
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
What you'll learn
Du verstehst den Unterschied zwischen kultureller Wertschätzung und kultureller Aneignung im psychedelischen Kontext Du kennst konkrete Beispiele für problematische Appropriation in der psychedelischen Szene Du hast praktische Leitlinien für einen respektvollen Umgang mit indigenem Wissen entwickelt
Warum dieses Thema unbequem ist
Kulturelle Sensibilität in der psychedelischen Arbeit ist kein „Nice to have". Es ist eine ethische Verpflichtung. Und es ist ein Thema, bei dem viele Menschen in der psychedelischen Szene unbequem werden — weil es ihre eigene Praxis infrage stellt.
Wenn du als Facilitator mit psychedelischen Substanzen arbeitest, baust du auf einem Fundament auf, das nicht du gelegt hast. Indigene Völker haben über Jahrtausende ein tiefes Wissen über psychoaktive Pflanzen entwickelt — ein Wissen, das ihnen geraubt, verboten und kommerzialisiert wurde. Das zu ignorieren ist nicht nur unsensibel. Es ist ein Akt der Fortsetzung eines kolonialen Musters.
Wertschätzung vs. Aneignung
Was ist kulturelle Aneignung?
Kulturelle Aneignung bedeutet, Elemente einer anderen Kultur zu übernehmen — typischerweise einer marginalisierten Kultur —, ohne den Kontext, die Geschichte und die Bedeutung zu verstehen oder zu respektieren. Oft geschieht dies aus einer Position der Macht heraus, und die ursprüngliche Gemeinschaft profitiert nicht davon.
Wertschätzung ist etwas anderes
Kulturelle Wertschätzung bedeutet, sich respektvoll mit einer anderen Kultur auseinanderzusetzen — mit Demut, Offenheit und der Bereitschaft, zuzuhören und zu lernen. Der Unterschied liegt in der Haltung:
| Aneignung | Wertschätzung |
|---|---|
| Nimmt, ohne zu fragen | Fragt, hört zu, respektiert ein Nein |
| Ignoriert den Kontext | Versteht und ehrt den Kontext |
| Profitiert einseitig | Gibt zurück, unterstützt |
| Vermischt wahllos | Differenziert klar |
| Beansprucht Autorität | Erkennt Grenzen an |
Konkretes Beispiel
Wenn ein westlicher Facilitator:
- Einen Adlerfedern-Kopfschmuck trägt und sich „Schamane" nennt — Aneignung
- Eine Zeremonie als „traditionelle indigene Zeremonie" vermarktet, ohne Verbindung zu der Tradition — Aneignung
- Klar kommuniziert, dass die Arbeit von indigenem Wissen inspiriert ist, ohne Authentizität zu beanspruchen, und indigene Organisationen finanziell unterstützt — Wertschätzung
Ayahuasca-Tourismus: Ein Fallbeispiel
Die Entwicklung des Ayahuasca-Tourismus in Peru und anderen südamerikanischen Ländern zeigt die Probleme besonders deutlich:
Was passiert ist
Seit den 2000er-Jahren strömen Tausende westlicher Besucher in den Amazonas, um an Ayahuasca-Zeremonien teilzunehmen. Das hat eine Industrie geschaffen, die sowohl positive als auch zutiefst problematische Aspekte hat.
Die Probleme
- Pseudo-Schamanen: Die Nachfrage übersteigt das Angebot an authentischen Zeremonieleitern. Manche „Schamanen" haben nur wenige Wochen Ausbildung — statt der traditionell üblichen Jahre oder Jahrzehnte
- Preisanstieg: Die Pflanzen für Ayahuasca werden teurer, da die Nachfrage steigt. Indigene Gemeinschaften, die diese Pflanzen seit Generationen für ihren eigenen Gebrauch ernten, können sich sie teilweise nicht mehr leisten
- Umweltzerstörung: Übermäßige Ernte der Ayahuasca-Liane bedroht lokale Bestände
- Wirtschaftliche Ungleichheit: Die meisten Einnahmen fließen an westliche Betreiber und Vermittler, während die indigenen Gemeinschaften wenig davon sehen
- Sicherheitsrisiken: Unqualifizierte Anbieter bieten Zeremonien ohne angemessene Screening- oder Sicherheitsmaßnahmen an — mit teilweise fatalen Konsequenzen
- Sexueller Missbrauch: Es gibt dokumentierte Fälle von sexuellem Missbrauch durch sogenannte „Schamanen" an Teilnehmern in vulnerablen Zuständen
Die Mazatec-Perspektive
Die Geschichte von María Sabina und den Mazateken ist eine der bekanntesten Erzählungen kultureller Aneignung in der psychedelischen Geschichte.
Nach R. Gordon Wassons Veröffentlichung im Life Magazine 1957 kamen Tausende westlicher Besucher nach Huautla de Jiménez. María Sabina sagte später:
„Von dem Moment an, als die Fremden kamen, verloren die heiligen Kinder (Pilze) ihre Reinheit. Sie verloren ihre Kraft. Die Fremden haben sie verdorben. Von nun an werden sie niemandem mehr helfen."
