
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
What you'll learn
Eine persönliche Begleitungsphilosophie formulieren und den eigenen Stärken-/Entwicklungsfelder-Kompass erstellen Spezialisierungsmöglichkeiten (Gruppen vs. Einzelbegleitung, substanzspezifisch, zielgruppenspezifisch) reflektieren Den rechtlichen Rahmen für psychedelische Begleitung in Deutschland einordnen Grundlagen von Praxisaufbau, Marketing-Ethik und professioneller Absicherung verstehen
Deinen eigenen Weg als Facilitator finden
Dieses Kapitel ist anders als die vorherigen. Hier geht es nicht um Techniken, Forschung oder Protokolle. Hier geht es um dich — um die Frage, welche Art von Facilitator du sein möchtest und wie du diese Vision in eine tragfähige Praxis übersetzt.
Deine persönliche Begleitungsphilosophie
Jeder Facilitator entwickelt mit der Zeit eine eigene Haltung zur Begleitungsarbeit. Diese Philosophie ist kein starres Manifest, sondern ein lebendiger innerer Kompass, der sich mit deiner Erfahrung weiterentwickelt.
Zentrale Fragen für deine Begleitungsphilosophie:
- Menschenbild: Wie verstehst du die Menschen, die du begleitest? Als grundsätzlich heil und kompetent, die lediglich Unterstützung bei der Entfaltung brauchen? Oder als in einer Krise befindlich, die gezielte Intervention erfordert?
- Rolle des Facilitators: Siehst du dich als stille Präsenz im Hintergrund, als aktiven Begleiter oder als eine Mischung aus beidem?
- Substanzverständnis: Wie ordnest du die Rolle der Substanz ein — als Werkzeug, als Lehrerin, als Katalysator?
- Ziel der Begleitung: Was hoffst du, dass Teilnehmer aus der Erfahrung mitnehmen?
Stärken- und Entwicklungsfelder-Kompass
Nimm dir Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme:
Stärken: Worin bist du als Facilitator besonders gut? Vielleicht ist es deine ruhige Präsenz, deine Intuition für den richtigen Moment, deine Fähigkeit, Sicherheit zu vermitteln, oder dein Gespür für Gruppendynamik.
Entwicklungsfelder: Wo liegen deine Wachstumskanten? Vielleicht fällt es dir schwer, mit aggressiven Ausbrüchen umzugehen. Oder du neigst dazu, zu viel zu intervenieren. Oder dein Wissen über Körperarbeit ist noch begrenzt.
Wichtig: Entwicklungsfelder sind keine Schwächen — sie sind Einladungen zum Wachstum.
Spezialisierung reflektieren
Mit zunehmender Erfahrung stellt sich die Frage der Spezialisierung:
Einzelbegleitung vs. Gruppenarbeit: Einzelbegleitung erlaubt tiefe individuelle Zuwendung. Gruppenarbeit nutzt die kollektive Kraft und Spiegelfunktion der Gruppe. Manche Facilitatoren fühlen sich in der Stille der Einzelsitzung am wohlsten, andere blühen in der Dynamik der Gruppe auf.
Substanzspezifische Ausrichtung: Jede Substanz hat ein eigenes Profil, eine eigene Phänomenologie, eigene Herausforderungen. Eine Spezialisierung auf eine bestimmte Substanz — etwa LSD-Derivate oder Psilocybin — erlaubt vertiefte Expertise.
Zielgruppenspezifische Arbeit: Manche Facilitatoren arbeiten bevorzugt mit bestimmten Personengruppen — etwa Führungskräfte, kreative Berufe, Menschen in Übergangsphasen oder ältere Erwachsene, die existenzielle Fragen erforschen möchten.
Rechtlicher Rahmen in Deutschland
Der rechtliche Kontext in Deutschland erfordert besondere Sorgfalt:
Was du tun kannst: Begleitung und Coaching im Kontext legaler Substanzen anbieten, Aufklärung und Bildung betreiben, Integrationsarbeit nach Erfahrungen leisten, Retreats im Rahmen legaler Rahmenbedingungen organisieren.
Was du nicht tun darfst: Dich als Arzt, Psychologe oder Heilpraktiker ausgeben (ohne entsprechende Zulassung), kontrollierte Substanzen beschaffen oder verabreichen, heilkundliche Versprechen machen.
Die Grenze zwischen Coaching und Heilkunde ist in Deutschland rechtlich definiert und muss sorgfältig beachtet werden. Wenn Teilnehmer mit psychischen Vorerkrankungen zu dir kommen, ist die Zusammenarbeit mit zugelassenen Fachkräften unverzichtbar.
Praxisaufbau — erste Schritte
Der Aufbau einer eigenen Begleitungspraxis erfordert mehr als fachliche Kompetenz:
- Rechtsform klären: Freiberufliche Tätigkeit, Gewerbeanmeldung oder Vereinsgründung — die passende Form hängt von deinem Angebot ab
- Berufshaftpflicht: Eine berufliche Haftpflichtversicherung ist unerlässlich
- Buchhaltung und Steuern: Von Anfang an professionell aufstellen, auch wenn die Einnahmen noch gering sind
- Räumlichkeiten: Ob eigene Praxisräume, Retreat-Zentren oder mobile Begleitung — der Rahmen muss zum Angebot passen
Marketing-Ethik
Marketing in der psychedelischen Begleitung erfordert besondere Sensibilität:
- Keine übertriebenen Versprechen: Vermeide Formulierungen, die Ergebnisse garantieren
- Keine Angstappelle: Arbeite nicht mit Druck oder künstlicher Verknappung
- Authentische Kommunikation: Erzähle ehrlich, was du anbietest — und was nicht
- Vertraulichkeit: Nutze niemals Teilnehmergeschichten für Marketing-Zwecke ohne ausdrückliche Einwilligung
Preisgestaltung
Die Preisgestaltung ist ein sensibles Thema. Berücksichtige:
- Deinen Ausbildungsaufwand und deine Erfahrung
- Die tatsächlichen Kosten (Räume, Material, Supervision, Versicherung, Weiterbildung)
- Die Zugänglichkeit deines Angebots — Solidarpreise oder Sliding-Scale-Modelle können sicherstellen, dass finanzielle Hürden nicht zum Ausschluss führen
- Die Wertschätzung deiner eigenen Arbeit — Unterbewertung hilft weder dir noch dem Feld
Dein Facilitator-Kompass ist ein lebendiges Dokument. Überprüfe ihn regelmäßig und erlaube dir, Kurs zu korrigieren, wenn deine Erfahrung dich in neue Richtungen weist.
Research Context
Forschung deutet darauf hin, dass die Passung zwischen Facilitator-Persönlichkeit und Begleitungsstil einen signifikanten Einfluss auf die Qualität der Begleitungsbeziehung hat. Authentizität und Kongruenz werden von Teilnehmern als wichtigste Facilitator-Eigenschaften benannt.
Noorani et al., „Psychedelic Therapy Mediators", Journal of Psychopharmacology, 2021.
Exercise
Nimm dir einen ruhigen Nachmittag und beantworte schriftlich: Was ist mein Warum? Für wen möchte ich da sein? Was kann ich besonders gut — und was überlasse ich lieber anderen?