasen auf die Pharmakologie der Substanz abstimmen
  • Genre-Empfehlungen und BPM-Überlegungen für jede Sessionsphase anwenden
  • Kulturelle Sensibilität bei der Musikauswahl reflektieren

Die Architektur einer psychedelischen Playlist

Eine wirkungsvolle Playlist entsteht nicht zufällig. Sie folgt einer durchdachten Dramaturgie, die sich an der natürlichen Bogenstruktur der psychedelischen Erfahrung orientiert. Dein Ziel als Facilitator ist es, diese musikalische Architektur so zu gestalten, dass sie den Teilnehmer sicher durch alle Phasen begleitet.

Das Bogenstruktur-Modell

Die klassische Struktur einer psychedelischen Session lässt sich in vier Hauptphasen unterteilen:

1. Aufstieg (Onset) — Der sanfte Beginn. Hier baut sich die Wirkung der Substanz langsam auf. Die Musik sollte einladend, warm und unaufdringlich sein. Ambient-Klänge, Naturgeräusche und sanfte Drones eignen sich hervorragend.

2. Aufsteigende Phase — Die Intensität wächst. Die Musik darf nun emotionaler und dynamischer werden. Weltmusik, meditative Stücke mit mehr Struktur und sanft pulsierende Rhythmen tragen den Teilnehmer.

3. Höhepunkt (Peak) — Der intensivste Abschnitt der Erfahrung. Hier entfalten klassische Musik, Obertongesang, Chorwerke und orchestrale Stücke ihre größte Kraft. Die Musik darf groß, erhaben und emotional überwältigend sein.

4. Abstieg & Rückkehr — Die Intensität lässt nach. Sanfte Folk-Klänge, akustische Gitarre, leise Piano-Stücke und zarte Vokalmusik helfen dem Teilnehmer, zurückzukehren und das Erlebte zu integrieren.

Timing und Substanz-Pharmakologie

Die zeitliche Planung deiner Playlist hängt von der verwendeten Substanz ab. Für LSD-Derivate ergibt sich typischerweise folgender Rahmen:

  • Onset (0–30 min): Sanfte Ambient-Klänge, ca. 3–4 Tracks
  • Aufstieg (30 min – 2 h): Zunehmend emotionale Weltmusik, ca. 8–10 Tracks
  • Peak (2–5 h): Intensive klassische und Oberton-Musik, ca. 15–20 Tracks
  • Abstieg (5–8 h): Sanfte akustische Musik, ca. 12–15 Tracks
  • Rückkehr (8–12 h): Warme, erdende Klänge, ca. 8–10 Tracks

Genre-Empfehlungen nach Phase

Onset-Phase:

  • Brian Eno (Ambient-Klassiker)
  • Stars of the Lid (langsame Drones)
  • Naturklänge (Regen, Wald, Ozean)
  • BPM: unter 70 oder ohne erkennbaren Rhythmus

Aufsteigende Phase:

  • East Forest (speziell für Ceremonies komponiert)
  • Portico Quartet (Jazz-Ambient-Fusion)
  • Lisa Gerrard (emotionale Vokalmusik ohne verständlichen Text)
  • BPM: 70–100, langsam aufbauend

Peak-Phase:

  • Johann Sebastian Bach (Cello-Suiten, Goldberg-Variationen)
  • Arvo Pärt (minimalistische Sakralmusik)
  • Obertongesang (tibetisch oder tuwinisch)
  • Gregorianische Gesänge
  • Samuel Barber (Adagio for Strings)
  • BPM: variabel, emotionale Intensität wichtiger als Tempo

Abstiegs-Phase:

  • Jon Hopkins (Singularity, Music for Psychedelic Therapy)
  • Nils Frahm (zarte Klaviermusik)
  • Akustische Folk-Musik (ohne schwere Texte)
  • BPM: 60–80, abnehmend

Rückkehr-Phase:

  • Akustische Gitarre
  • Sanfte Weltmusik
  • Vertraute, warme Klänge
  • BPM: 60–70

BPM-Überlegungen

Die Schläge pro Minute (BPM) beeinflussen direkt das Nervensystem. Eine Faustregel:

  • Unter 60 BPM: Tiefe Entspannung, meditative Zustände
  • 60–80 BPM: Ruhepuls-Synchronisation, Geborgenheit
  • 80–100 BPM: Sanfte Aktivierung, emotionale Öffnung
  • Über 100 BPM: Meide diese Bereiche in psychedelischen Sessions (Ausnahme: schamanische Trommeln in spezifischem Kontext)

Texte und Sprache in der Musik

Während der Peak-Phase solltest du Musik mit verständlichen Texten vermeiden. Lyrics können die Erfahrung in eine bestimmte Richtung lenken oder den Teilnehmer aus seiner inneren Welt herausreißen. Vokalmusik ist willkommen — aber in Form von Obertongesang, nicht-sprachlichem Gesang oder in einer Sprache, die der Teilnehmer nicht versteht.

In der Rückkehrphase können behutsam gewählte Texte in der Muttersprache des Teilnehmers eine integrierende, tröstende Wirkung haben.

Kulturelle Sensibilität

Achte auf die Herkunft der Musik, die du verwendest. Indigene Zeremonialmusik (z. B. Icaros) hat tiefe kulturelle und spirituelle Bedeutung. Verwende sie nur, wenn du den kulturellen Kontext verstehst und respektierst. Westliche Facilitators sollten sich fragen, ob die Verwendung angemessen ist oder ob sie kulturelle Aneignung darstellt.

Eine Alternative: Suche nach zeitgenössischen Künstlern, die von diesen Traditionen inspiriert sind und bewusst eigene Werke schaffen, statt Zeremonialmusik direkt zu übernehmen.

Research Context

Forschung deutet darauf hin, dass die emotionale Valenz der Musik — nicht das Genre — den stärksten Einfluss auf die psychedelische Erfahrung hat. Musik, die als „emotional bewegend" empfunden wird, korreliert mit tieferen Erfahrungen unabhängig vom Stil.

Barrett et al., „Classical music has no era", Psychopharmacology, 2017.

Exercise

Erstelle immer eine Playlist, die mindestens 20 % länger ist als die erwartete Sessiondauer. So hast du Puffer, falls die Erfahrung länger anhält als geplant.