Die Pilzzeremonien, die für die Mazateken heilige Praxis waren, wurden zum Konsumobjekt. Die Gemeinschaft litt unter dem Zustrom — kriminelle Aktivitäten nahmen zu, soziale Strukturen brachen auf, und die heiligen Praktiken wurden profanisiert.
Die koloniale Geschichte der psychedelischen Forschung
Es gibt eine unbequeme Wahrheit: Viel von dem, was die westliche Wissenschaft über Psychedelika weiß, wurde durch ein koloniales Muster gewonnen — westliche Forscher kamen in indigene Gemeinschaften, extrahierten Wissen, veröffentlichten unter ihrem eigenen Namen und gaben nichts zurück.
- Albert Hofmann isolierte Psilocybin aus Pilzen, die ihm María Sabina zur Verfügung gestellt hatte
- Die Chemie der Ayahuasca-Zubereitung wurde von westlichen Forschern publiziert, die indigenes Wissen „entdeckten"
- Patentierungsversuche für Ayahuasca-Zubereitungen bedrohten die Rechte indigener Gemeinschaften
Dieses Muster — Wissen extrahieren, verwerten, nichts zurückgeben — ist die Grundstruktur kolonialer Ausbeutung. Es in der psychedelischen Arbeit zu wiederholen, wäre ein ethisches Versagen.
Praktische Leitlinien für Facilitatoren
Was du tun kannst
Kenne die Geschichte: Wisse, woher das Wissen kommt, das du nutzt. Informiere dich über die indigenen Traditionen, die mit den Substanzen verbunden sind, mit denen du arbeitest.
Beanspruche keine Lineage: Wenn du nicht in einer indigenen Tradition ausgebildet wurdest, beanspruche keine Zugehörigkeit. Sag nicht „schamanische Zeremonie", wenn es keine ist. Sei ehrlich über den Ursprung deiner Praxis.
Gib zurück: Unterstütze indigene Organisationen finanziell und durch Sichtbarkeit. Zum Beispiel den Chacruna Institute's Indigenous Reciprocity Initiative oder das Riverstyx Foundation.
Differenziere klar: Es ist völlig in Ordnung, von indigenen Traditionen inspiriert zu sein. Aber kommuniziere klar, was von dort kommt und was deine eigene Praxis ist. Verwechsle nicht Inspiration mit Imitation.
Höre zu: Wenn indigene Stimmen sagen „Das ist nicht in Ordnung", höre zu. Auch wenn es unbequem ist. Besonders wenn es unbequem ist.
Meide Eklektizismus: Vermeide die Vermischung verschiedener kultureller Elemente zu einem Potpourri ohne Zusammenhang. Tibetische Klangschalen, indigener Tabak, hinduistische Mantras und keltische Symbole in einer einzigen „Zeremonie" — das ist keine Integration, das ist ein Sammelsurium.
Reflektiere deine Privilegien: Als westlicher Facilitator arbeitest du in einem System, das indigenes Wissen kriminalisiert und gleichzeitig kommerzialisiert hat. Sei dir dessen bewusst.
Ethische Frameworks
Moderne ethische Rahmenwerke für den Umgang mit indigenem Wissen in der psychedelischen Arbeit betonen:
- Informed Consent: Indigene Gemeinschaften sollten ein Mitspracherecht haben, wenn ihr Wissen verwendet wird
- Benefit Sharing: Wirtschaftliche Gewinne sollten mit den Herkunftsgemeinschaften geteilt werden
- Intellectual Sovereignty: Indigene Gemeinschaften haben das Recht auf ihre eigenen Wissenssysteme und deren Schutz
- Relational Ethics: Statt Wissen zu extrahieren, sollten Beziehungen auf Gegenseitigkeit und Respekt aufgebaut werden
Was das für deine Praxis bedeutet
Du musst nicht perfekt sein. Kulturelle Sensibilität ist kein Zustand, den man erreicht — es ist ein fortlaufender Prozess des Lernens, Zuhörens und Korrigierens. Fehler sind unvermeidlich. Aber die Bereitschaft, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen — ehrlich, demütig und konsequent —, unterscheidet verantwortungsvolle Facilitation von bloßer Reproduktion kolonialer Muster.
Als Facilitator trägst du eine doppelte Verantwortung: gegenüber den Menschen, die du begleitest, und gegenüber den Traditionen, auf deren Schultern du stehst.
Research Context
Forschung deutet darauf hin, dass die Kommerzialisierung indigener Pflanzenmedizin erhebliche negative Auswirkungen auf die Herkunftsgemeinschaften hat.
Fotiou, 2020, veröffentlicht im Journal of Psychedelic Studies — Ayahuasca-Tourismus in Peru hat zu steigenden Preisen für rituelle Zutaten, Umweltzerstörung und der Entstehung von „Pseudo-Schamanen" geführt — während die wirtschaftlichen Gewinne weitgehend an westlichen Betreibern hängen bleiben.
Exercise
Reflexionsübung:
Mache eine ehrliche Bestandsaufnahme: Welche Elemente deiner eigenen Praxis oder deines Interesses an Psychedelika haben indigene Wurzeln? Wie bist du zu diesem Wissen gekommen? Hast du jemals etwas zurückgegeben — an die Gemeinschaften, deren Wissen du nutzt?
Schreibe deine Gedanken auf — ohne dich zu verurteilen, aber mit Ehrlichkeit.